Adidas Flagship Store, Shanghai

Ziele für 2020 bestätigt, aber... Adidas klammert Corona einfach aus

Stand: 11.03.2020, 17:51 Uhr

Der Rekordumsatz 2019 interessiert eigentlich niemanden mehr. Vielmehr wollen die Anleger wissen, wie hart die Corona-Epidemie Adidas in diesem Jahr treffen wird. Die Antwort: Nichts Genaues weiß man nicht.

Beim Thema Coronavirus will sich der Sportartikelkonzern nur zur Entwicklung in China im ersten Quartal äußern. Der Umsatz wird dort um 800 Millionen bis eine Milliarde Euro unter Vorjahr liegen, hat das Unternehmen nun bei der Vorlage der Jahreszahlen gewarnt. Beim operativen Ergebnis rechnet Adidas mit einer Belastung von 400 bis 500 Millionen Euro. Ein Großteil der Läden war wegen der Epidemie geschlossen worden, in die anderen kamen kaum Kunden. Seit Anfang März erhole sich das Geschäft wieder, teilte Adidas mit.

Prognose unter starkem Vorbehalt

Doch dass sich die Corona-Krise außerhalb von China gerade dramatisch zuspitzt, thematisiert Adidas nicht. In der Prognose für das Gesamtjahr sind daher auch keine Auswirkungen durch das Coronavirus enthalten. Nach derzeitigem Stand erwartet der Konzern im laufenden Jahr ein währungsbereinigtes Umsatzplus von sechs bis acht Prozent, nach einem Plus von sechs Prozent auf 23,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Aus dem fortgeführten Geschäft soll ein Nettoergebnis von 2,1 bis 2,16 Milliarden Euro hängen bleiben, dies entspräche einem Plus von zehn bis 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2019 hatte Adidas einen Gewinn von 1,92 Milliarden Euro verbucht, ein Plus von 13 Prozent.

Schon länger beeinträchtigt

Die erste Warnung von Adidas vor den dramatischen Auswirkungen des Coronavirus in China hatte es Mitte Februar gegeben, nachdem das Herzogenauracher Unternehmen einen Großteil seiner knapp 500 eigenen Läden in China schließen musste. Auch die meisten der mehr als 11.000 Geschäfte im Franchise-Verfahren blieben geschlossen. Allein seit dem chinesischen Neujahr am 25. Januar und dem 18. Februar sei der Umsatz um 85 Prozent eingebrochen, teilte Adidas mit.

China gehört zu den größten Absatzmärkten von Adidas. Rund 4,5 Milliarden Euro setzt der Konzern dort um, das sind etwa 20 Prozent der Gesamtumsätze und mehr als er in den USA verkauft.

Dabei ist das Land nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch ein zentraler Produktionsstandort. Beim Einkauf von Zubehör, wie Bälle und Taschen, ist China für Adidas sogar das wichtigste Land.

Keine leeren Regale im Frühjahr

Weil große Teile der Industrie in China über Wochen geschlossen blieben und der Warentransport per Schiff im Schnitt eineinhalb Monate dauert, ist Adidas natürlich auch bei der Beschaffung beeinträchtigt. Doch Adidas gibt zumindest ein bisschen Entwarnung: "Zwar ist die Beschaffungskette des Unternehmens ebenfalls Störungen ausgesetzt, allerdings läuft die Produktion in China zum Großteil wieder und die Beschaffungsaktivitäten auf globaler Ebene wurden bislang nicht beeinträchtigt."

Damit läuft es besser als bei anderen Unternehmen der Bekleidungsbranche. Einige Firmen wie der Billiganbieter Primark hatten bereits vor einem ausgedünnten Angebot gewarnt. "Wenn sich die Verzögerungen in der Herstellung bei den Fabriken fortsetzen, wird das Risiko von Engpässen bei einigen Produktlinien im Verlauf des Geschäftsjahres wachsen", erklärte die Primark-Muttergesellschaft AB Foods im jüngsten Zwischenbericht.

Tatsächlich hat die Bedeutung des Produktionsstandortes China etwas abgenommen, doch Experten zufolge könnten 40 Prozent der Produktion von Kleidung und Schuhen für Europa von den Einschränkungen durch Corona betroffen sein. So will auch H&M, das 20 bis 30 Prozent seiner Textilien in China produzieren lässt, nicht ausschließen, die Fabrikschließungen zu spüren.

Die Adidas-Aktie seit ihrem Hoch Mitte Januar gut ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Damit haben sich binnen weniger Wochen über zwölf Milliarden Euro in Luft aufgelöst.

Auch Nike, Under Armour und Puma betroffen

Auch die anderen Sportartikelhersteller Nike, Under Armour und Puma sind von der Corona-Krise getroffen. Nike, die Nummer eins auf dem Weltmarkt, musste kürzlich einräumen, dass die Hälfte seiner Läden in China vorübergehend geschlossen seien. In den übrigen Geschäften seien die Öffnungszeiten verkürzt worden, weil weniger Kunden kämen. Damit sei mit "erheblichen Auswirkungen" zu rechnen.

Für Nike ist der chinesische Markt von enormer Bedeutung: Der Sportartikelgigant ist dort trotz Belastungen durch den Handelsstreit sehr beliebt in dem Land und erzielte dort zuletzt sein stärkstes Umsatzwachstum.

Puma-Chef Björn Gulden

Puma-Chef Björn Gulden. | Bildquelle: picture alliance / Daniel Karmann/dpa

Auch Puma dürfte die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Dabei versuchte Vorstandschef Björn Gulden noch Mitte Februar die Anleger zu beruhigen. Bei der Präsentation der Zahlen für 2019 sagte er, er erwarte nach einem Einbruch zu Jahresbeginn eine rasche Erholung, so dass Puma die Ziele für das Jahr 2020 erreichen könne. Analysten zweifeln, dass Gulden diese Aussage auch jetzt noch treffen würde, da sich das Virus weltweit ausbreitet und ganze Regionen lahm legt.

Erste Analysten reagieren

Düster sieht es für den Sportartikelkonzern Under Armour aus. Der erwartet für das laufende Jahr einen Umsatz- und Ergebnisrückgang, auch wegen sinkender Einnahmen im Nordamerikageschäft. Hier geht der Konzern von einem Minus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich aus. Das Coronavirus dürfte den Umsatz im ersten Quartal um 50 bis 60 Millionen Dollar drücken.

Einige Analysten haben bereits reagiert und ihre Einschätzungen angepasst. So stufte Christian Salis von der Bank Hauck & Aufhäuser die Adidas-Aktie wegen des Coronavirus von "Buy" auf "Hold" herab. Deutlich gelassener reagierte bisher Goldman Sachs. Die Investmentbank senkte das Kursziel für die Adidas-Papiere von 350 auf 340 Euro, beließ aber die Einstufung auf "Buy". In Asien werde derweil die Produktion wieder hochgefahren, wodurch die negativen Auswirkungen des Virus begrenzt werden dürften. Beim Kontrahenten Puma etwa seien die Kapazitäten in China wieder zu 60 bis 80 Prozent ausgelastet.

lg/ME