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Entschuldigungsbrief Adidas zahlt jetzt doch Miete

Stand: 01.04.2020, 16:20 Uhr

Der Adidas-Höhenflug ist beendet. Seit Jahresbeginn ist die Aktie des Sportartiklers um fast 30 Prozent abgestürzt. Die Corona-Krise trifft Adidas mit voller Wucht. Der einstige Börsenliebling hat zudem mit der Aussetzung von Mietzahlungen für Empörung gesorgt. Nun lenkt Adidas ein.

Der Sportartikelhersteller zahlt nach harscher öffentlicher Kritik nun doch seine Mieten und entschuldigt sich für sein Vorpreschen. "Die Entscheidung, von Vermieter(innen) unserer Läden die Stundung der Miete für April zu verlangen, wurde von vielen von Ihnen als unsolidarisch empfunden", heißt es in einem offenen Brief, den Adidas am Mittwoch veröffentlichte. "Ihre Meinung ist uns wichtig, und Ihre Meinung ist eindeutig: Sie sind von adidas enttäuscht."

"Wir entschuldigen uns!"

"Wir haben einen Fehler gemacht und damit viel Vertrauen verspielt. Es wird dauern, Ihr Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Aber wir werden alles dafür tun", wird in dem Brief beteuert, der am Donnerstag als Anzeige in ausgewählten Medien erscheinen soll. "Deshalb möchten wir uns bei Ihnen in aller Form entschuldigen. Wir haben unseren Vermieter(innen) die Miete für April bezahlt. Fairness und Teamgeist sind seit jeher eng mit Adidas verknüpft und sollen es auch bleiben", heißt es in dem Brief weiter.

Adidas hatte im Zuge der Corona-Krise angekündigt, die Miete für die geschlossenen Läden in Europa ab April nicht mehr zu bezahlen. Man sei in Gesprächen mit den Vermietern. Daraufhin hatte es zum Teil harsche Kritik aus allen Teilen der Gesellschaft gehagelt - von Vermieterorganisationen über politische Parteien bis hin zu Privatleuten. Im Internet gab es Boykott-Aufrufe gegen das Unternehmen. Auch die "Bild"-Zeitung schlug auf Adidas ein. Kommunikationsexperten sprachen von einem PR-Gau.

Zwar bemühte sich Adidas-Chef Rorsted schon am Wochenende um Schadensbegrenzung und versuchte die Maßnahmen zu relativieren. Das ging jedoch im Sturm der Entrüstung weitgehend unter. Der Versuch, die Mietzahlungen auszusetzen, zeigt, wie schlimm die Lage für Adidas ist.

Mit Kurzarbeit gegen das wegbrechende Geschäft

2019 scheffelte der weltweit zweitgrößte Sportartikel-Hersteller noch einen Rekordgewinn von zwei Milliarden Euro, in diesem Jahr könnte er nun zum Problemfall werden und Staatshilfe beantragen. Noch will Adidas-Chef Kasper Rorsted davon nichts wissen. Aber "wir werden Kredite brauchen", warnt er.

Drei Viertel der Adidas-Läden sind weltweit geschlossen. Bei Adidas spricht man von "einer beispiellosen Situation, wie das Geschäft wegbricht". Bis auf die Verkäufe im Internet und den langsam wieder anziehenden Markt in China erwirtschaften die Herzogenauracher momentan so gut wie keine Umsätze. Deshalb meldet der Sportartikel-Konzern für zunächst 1.200 Mitarbeiter in Deutschland wegen der Coronakrise Kurzarbeit an. Die Beschäftigten in den eigenen Adidas-Geschäften sowie in der Produktion in Uffenheim und Scheinfeld sollen von Mittwoch an Überstunden abbauen, bezahlten Urlaub nehmen und kurzarbeiten. "Für weitere Standorte und Berufsgruppen befinden wir uns mit den zuständigen Betriebsräten im Austausch", teilte Adidas mit.

Aktienrückkäufe werden gestoppt

Um angesichts der Umsatzausfälle das Geld zusammenzuhalten, hat Adidas zudem ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm abgesagt. Bereits vor zwei Wochen hatte der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller den Rückkauf im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro ausgesetzt, jetzt ist er formal auch für den Rest des Jahres gestoppt. Der Konzern wolle damit seine "finanzielle Flexibilität" in der Krise erhalten, hieß es am Dienstagabend.

Ob Adidas den Verlust des stationären Geschäfts teilweise online kompensieren kann, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Der Konzern hat angekündigt, den E-Commerce auszubauen. Allerdings hängen die Herzogenauracher von funktionierenden Lieferketten vor allem in Asien ab. Über 40 Prozent der Adidas-Schuhe kommen aus Vietnam.

Olympia-Verschiebung nicht tragisch

Dass das große Sportjahr 2020 ausfällt, lässt sich da noch eher verkraften. Mit der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen hätte Adidas laut der Zeitung "Die Welt" zusammen nur 50 bis 70 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das ist weniger als ein Prozent der Gesamterlöse.

nb