Euro-Geldregen

Viel Geldbedarf zu erwarten Achtung Kapitalerhöhungen!

Stand: 05.06.2020, 14:34 Uhr

Durch die aktuelle Krise steigt die Verschuldung vieler Unternehmen. Um Schieflagen zu verhindern, könnten viele Unternehmen schon bald frisches Geld von den Aktionären einfordern. Was kommt da auf die Aktionäre zu?

Laut einer Untersuchung der französischen Großbank Societe Generale (SocGen) steigt durch die zunehmenden Unternehmensschulden im Zuge der aktuellen Krise bei Teilen der europäischen Unternehmen das Risiko von Kapitalerhöhungen.

Zwar sei es zu erwarten gewesen, dass in einer Rezession das Verhältnis von Nettoverschuldung zu operativem Ergebnis in einer Rezession steige, so die Bank. Doch diese Mal komme verschärfend hinzu, dass viele Unternehmen schon vor dem Konjunktureinbruch recht hoch verschuldet gewesen seien.

So bewegt sich das Verhältnis von Nettoverschuldung zu operativem Ergebnis nach Berechnungen der SocGen in den meisten Sektoren über dem historischen Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre. Die Streichung von Dividenden sowie sinkende Investitionen reichen nach Auffassung der Analysten nicht, die Umsatzeinbußen durch den langen Lockdown in vielen Ländern auszugleichen. Die Folge seien wachsende Schulden - und das nicht immer zu besseren Konditionen als im vergangenen Jahr.

Am besten stünden Versicherer, Banken und den Ölsektor dar, auf Länderebene die Schweiz. Deutlich schlechter sehe es demnach in den Branchen Auto, Technologie und Telekommunikation aus, auf Länderebene in Italien und Spanien.

Zu den Unternehmen, bei denen die SocGen-Experten Risiken für eine Kapitalerhöhung sehen, zählen Air France-KLM, Lufthansa, Norma Group, SGL Carbon, K+S und die International Airline Group IAG.

Erleichterung für Kapitalerhöhungen gefordert

Geht es nach dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) sollen Kapitalerhöhungen in Zukunft deutlich erleichtert werden. Unternehmen, denen es möglich sei, sollten sich Geld am Kapitalmarkt besorgen können. "Staatshilfen können dadurch auf die Unternehmen konzentriert werden, die sich (zeitweise) nicht am privaten Kapitalmarkt finanzieren können", so die Interessenvertretung deutscher kapitalmarktorientierter Unternehmen.

"Bestimmungen des Aktiengesetzes stehen dem allerdings derzeit entgegen", so das DAI. Der Verband spricht sich dabei für eine Reihe von Vereinfachungen für Unternehmen aus. Laut der Organisation dauert es zu lange, Kapitalerhöhungen mit einem Bezugsrecht für die Altaktionäre durchzuführen. Daher sollten Kapitalerhöhungen unter Ausschluss des Bezugsrechts für Altaktionäre gestärkt werden.

So sollte es in Zukunft möglich sein, das Grundkapital nicht nur maximal zehn Prozent zu erhöhen. Das bleibe hinter den Gestaltungsmöglichkeiten zurück, die das europäische Prospektrecht seit einiger Zeit gewähre. "In Frankreich und Großbritannien liegt der Schwellenwert bei 20 Prozent", so das DAI.

Außerdem plädiert der Verband dafür, bis zu zehn Prozent Preisabschlag auf den aktuellen Börsenkurs zuzulassen. Bisher sind es häufig nur maximal fünf Prozent. Darüber hinaus ist der Verband dafür, auch Emissionen unter dem Nennwert der Aktien durchführen zu können. Dieser liegt derzeit bei einem Euro je Aktie. In den USA ist der schon seit langem üblich, dass Aktien nur einen Bruchteil eines Dollar des Grundkapitals repräsentieren.


Die Zeichen deuten also auf viele Kapitalerhöhungen hin.

ME/dpa