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Billigflieger Air Berlin ist pleite

Stand: 15.08.2017, 19:14 Uhr

Hauptaktionär Etihad hat den Geldhahn zugedreht. Deshalb musste am Dienstag die krisengeschüttelte Fluglinie Air Berlin Insolvenz anmelden. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft droht zerschlagen zu werden.

Air Berlin könnte nun filetiert werden, hieß es am Abend in einem Vorabbericht der Tageszeitung "Die Welt". Da eine Komplettübernahme von Air Berlin durch die Lufthansa kartellrechtlich nicht möglich sei, soll nicht nur die Lufthansa, sondern auch der britische Billigflieger Easyjet Teile der insolventen Fluglinie übernehmen. "Im Kern soll es zu einer Zerschlagung von Air Berlin kommen. Die Lufthansa und EasyJet werden den Betrieb fortführen", sagte ein Insider der "Welt". Es hänge vom Ausgang der kartellrechtlichen Verhandlungen ab, welche Teile und Strecken genau an die beiden Fluggesellschaften gehen.

Etihad zieht die Notbremse

Mitten in der Urlaubszeit zog Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways - anders als noch vor wenigen Monaten versprochen - die Reißleine und drehte Air Berlin den Geldhahn zu. Erst im April hatte die Airline aus Abu Dhabi den Berlinern eine Geldspritze von 250 Millionen Euro gewährt. Ethiad war 2011 bei der angeschlagenen Fluggesellschaft eingestiegen.

Daraufhin meldete der chronisch defizitäre Lufthansa-Rivale am Dienstag Insolvenz an. Man sei "zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht", hieß es in einer Air-Berlin-Pflichtmitteilung an die Börse.

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Markus Gürne
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Der Absturz von Air Berlin

Das Insolvenzverfahren soll in Eigenverwaltung erfolgen. Die Bundesregierung will Air Berlin mit einem Übergangskredit unterstützen, damit der Flugbetrieb bis Ende November aufrecht erhalten werden kann. "Wir vermeiden also eine Einstellung des Flugverkehrs", sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Aufgrund des Insolvenzrechts wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium am Dienstag mit. Der Kredit von 150 Millionen Euro werde durch die staatliche KfW-Bank gewährt.

Aktie bricht ein

Die Aktie von Air Berlin wurde kurzzeitig vom Handel ausgesetzt. Nach der Aussetzung brach sie um zeitweise über 50 Prozent ein. Zum Xetraschluss verringerte sich das Minus auf 34 Prozent. Damit war die Airline-Aktie nur noch 51 Cents wert.

Der Kurs der Lufthansa profitierte indes, sie war mit einem Plus von 4,7 Prozent klar größter Gewinner im Dax. Air Berlin führt derzeit Verhandlungen mit der Lufthansa über die Veräußerung von Betriebsteilen. Die Lufthansa hatte im Mai noch Interesse an der Airline bekundet, sofern die Berliner es schaffen würden, ihre Schulden von 1,2 Milliarden Euro abzubauen.

Niki Luftfahrt und Leisure Cargo ausgeschlossen

Der Insolvenzantrag beziehe sich nicht auf Niki Luftfahrt. Die Fluglinie war einst von dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Niki Lauda gegründet worden. Der saß bis 2013 im Verwaltungsrat von Air Berlin und prophezeite kürzlich das Aus für die angeschlagene Fluglinie. Auch die Air-Berlin-Frachttochter Leisure Cargo sei von dem Insolvenzantrag nicht betroffen.

Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin bleiben nach Angaben des Unternehmens alle gebuchten Tickets gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert.

nb/ cw

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