Airbus A320neo (Quelle: Unternehmen)

Verkaufsschlager gegen Ladenhüter Airbus: Neo statt A380

Stand: 14.12.2017, 17:00 Uhr

Der Airbus-Konzern hat mit einem Riesenauftrag der US-Airline Delta ein Milliarden-Auftragsvolumen ergattert. Objekt der Begierde der Fluggesellschaften ist immer mehr der spritsparende Airbus 321neo.

Am frühen Nachmittag gab Delta Airlines die Bestellung von 100 Mittelstreckenjets der Langversion A321 neo bekannt. Zudem sicherte sich die US-Fluggesellschaft eine Kaufoption über 100 weitere Maschinen. Die 100 fest bestellten Jets haben laut Preisliste einen Gesamtwert von 12,7 Milliarden US-Dollar (10,8 Milliarden Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen hohe Rabatte üblich. Die Auslieferungen sollen Anfang 2020 beginnen.

Die spritsparenden Jets sind derzeit der Verkaufsschlagerr bei Airbus. Auf der Dubai Airshow hatte Mitte November die US-Airline Indigo mit 430 Maschinen vom Typ A320neo Airbus den größten Auftrag der Geschichte beschert. Die Monate zuvor lief die Auftragsentwicklung für Airbus allerdings schleppend. Bis Ende Oktober konnten die Europäer lediglich Neuaufträge über 288 Flugzeuge einsammeln. Boeing hat bis Anfang November 690 Bestellungen erreicht.

A380-Produktion wird weiter gedrosselt

Neben den guten Nachrichten aus den USA gab es am Donnerstag aber auch schlechte News zum größten Prestige-Projekt des Konzerns, dem Riesenvogel A380: Laut Airbus-Vizechef Fabrice Brégier erwägt das Unternehmen eine Drosselung der Produktion seines Großraumflugzeugs. Danach ist eine Verringerung auf sechs bis sieben Maschinen pro Jahr angedacht, so der Manager am Donnerstagfrüh in Singapur. Im kommenden Jahr will man nur noch zwölf und 2019 nur noch acht Jets des Typs herstellen. Der maximale Ausstoß hatte einmal bei 30 Flugzeugen jährlich gelegen.

Dass der A380 nicht die hohen Erwartungen des Unternehmens erfüllen kann, hat sich schon seit längerem abgezeichnet. Bereits im Juni diesen Jahres hatte der Konzern angekündigt, den Großraumer für Kunden attraktiver zu machen. So erhält der "A380 plus" so genannte Winglets, abgeknickte Flügelenden, die den Treibstoff-Verbrauch um vier Prozent senken sollen. Winglets sind bereits bei vielen Maschinen, die auf geringen Treibstoff-Verbrauch getrimmt sind, im Einsatz. Die Kabine des Flugzeugs soll aufgeräumt werden, so dass der Airbus bis zu 600 Passagiere bei üblicher Klasseneinteilung fassen können soll.

Doch all das dürfte den A380 wohl nicht davor retten, ein Nischenprodukt bei Airbus zu werden. Viele Airlines setzen auf kleinere und spritsparende Fluggeräte. Hier machen Modelle wieder Dreamliner, die Boeing 787, längst das Rennen. Der Airbus 321neo ist eine mit neuen wirtschaftlichen Triebwerken ausgestattete Variante der A320er-Serie. Die Kabine kann nach den Wünschen der Airline flexibel gestaltet werden und fasst 20 Sitzplätze mehr als die Vorgängerversion bei gleicher Länge.

In der Führungsetage rumort es

Derweil stehen offenbar Veränderungen im Topmanagement beim Unternehmen bevor. "Es werden einige Änderungen notwendig sein, aber es ist noch viel zu früh zu sagen, wann, wie, und wen es betrifft", sagte Aufsichtsratschef Denis Ranque gegenüber der "Financial Times". Bei einer Sitzung des Gremiums an diesem Donnerstag soll es Insidern zufolge um Nachfolgeplanungen für Konzernchef Tom Enders und auch seinem Stellvertreter Brégier gehen.

Die Airbus-Aktie konnte vom Verkaufserfolg in den USA kaum profitieren. Sie büßte bis kurz vor Xetra-Schluss 0,7 Prozent ein. Der Titel, der im MDax notiert, hat ein prächtiges Börsenjahr mit Zuwächsen von rund 35 Prozent hinter sich.

AB/ nb