Airbus A350 auf der ILA Berlin Airshow

Nur noch halb so viele Flugzeuge ausgeliefert Airbus fliegt tief in die Verlustzone

Stand: 30.07.2020, 08:02 Uhr

Die größte Luftfahrtkrise der Geschichte hat dem europäischen Flugzeugbauer Milliardenverluste eingebrockt. Deshalb drosselt Airbus nun die Produktion seines erfolgreichen Langstreckenjets A350.

Statt sechs sollen nur noch fünf Maschinen des Typs pro Monat die Werkshallen verlassen. Das entspricht rund der Hälfte des Vorkrisenniveaus. Zuvor waren monatlich neuneinhalb A350 gefertigt worden. Insgesamt hat Airbus hat die Produktion von Verkehrsflugzeugen um 40 Prozent gedrosselt. Derzeit stehen viele fabrikneue Maschinen auf Halde, weil die Kunden sie nicht mehr abnehmen wollen. Der Flugverkehr war wegen der Pandemie in den vergangenen Monaten weltweit fast zum Erliegen zu kommen.

Airbus-Chef Guillaume Faury sagte, die Konsequenzen der Pandemie für das Geschäft des Unternehmens zeigten sich nun sehr deutlich. Im ersten Halbjahr seien nur noch halb so viele Verkehrsflugzeuge ausgeliefert worden wie im Vorjahreszeitraum.

Verlust von fast zwei Milliarden Euro

Wegen der dramatisch gesunkenen Nachfrage flog Airbus seit Jahresbeginn einen Verlust von 1,9 Milliarden Euro ein. Im zweiten Quartal lag das Minus bei rund 1,4 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern noch einen Gewinn von 1,16 Milliarden Euro gemacht.

Der Umsatz schrumpfte um zwölf Milliarden auf 18,9 Milliarden Euro. Der operative Mittelabfluss liege bei 12,4 Milliarden Euro, teilte Airbus mit. 4,4 Milliarden Euro davon seien im zweiten Quartal angefallen. Airbus-Chef Faury will nun den Geldabfluss im Konzern stoppen. Übernahmen und Finanzierungen für Kunden herausgerechnet, soll im zweiten Halbjahr unter dem Strich kein Geld mehr aus dem Konzern abfließen, kündigte der Manager an.

Noch nicht in den Zahlen enthalten sind die Kosten für den wegen der Corona-Krise geplanten Stellenabbau. Diese dürften zwischen 1,2 Milliarden Euro und 1,6 Milliarden Euro liegen. Anfang Juli hatte der Konzern mitgeteilt, wegen des Einbruchs der Flugzeugnachfrage 15.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen.

Keine Prognose für das Gesamtjahr

Den Jahresausblick hatte der Konzern bereits im März zurückgezogen. Angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Corona-Krise werde aktuell auch keine neue Prognose gegeben.

Am Vortag hatte auch der amerikanische Konkurrent Boeing angekündigt, die Produktion seiner Erfolgsreihen 787 und 777 weiter zu kürzen. Der Bau des Jumbo 747 wird gar in zwei Jahren ganz eingestellt. Zudem wird das Hochfahren der 737-MAX-Jets verschoben. Der Umsatz von Boeing war im zweiten Quartal um ein Viertel auf 11,81 Milliarden Dollar abgestürzt.

nb