Airbus A321XLR

Drohende Flugzeugzölle Airbus-Aktie im Zollstress

Stand: 17.09.2019, 07:24 Uhr

Die Papiere des Flugzeugbauers leiden weiter unter den möglichen Zöllen, die die USA auf neue Flugzeuge verhängen könnten. Die erscheinen derzeit wahrscheinlicher als je zuvor. Das räumt auch der Airbus-Chef inzwischen ein.

Guillaume Faury warnte in einem Zeitungsinterview ausdrücklich vor den Auswirkungen des Handelskriegs auf die Luftfahrt. Sorge bereite ihm vor allem kurzfristig drohende US-Zölle auf Airbus-Flugzeuge als Folge des Streits vor der Welthandelsorganisation WTO, sagte der seit April amtierende Franzose in einem Gespräch mit "Welt" (Dienstagausgabe). "Wir befinden uns in einer Situation, in der sich Dinge sehr schnell ändern können", so Faury.

Warten auf die Strafliste

Bereits seit 15 Jahren streiten Europa und die USA über die Zulässigkeit von Staatshilfen für ihre Flugzeughersteller. In der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump steht nun der erste WTO-Schlichtungsspruch an. Die US-Seite hat bereits Sonderzölle von bis zu 100 Prozent in Aussicht gestellt. Nach dem WTO-Schlichtungsspruch wird die endgültige Strafzollliste der USA erwartet.

Aus Furcht vor den US-Strafzöllen haben sich Anleger schon am Montag bei Airbus zurückgezogen. Die Aktien des Flugzeugbauers fielen am Montag in Paris um bis zu 4,4 Prozent auf 120 Euro. Am Dienstag könnte der kleine Ausverkauf bei der Aktie weitergehen. Offenbar hat die Welthandelsorganisation WTO den USA grünes Licht für Strafzölle auf europäische Produkte im Volumen von 11,2 Milliarden Dollar gegeben haben.

Auch die EU rechnet damit, dass die USA bereits in rund zwei Wochen die offizielle Erlaubnis der Welthandelsorganisation (WTO) bekommen könnten, auf Importe aus der EU Sonderzölle zu verhängen. Airbus steht dabei besonders im Fokus, weil das Unternehmen laut der WTO illegale Staatshilfen in Milliardenhöhe erhalten hat.

Pause bei der Produktionssteigerung

Unabhängig von der Zolldiskussion will Airbus seine Auslieferungen in den kommenden zwei Jahren nicht steigern, auch dies sagte Faury gegenüber der "Welt". Man werde 2020 und 2021 zahlenmäßig eine Pause einlegen, weil die Komplexität der Produktion durch neue Modelle zunehme. In diesem Jahr seien 880 bis 890 Auslieferungen das Ziel, so Faury. Erreicht Airbus sein Auslieferungsziel, könnte der Konzern erstmals seit Jahren mehr Flugzeuge an die Kundschaft bringen als Erzrivale Boeing und den US-Konzern somit als Branchenführer überholen.

Boeing ist wegen seiner Unglücksjets 737 MAX in einer schweren Krise. Der Airbus-Chef erklärte, der Konzern habe wegen der Boeing-Krise keine Vorteile. Airbus sei bis 2024 mit der Produktion ausgebucht, sagte Faury.

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