Adidas-Chef Kasper Rorsted
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Auf der Hauptversammlung Adidas verteidigt Partnerschaft mit Real Madrid

Stand: 09.05.2019, 14:48 Uhr

Auf der Hauptversammlung in Fürth muss sich Adidas-Chef Kasper Rorsted kritischen Fragen der Aktionäre stellen. Sie reichen von den Gründen für die Partnerschaft mit Real Madrid bis zu Hungerlöhnen in Kambodscha.

So monierte die Aktionärsvertretung DSW die "exorbitanten jährlichen Zahlungen" von Adidas an den spanischen Spitzenclub Real Madrid. Erst am Mittwoch hatte Adidas die Verlängerung des Vertrags mit den "Königlichen" bis Juni 2028 bekannt gegeben.

Adidas entwirft und produziert die Trikots der Spanier seit 1998. Über das finanzielle Volumen der Partnerschaft vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Real Madrid hat den Angaben zufolge 600 Millionen Fans auf der ganzen Welt.

"Führungsrolle im Fußball"

Vorstandschef Kasper Rorsted verteidigte die Verlängerung des Sponsoring-Engagements. "Die Partnerschaft mit Real unterstreicht unsere Führungsrolle im Fußball und erhöht unsere Markenattraktivität", sagte er auf der Hauptversammlung des Sportartikelherstellers am Donnerstag in Fürth.

Rorsted betonte, er und seine Vorstandskollegen seien sich jedoch sehr klar darüber, "wo die Obergrenze für unser finanzielles Engagement liegt". Die DSW monierte zudem die mangelhafte Lage der amerikanischen Adidas-Tochter Reebok.

Was wird aus Reebok?

Tatsächlich hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung im vergangenen Sommer bemängelt, dass der Wert der US-Tochter viel zu hoch angesetzt ist. "Es ist unverständlich, wieso Adidas bei der Bewertung die schlechten Zahlen von Reebok ignoriert hat", sagte Gerhard Jäger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Er warf dem Vorstand vor, den Buchwert der Marke schönzureden.

Deshalb fragten die Anteilseigner auch immer wieder, weshalb und wie lange Adidas noch an der schwächelnden Marke Reebok festhalten wolle. Eine Antwort darauf bekamen sie allerdings nicht. Nur soviel: Rorsted betonte, dass das Management mit seinen Sanierungsbemühungen "noch lange nicht am Ende" sei.

Hungerlöhne in Kambodscha?

Befragt nach dem jüngsten Umsatzrückgang des Konzerns in der Heimatregion Europa, sagte Rorsted, dieser werde sich umkehren, sich also im zweiten Halbjahr nicht fortsetzen. Weltweit soll der Umsatz von Adidas in diesem Jahr in konstanten Wechselkursen gerechnet zwischen fünf und acht Prozent steigen. Beim Gewinn peilt der Vorstand ein Plus von bis zu 14 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro an.

Der Dachverband der kritischen Aktionäre will dem Vorstand trotzdem die Entlastung verweigern. Begründung: Adidas zahle Beschäftigten in Kambodscha und Indonesien nur Mindestlöhne, die nicht für ein menschenwürdiges Leben reichten. Aus Kambodscha stammen nach Angaben der kritischen Aktionäre fast 25 Prozent der Bekleidung, die Adidas herstellen lässt.

Neue Aufsichtsräte

Außerdem steht die Wahl neuer Aufsichtsratsmitglieder auf der Tagesordnung. Neben Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sollen Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber und die chinesische Managerin Jing Ulrich in den Adidas-Aufsichtsrat einziehen. Nicht mehr zur Wahl treten Deutsche-Post-Chef Frank Appel, Katja Kraus und Willi Schwerdtle an.

lg/dpa/rtr