Air France-Maschinen am Flughafen Charles de Gaulle
Audio

Gehaltsstreit eskaliert Absturz bei Air France-Aktie

Stand: 07.05.2018, 10:40 Uhr

Anleger nehmen Reißaus, Analysten senken den Daumen: Um eine der größten europäischen Airlines steht es derzeit schlecht. Nun nimmt auch noch der Konzernchef den Hut - und die französische Regierung spricht ein Machtwort.

Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat den Piloten der Airline verantwortungsloses Verhalten vorgeworfen. "Wenn man weiß, dass ein Unternehmen in Gefahr ist, dann stellt man nicht solch hohe Forderungen wie die, die jetzt auf dem Tisch liegen", so Le Maire am Sonntag in einem TV-Interview. "Ich hoffe, dass man zum sozialen Dialog zurückkehrt und dass die Vernunft siegt." Frankreich ist mit rund 14 Prozent an Air France/KLM Großaktionär des Unternehmens.

Mitarbeiter schmeißen Chef raus

Und das hat wegen der Auseinandersetzungen um mehr Gehalt bei Piloten und den anderen Beschäftigten, gerade seinen Chef verloren. Jean-Marc Janaillac trat nach einer Mitarbeiterbefragung zurück, bei der sich eine Mehrheit gegen den jüngsten Gehaltsvorschlag des Managements ausgesprochen hat. Der 65-Jährige hatte seine berufliche Zukunft mit dem Ergebnis der Abstimmung verknüpft. Die französischen Gewerkschaften fordern weiterhin eine sofortige Gehaltserhöhung um 5,1 Prozent, das Unternehmen hatte sieben Prozent, verteilt über vier Jahre angeboten.

Jean-Marc Janaillac

Jean-Marc Janaillac. | Bildquelle: picture alliance / Philippe De Poulpiquet/MAXPPP/dpa

Kosten infolge von Streiks der Beschäftigen hatten den Konzern im ersten Quartal tiefer ins Minus gedrückt. Operativ lag es bei 118 Millionen Euro, insgesamt 13 Streiktage sorgten dabei für Verlust in Höhe von 75 Millionen Euro. Netto lag das Minus im Quartal sogar bei 269 Millionen Euro.

Aktie halbiert...

Am Kapitalmarkt kam die Entwicklung verheerend schlecht an. Die Air France/KLM-Aktie rutschte im französischen Auswahlindex CAC 40 um rund zwölf Prozent auf nur noch sieben Euro ab. Zu Jahresbeginn hatte der Titel noch doppelt so viel, nämlich 14 Euro gekostet.

... Analysten nicht erfreut

Analysten sind am Montag ebenfalls stark enttäuscht von der Entwicklung im Unternehmen. Experten der Société Générale stufen die Titel nun auf "Verkaufen" ein, nachdem sie zuvor noch zum Kauf geraten hatten. Das Kursziel wurde von zwölf auf sechs Euro glatt halbiert. Auch die Experten von Main First haben bereits Konsequenzen aus der aktuellen Situation gezogen. Die Aktie sehen sie nur noch als "neutral", das Kursziel liegt ebenfalls bei sechs, nach zuvor zehn, Euro.

Weiterhin ist keine Entspannung in Sicht: Der heutige Montag ist Streiktag Nummer 14, rund 15 Prozent der Flüge von Air France wurden gestrichen. Die Tochter KLM ist nicht vom Ausstand betroffen.

AB