Logo und Schriftzug von Air Berlin an einer Boeing 737

Wilde Zockerei bei Air Berlin Was wird aus den Air Berlin-Aktien und Anleihen?

von Bettina Seidl

Stand: 15.09.2017, 13:01 Uhr

Was wird aus Air Berlin? Es ist nicht anzunehmen, dass jemand die Fluggesellschaft als Ganzes übernimmt. Das bedeutet für die Aktie: Sie ist wertlos. Warum steigt sie dann?

In den letzten beiden Tagen hat die Air Berlin-Aktie rund 20 Cent zugelegt. Anleger lassen sich offenbar von den vielen Bietern locken, die bis heute um 14 Uhr ihre Gebote für die Airline abgeben können, von Lufthansa bis Niki Lauda. Was manch Anleger dabei aber nicht bededenkt: In der Regel übernimmt im Pleitefall niemand das komplette Unternehmen, weil auf den Käufer dann auch sämtliche Schulden übergehen. Und die sind ordentlich bei Air Berlin, ein Schuldenberg von mehr als einer Milliarde Euro wäre zu schultern. Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen.

Deshalb dürften Lufthansa und Co lediglich für die Vermögenswerte bieten. Hauptsächlich sind das die so genannten Slots. Die wichtigen Start- und Landerechten an den Flughäfen sind nahezu das einzige, was Air Berlin da noch an verwertbarem Vermögen hat. Die Airline hat nur noch wenige Flugzeuge zu bieten - die meisten waren ohnehin nur noch geleast - und besitzt keine Immobilien.

Welche Aussichten haben Anleihegläubiger?

Dank dieser Slots könnte am Ende noch etwas für die Anleihegläubiger hängen bleiben. Nicht viel, denn aus dem Erlös soll der 150 Millionen Euro schwere Massekredit getilgt werden, mit dem die Bundesregierung den Betrieb von Air Berlin für drei Monate gewährleistet. Das Insolvenzverfahren kostet auch noch einiges. Am Ende bleib vielleicht ein kleiner Rest übrig. Wie viel, ist noch nicht absehbar.

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit dem Verkauf von Geschäftseinheiten und den damit verbundenen Start- und Landerechten Erlöse in einem Umfang erzielen werden, der über der gewährten Finanzhilfe liegt", sagte jüngst Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Die Slots standen Ende 2016 allerdings nur mit 80 Millionen Euro in der Bilanz von Air Berlin, die Slots von Niki waren allerdings nicht mehr dabei. Die Anleihen der Airline notieren jedenfalls derzeit bei einem Kurs von unter zehn Prozent - was die Erwartung der Börse widerspiegelt, dass es nicht einmal mehr ein Zehntel des Geldes zurück gibt.

Welche Aussichten haben Aktionäre?

Die Aktionäre werden im Pleitefall erst nach den Anleihegläubigern berücksichtigt - sie gehen mit großer Wahrscheinlichkeit also leer aus. Die Aktie ist wertlos.

In dieser Realität sind die Aktionäre von Air Berlin ber noch nicht angekommen. Seit dem Insolvenzantrag vor einem Monat hat sich der Aktienkurs zeiweise zwar gedrittelt, er fiel von 0,75 Euro auf 0,24 Euro.

Doch die vielen Interessenten und Bieter haben der Aktie wieder Zulauf beschert und den Kurs über 0,50 Euro getrieben. Sei es durch spekulativ orientierte Trader, die wissen, dass die Aktien insolventer Firmen immer wieder irrationale Kurssprünge gut sind, oder durch unwissende Anleger. Dem langfristig orientierten Anleger sei aber ans Herz gelegt: Finger weg von der Air Berlin-Aktie!

1/16

Wer alles für Air Berlin bieten will Interessentenliste wird immer länger

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Lufthansa
Die größte deutsche Fluggesellschaft will wie die meisten anderen Interessenten Teile von Air Berlin übernehmen, es geht um bis zu 90 der mehr als 140 Jets des insolventen Konkurrenten. Vor allem für die Langstreckenflüge - insbesondere in die USA - gilt die Lufthansa als gesetzt.

Die Lufthansa will auch einige Air Berlin-Mitarbeiter übernehmen. Konzernchef Carsten Spohr sagte dazu: "Top Leute, bei denen wir uns freuen können, wenn wir möglichst viele zu uns holen".