Airbus A220 Paris Air Show
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Erste Aufträge mit neuem Langstrecken-Jet Airbus dominiert die Pariser Luftfahrtschau

Stand: 17.06.2019, 12:06 Uhr

Die heute gestartete weltgrößte Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris wird diesmal überschattet von der Boeing-Krise. Dagegen trumpft Konkurrent Airbus groß auf - und kündigt einen neuen treibstoffärmeren Langstrecken-Jet an.

Früher lieferten sich Boeing und Airbus auf dem Salon Aéronautique in Le Bourget ein spannendes "Duell der Lüfte". Für beide Konzerne ging es darum, möglichst viele Bestellungen für ihre Flugzeug-Modelle zu ergattern. Am Ende wurde abgerechnet, wer im Rennen um neue Aufträge die Nase vorn hat.

Boeing-Chef zeigt Demut

Diesmal ist alles anders. Boeing steckt wegen der Abstürze und des Flugverbots des 737 MAX in einer schweren Krise. Bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget gehe es für sein Unternehmen diesmal nicht um Aufträge, sondern um Sicherheit, Bescheidenheit und Lernen, sagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg am Sonntag vor Journalisten in Paris. Für die Verbesserung des Flugzeugs, dessen Software vermutlich zu den Unglücken mit insgesamt 346 Toten beigetragen hat, werde sich Boeing die notwendige Zeit nehmen.

Wegen des seit Mitte März geltenden Startverbots muss Boeing laut Muilenburg mittlerweile zwischen 100 und 150 neu gebaute Flugzeuge des Typs rund um die Werkshallen parken. Er rechnet aber nicht damit, dass Boeing die Produktion irgendwann stoppen muss. "Wir denken nicht, dass die Abstellmöglichkeiten ein Problem werden."

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann Audio

ARD-Börse: Boeing weiter in Turbulenzen

Nun auch noch Ärger mit dem 777x

Wann die Max-Jets wieder abheben können, wollte der Boeing-Chef nicht prognostizieren. Der Zertifizierungsprozess komme zwar gut voran, doch die Entscheidung liege bei den Behörden. "Wir halten es für sinnvoll, das Flugzeug auf der ganzen Welt gleichzeitig wieder in die Luft zu bekommen", sagte Muilenburg. Der Weltluftfahrtverband IATA rechnet damit, dass das Startverbot nicht vor August aufgehoben wird.

Boeing 787 Thahiti Nui bei der Paris Air Show

Boeing 787 Thahiti Nui. | Bildquelle: Unternehmen

Neben den Problemen mit dem Unglücks-Jet droht dem weltgrößten Flugzeugbauer nun neuer Ärger. Laut der Zeitung "Die Welt" will Emirates beim Mega-Auftrag für den geplanten Riesenjet 777x Kürzungen vornehmen. Boeings Großraumflugzeug soll in die Bresche des eingestellten Airbus-Superfliegers A380 springen. Er dürfte in Kürze erstmals abheben. Fast die Hälfte aller 777x-Aufträge - 150 der 344 Orders - kommt bisher von Emirates. In den letzten zwei Jahren gab es aber laut "Welt" nur noch zwei Neubestellungen für Boeings größtes Flugzeug.

Airbus zeigt neue Superlangstrecken-Version des A321

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Von der Boeing-Krise könnte Airbus profitieren. Der europäische Luftfahrt-Konzern hat am Montag eine neue Super-Langstreckenversion seines Verkaufsschlagers A321neo vorgestellt, die einer Neuentwicklung von Boeing zuvorkommen soll. Der Airbus A321XLR soll Strecken von bis zu 4.700 nautischen Meilen (8700 Kilometer) bewältigen können und ab dem Jahr 2023 verfügbar sein, kündigte Airbus-Verkaufschef Christian Scherer am Montag an. Als erster Kunde kündigte der Flugzeugfinanzierer Air Lease Corporation die Bestellung von 27 Jets des Typs an. Gleichzeitig unterzeichnete Air Lease einen Vorvertrag über 23 normale Airbus A321neo sowie 50 kleinere Maschinen vom Typ A220-300.

Airbus A321XLR

Airbus A321XLR. | Bildquelle: Unternehmen

Die neue A321XLR soll 15 Prozent weiter fliegen können als die bisherige Langstreckenversion A321LR (Long Range). Damit sei sie für Strecken etwa zwischen Europa nach Amerika oder zwischen und Europa und Indien geeignet, hob Airbus hervor. Im Vergleich mit der Boeing 757, die solche Strecken typischerweise fliege, spare die A321XLR rund 30 Prozent an Treibstoff und CO2-Ausstoß ein, sagte Airbus-Manager Scherer.

Prominente Unterstützung für Airbus kommt auch von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. Zum Start der weltgrößten Luftfahrtmesse landete Macron in einer Militärversion des Airbus A330 auf dem Flughafen Le Bourget bei Paris. Der 41-Jährige nahm an der Vormittag an der Unterzeichnung der Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben eines europäischen Kampfjets teil. Das sogenannte Luftkampfsystem der Zukunft soll von 2040 an einsatzfähig sein.

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Airbus und Boeing - Wettkampf am Himmel

Neubestellungen eingebrochen

Die befürchtete Abkühlung der Weltkonjunktur hat zuletzt die Aussichten für die Luftfahrtbranche eingetrübt. Wegen der hohen Treibstoffkosten gingen mehrere Airlines pleite. Die Neubestellungen sind in diesem Jahr sowohl bei Airbus als auch bei Boeing eingebrochen. Allerdings sitzen die Flugzeugbauer noch auf gut gefüllten Auftragsbüchern aus der Vergangenheit. Sie müssen einen Auftragsbestand von über 12.800 Flugzeugen abarbeiten.

Airbus Produkte Paris Air Show

Airbus Paris Air Show. | Bildquelle: Unternehmen

Die Klimadebatte stellt die Industrie aber vor riesige Herausforderungen. Der neue Airbus-Chef Guillaume Faury schürt die Hoffnung auf neue Flugzeuge ohne CO2-Ausstoß: "Sehen wir einen Weg dorthin? Ja, das tun wir", sagte der Franzose unmittelbar vor dem Messestart. Der Topmanager spricht von der "Herausforderung dieses Jahrhunderts", will sich aber auf einen Zeitplan nicht festlegen.

Das ewige Duell an der Börse

An der Börse hat Airbus seinen Rivalen Boeing klar überflügelt. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um gut 50 Prozent gestiegen und hat mit 124,12 Euro ein Rekordhoch erreicht. Dagegen konnten die Titel von Boeing nur um rund zwölf Prozent zulegen. Seit März befinden sich die Papiere im Tiefflug.

Chartvergleich: Airbus vs. Boeing

Airbus versus Boeing. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Langfristig sieht das Bild aber anders aus. Auf Fünf-Jahres-Sicht hat Boeing die Nase vorn. Die Aktie des weltgrößten Flugzeugbauers hat sich mehr als verdreifacht. Die Titel von Rivale Airbus haben dagegen im selben Zeitraum nur knapp 150 Prozent gewonnen.

nb