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Anleihe geplant Adidas will KfW-Kredit ablösen

Stand: 23.04.2020, 14:42 Uhr

Um den Staat so schnell wie möglich wieder loszuwerden, plant Adidas-Chef Kasper Rorsted einem Magazinbericht zufolge die Ausgabe einer milliardenschweren Anleihe

Wie das "Manager Magazin" ohne Angabe von Quellen berichtet, will Adidas mit Hilfe einer eigenen Anleihe den von der staatlichen KfW-Bankengruppe gewährten Kredit in Höhe von 2,4 Milliarden Euro ablösen. Die weltweite Nummer zwei hinter Nike hatte sich als erstes Unternehmen aus dem Dax Geld besorgt, um die dramatischen Umsatzausfälle wegen der allgemeinen Ausgangsbeschränkungen abzufedern. Adidas hatte erklärt, das bis Mitte 2021 laufende Darlehen schnellstmöglich wieder zurückzahlen zu wollen.

Für die Ausgabe einer Anleihe bräuchte Adidas dem Bericht zufolge aber die Bonitätsnote einer der großen Ratingagenturen. Bisher habe sich Finanzvorstand Harm Ohlmeyer ein solches Rating gespart. Nun soll ein solches möglichst bald vorliegen. Der Konzern "arbeitet aktuell auf den Erhalt eines externen Kreditratings hin", bestätigte Adidas dem Magazin. Von Adidas war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Verständnis seitens der FDP

Durch die weltweiten Ladenschließungen war dem zuvor hochprofitablen Sportartikelkonzern der Umsatz weggebrochen. Allein in China fehlten Adidas bis zu eine Milliarde Euro. Im Gegenzug für den Staatskredit musste Adidas die Dividende streichen. Inzwischen sind die Läden in China wieder geöffnet. Auch in Europa wird der Shutdown zunehmend gelockert, so dass wieder mehr Geld in die Kassen fließen kann.

Adidas hatte mit seinem Antrag bei der KfW für Erstaunen gesorgt, galt der Sportartikelriese doch bis dahin als ausreichend kapitalisiert. Politiker und Experten verteidigten aber das Vorgehen des Unternehmens aus Herzogenaurach. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte zu Reuters, es sei zwar "bezeichnend, dass etliche große börsennotierte Unternehmen bei den staatlichen Hilfen sehr schnell zugegriffen haben". Adidas habe aber durch die Eingriffe des Staates - Ladenschließungen zum Gesundheitsschutz - große wirtschaftliche Nachteile erlitten. "Deshalb ist es für die FDP akzeptabel, wenn es nun eine attraktive staatliche Hilfe als Ausgleich nutzt." Der Staat müsse aber rasch Auswege aus den großen Hilfsprogrammen aufzeigen.

Analysten bleiben skeptisch

Derweil haben Analysten ihre Einschätzungen zu Adidas nach unten revidiert. So senkte Jefferies das Kursziel von 270 auf 220 Euro, beließ aber die Einstufung auf "Hold". Analyst James Grzinic kürzte wegen einer negativen Branchenstudie zu Textilherstellern die Schätzungen für die wichtigsten sechs Anbieter für dieses Jahr um im Schnitt die Hälfte. Dabei hofft er auf eine Erholung im Jahr 2021. Sein neutrales Votum für Adidas begründete er mit dem Risiko für die Bruttomargen und voraussichtlich zeitlich verzögertem Synergiepotenzial

Elena Mariani von Morgan Stanley senkte ihr Kursziel für Adidas auf 200 Euro. Damit liegt sie nun fast so tief wie ihr Credit-Suisse-Kollege mit seinen 199 Euro aus der Vorwoche. Mariani hält den Markt angesichts voller Lager und hoher Rabattrisiken für zu optimistisch. Entsprechend sei es zu früh für eine positivere Einschätzung der Adidas-Aktien. Im Zuge des Pandemie-Crashs waren sie bis Mitte März mit 162,20 Euro auf das tiefste Niveau seit Frühjahr 2017 abgesackt, hatten sich zuletzt aber wieder bis auf 229 Euro erholt.

lg