Bombardier C-Serie
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Geschickter Schachzug gegen den Rivalen Boeing Airbus fliegt auf Bombardier

Stand: 17.10.2017, 09:39 Uhr

Airbus steigt mehrheitlich bei den Mittelstrecken-Flugzeugen von Bombardier ein. Ein Super-Deal des europäischen Flugzeugbauers, der den großen Rivalen Boeing damit auf Abstand hält und der noch dazu die Kasse schont.

Airbus übernimmt die Mehrheit an der Mittelstrecken-Baureihe des kanadischen Herstellers Bombardier ein, wie die beiden Unternehmen am Montagabend bekannt gaben. Bombardier wird 31 Prozent der Gesellschaft behalten. Der Rest wird von einem kanadischen Pensionsfonds gehalten.

Gut für Airbus

Das ist ein taktisch sehr guter Zug für Airbus: Die Europäer mischen zwar bereits im Mittelstreckensektor mit. Doch das Bombardier-Geschäft ist eine sinnvolle Ergänzung. Die Maschinen der so genannten C-Series von Bombardier haben zwischen 100 und 150 Sitzplätzen und sind ein stark wachsender Markt mit überschauberer Konkurrenz. Sie sind kleiner als die meisten Airbus-Flieger. Enders betont denn auch, das neue Flugzeug würde nicht in Konkurrenz zum Airbus A320 stehen: "Der ist mit mehr als 180 Sitzplätzen in einem größeren Marktsegment angesiedelt", sagte der Airbus-Chef.

Lohnend ist der Deal für die Europäer auch, weil für die Partnerschaft weder Bargeld fließt, noch Airbus für die Schulden von Bombardier auskommen. Das schont die Kassen. Airbus stellt im Gegenzug seine Kapazitäten für Verkauf und Marketing zur Verfügung, trägt allerdings auch die Entwicklungs- und Produktionskosten des neuen Fliegers.

Gut für Bombardier

Auch für Bombardier ist das ein gutes Geschäft. Dem Unternehmen drohte das Geld für die C-Series auszugehen, die Kosten sind bereits zwei Milliarden Dollar höher als ursprünglich geplant.

Ein geschickter Schachzug ist die Kooperation auch mit Blick auf den gemeinsamen Konkurrenten aus Amerika: Boeing. Der versucht gerade, die ausländischen Rivalen auf Abstand zu halten - auch mit Hilfe Donald Trumps. Die US-Regierung hat Strafzölle für bestimmte Flugzeuge von Bombardier von bis zu 300 Prozent verhängt. Eine Großbestellung von Delta Airlines für mehr als 100 Jets des Typs CS100 bei Bombardier drohte daraufhin zu platzen. Delta hatte verständlicherweise keinen Bedarf an Strafzöllen.

Schlecht für Boeing

Doch durch die neue Partnerschaft mit Airbus sind die Karten nun neu gemischt. Airbus-Chef Enders will den CS100 zwar in Kanada herstellen, aber in dem US-Werk von Airbus in Alabama endfertigen. Trumps Strafzölle fallen dort natürlich nicht an. Delta dürfte Bombardier also treu bleiben.

Am Aktienmarkt wird der Airbus-Deal von den Airbus-Aktionären positiv aufgenommen. Das Auftragsbuch für die C-Series ist zwar mit 360 Bestellungen vergleichsweise klein; Airbus rechne jedoch mit bis zu 6000 Flugzeugen in diesem Segment. Die Airbus-Aktie legt heute drei Prozent zu und ist der größte Gewinner im Nebenwertesegment MDax.

"Die C-Series passt großartig zu Airbus, damit die Produktpalette in einem stark wachsenden Markt verbreitert", sagte ein Händler. Allerdings wird der neue Deal überschattet durch die Ermittlungen der britischen Anti-Korruptionsbehörde wegen des Verdachts auf Betrug, Bestechung und Korruption gegen den europäischen Flugzeug- und Rüstungskonzern. Auf Airbus könnten dadurch hohe Strafen und entsprechend erhebliche Mehrbelastungen zukommen. Die Aktie hatte in der Vergangenheit deshalb heftige Einbußen verbucht.

bs