Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann

Nach der Insolvenzanmeldung Air Berlin: Was passiert mit den Aktien und Anleihen?

Stand: 17.08.2017, 14:52 Uhr

Eine Pleite ist ein Desaster für Aktionäre und Anleihegläubiger. Für die Aktionäre noch mehr als für die Anleihegläubiger. Wie ist das bei Air Berlin?

Air Berlin hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das Management will so die bereits eingeleitete Restrukturierung selbst fortführen und vermeiden, dass ein Insolvenzverwalter die Geschäfte übernimmt. So kann Air Berlin, seine Schulden neu zu verhandeln – auch die Darlehen von Etihad.

Nur Rosinenpicken

Dass Air Berlin so aber raus kommt aus dem Schlamassel, ist kaum denkbar. Welcher Investor sollte auch bereit sein, eine Airline zu retten, die jahrelang nur Verluste eingeflogen hat? In der Regel gibt es im Pleitefall keine komplette Übernahme des Konzerns, weil der Käufer dann auch sämtliche Schulden übernehmen müsste. Stattdessen dürften sich andere Fluglinien wie etwa die Lufthansa an einigen Vermögensgegenständen bedienen. Air Berlin verhandelt nach eigenem Bekunden mit drei börsennotierten Rivalen über eine Übernahme von Teilen der insolventen Fluggesellschaft. "Neben der Deutschen Lufthansa stehen wir mit zwei weiteren Interessenten aus der Luftfahrt in Kontakt", sagte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Teile, das heißt heißt Slots. Denn die wichtigen Start- und Landerechten an den Flughäfen sind nahezu das einzige, was Air Berlin da noch zu bieten hat. Die Airline hat keine eigenen Flieger mehr - die sind nur geleast - und keine Immobilien.

Wer bekommt noch was?

Dank dieser Slots könnte am Ende noch etwas für die Anleihegläubiger hängen bleiben. Nicht viel, denn aus dem Erlös soll der 150 Millionen Euro schwere Massekredit getilgt werden, mit dem die Bundesregierung den Betrieb von Air Berlin in den nächsten drei Monaten gewährleisten will. Und das Insolvenzverfahren kostet ja auch einiges. Aber vielleicht bleibt am Ende ein kleines Bisschen übrig.

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit dem Verkauf von Geschäftseinheiten und den damit verbundenen Start- und Landerechten Erlöse in einem Umfang erzielen werden, der über der gewährten Finanzhilfe liegt", sagt Winkelmann. Die Slots standen Ende 2016 allerdings nur mit 80 Millionen Euro in der Bilanz von Air Berlin. Die Slots von Niki waren in der Bilanz für 2016 nicht mehr berücksichtigt.

Die Anleihen der Airline notieren jedenfalls noch bei etwa zehn Prozent, was die Hoffnung der Börse widerspiegelt. Die Aktionäre dürften mit großer Wahrscheinlichkeit aber bei einem solchen Deal leer ausgehen, die Aktie wäre also wertlos. In dieser Realität sind die Aktionäre aber noch nicht angekommen. Seit dem Insolvenzantrag hat sich der Aktienkurs von 0,75 Euro auf etwa 0,38 Euro halbiert. Für die Aktionäre der ersten Stunde ist das den Schmerz nur noch unwesentlich, sie haben die Aktie im Mai 2006 für 12 Euro gekauft.

Ein abgekartetes Spiel?

"Die Aktionäre müssen die Suppe auslöffeln für zehn Jahre unternehmerische Fehlentscheidungen und Missmanagement", kritisert die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) die mangelnde öffentliche Aufmerksamkeit für die Anteilseigner.

Medienberichten zufolge soll bereits ein Verwertungskonzept für Air Berlin ausgearbeitet worden sein, wonach die Lufthansa und EasyJet einen Großteil der Vermögensgegenstände übernehmen sollen, so die SdK. Diese Vorgehensweise sei nicht hinnehmbar, da nicht erkennbar ist, dass die Interessen der Gläubiger ausreichend berücksichtigt worden sind. "Die SdK fordert gerade bei einem so öffentlichkeitswirksamen und für den europäischen Flugverkehr bedeutenden Insolvenzverfahren ein transparentes Vorgehen mit einem offenen Verkaufsprozess für die vorhandenen Vermögenswerte, um so die zu erwartende Insolvenzquote für alle betroffenen Gläubiger maximieren zu können."

bs

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