Guillaume Faury, Airbus
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Wettstreit der Flugzeugbauer Neue Chance für Airbus im Kampf gegen Boeing?

von Thomas Spinnler

Stand: 10.04.2019, 06:45 Uhr

Tom Enders geht, Guillaume Faury kommt: Der neue Airbus-Chef steht vor großen Herausforderungen, aber er übernimmt ein solides Unternehmen. Ob Airbus von den aktuellen Problemen bei Boeing profitieren kann, ist ungewiss – und am Horizont erscheint bereits ein neuer Konkurrent.

Das Unternehmen, das Guillaume Faury künftig führt, steht derzeit auf soliden Füßen, denn die Bilanz seines Vorgängers Tom Enders fällt insgesamt gut aus. Im vergangenen Jahr setzte der Flugzeugbauer fast 64 Milliarden Euro um und schaffte einen Gewinnsprung auf mehr als drei Milliarden Euro.

Der Auftragsbestand erreichte mit 7.577 Verkehrsflugzeugen sogar einen Branchenrekord, auch die Auslieferungen lagen mit 800 Flugzeugen auf einem Rekordstand, auch wenn Boeing mit 806 ausgelieferten Jets leicht die Nase vorn hatte. Allerdings gelang es Airbus, die Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr um 80 Maschinen zu steigern, während Boeing lediglich ein Plus von 40 verzeichnete.

Aber es gibt Schattenseiten. Dazu zählt zum einen die teure unternehmerische Fehlentscheidung, auf den Großraumflieger A380 zu setzen. Auch die Ermittlungen gegen Airbus wegen des Verdachts auf Betrug, Bestechung und Korruption bei Geschäften der zivilen Luftfahrtsparte belasten. Der Ausgang ist noch völlig offen.

Guillaume Faury (l.) und Tom Enders

Guillaume Faury (l.) und Tom Enders. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

„Das Vertrauen schwindet“

Trotzdem scheint das Momentum im Wettbewerb gegen den US-Konkurrenten Boeing im Augenblick für Airbus zu sprechen, da Boeing nach den beiden Abstürzen der Maschinen vom Typ 737 MAX in eine tiefe Krise geschlittert ist.

Klaus-Heiner Röhl, Luftfahrt-Experte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) meint, dass das Vertrauen in den US-Marktführer schwinde. Röhl sieht Airbus bei den Kurz- und Mittelstreckenmaschinen gegenüber dem Wettbewerber im Vorteil. „Die Modernisierung der Airbus A320-Familie wurde früher angeschoben als die des Gegenstücks von Boeing.“

Auch habe sich der A320neo besser als die Boeing 737 MAX verkauft. Röhl hält es nicht für unwahrscheinlich, dass Fluggesellschaften nun zu Airbus wechseln werden. Nach Angaben von Airbus ist die A320-Familie mit mehr als 14.600 bestellten und 8.600 ausgelieferten Flugzeugen das weltweit erfolgreichste Modell mit nur einem Kabinengang.

Airbus versus Boeing

Airbus versus Boeing: Die Aktienperformance der vergangenen drei Monate. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Röhl könnte recht haben: So will Indonesiens staatliche Fluggesellschaft Garuda eine Bestellung über 49 Maschinen des Typs Boeing 737 MAX stornieren, der Listenpreis beträgt mehr als vier Milliarden Euro. Die indonesische Billigfluglinie Lion Air, der einer der abgestürzten Jets gehörte, soll Medienberichten zufolge einen Wechsel zu Airbus erwägen.

Wechsel zu Airbus dürfte schwierig werden

Wirklich Sorgen machen muss sich Boeing gleichwohl nicht. Die globale Nachfrage nach kleineren Passagierflugzeugen ist angesichts des stetig zunehmenden Flugverkehrs gigantisch - sie kann von einem Anbieter nicht gedeckt werden. Es gebe keine Alternative für einen massenhaften Umstieg, meinen deshalb die Branchenexperten der Berenberg Bank.

Die Kapazitäten von Airbus zur Produktion des A320 seien auf Jahre hin ausgelastet, stellt auch ein Experte des Analysehauses FlightGlobal fest. In den meisten Fällen blieben die Fluggesellschaften deshalb beim Boeing-Modell, zumal mit einem Modellwechsel auch ein kompletter Austausch der Infrastruktur verbunden sei.

Guillaume Faury, im Hintergrund Jia Baojun Xi Jinping und Emmanuel Macron(l.)

Faury beim Abschluss des China-Abkommens. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Wird China zum dritten Player?

Umso besser für Airbus, dass Faury unlängst einen Riesenauftrag aus China verkündete. Airbus schloss mit dem staatlichen Luftfahrtdienstleister China Aviation Supplies Holding (CAS) ein Abkommen über den Verkauf von 300 Flugzeugen ab. 290 Mittelstreckenjets aus der A320-Familie und zehn Langstreckenjets der A350-Reihe wurden verkauft. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein – für Faury und für Airbus.

China ist ein bedeutender und zukunftsträchtiger Markt: Airbus liefert dorthin bereits fast ein Viertel seiner Verkehrsflugzeuge. Laut firmeneigener Prognose wird China in den nächsten 20 Jahren rund 7.400 neue Flugzeuge benötigen. Es repräsentiere mehr als 19 Prozent der globalen Nachfrage nach insgesamt mehr als 37.400 Fliegern.

Jedoch ist keineswegs klar, ob Boeing und Airbus den chinesischen Markt unter sich aufteilen können. Wie in anderen Branchen auch ist China bestrebt, den Vorsprung der westlichen Industrieländer aufzuholen. Dort entwickelte der staatliche Flugzeugbauer Comac die C919, einen Konkurrenzflieger zu den Modellen 737 oder A320. Sie soll im Jahr 2021 in Dienst genommen werden.

Comac C919

Comac C919: Auch China baut Flugzeuge. | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

Bislang liegen nach Angaben von Comac 800 Bestellungen – überwiegend aus China - vor. Nach allem, was man über die Struktur der chinesischen Wirtschaft weiß, wird es dabei nicht bleiben, sollte sich das Flugzeug bewähren.