Acatis Value Konferenz

Acatis Value Konferenz in Frankfurt Beschleunigter Wandel

von Andreas Braun

Stand: 17.05.2019, 17:33 Uhr

Cyber-Sicherheit, "Bioreaktoren“, neue Formen der Krebsforschung: Auf der alljährlichen Konferenz des Vermögensverwalters Acatis in Frankfurt gab es wieder viel Anschauungsmaterial in Sachen Zukunftschancen – auch für Investoren, die ein Auge auf neue Technologien werfen.

"Ich bin ein entsetzter Dinosaurier“ - das Zitat des Finanzinvestors Jorge Paulo Lemann setzte Acatis-Chef Hendrik Leber bewusst bei seinem Eingangsvortrag an der Frankfurter Goethe Uni am Freitag ein. Lemann, Großaktionär bei Kraft Heinz, drückte damit aus, wie sehr der Wandel in unserer Gesellschaft auch die Großkonzerne und ihre Anteilseigner heimsucht. Vermeintliche "Value“-Aktien aus dem Konsumgüterbereich taumeln, weil die Bevölkerung zunehmend "gesund“ essen will. Aktien, die über Jahrzehnte solide Renditen geliefert haben, taugen nicht mehr als wertsteigernde Kerninvestments.

Ist Value nicht mehr Value?

Von den Milliarden-Abschreibungen bei Kraft-Heinz wurde auch Value-Investor Nummer eins, Warren Buffett, mit unüblichen Verlusten erwischt. Dafür hat Buffetts Gesellschaft Berkshire Hathaway vor kurzem eher überraschend in die Technologiekrake Amazon investiert. Deren Bewertung nach klassischen Value-Kennziffern entspricht eigentlich nicht der Value-Strategie, so könnte man meinen.

Hendrik Leber, Acatis

Hendrik Leber. | Bildquelle: Unternehmen

Aber Leber, bekennender Buffett-Fan, sieht darin ein durchaus bewusstes Vorgehen: "Value Investing kann man nicht mehr auf klassische Kennziffern wie Buchwert oder Gewinn reduzieren“. Statt dessen gehe es darum, Unternehmensperlen zu finden, die in einer sich schnell verändernden Welt die "richtigen Lösungen“ finden, „und in diese Lösungen kann man investieren“. Nicht umsonst stand die Veranstaltung 2019 unter dem Motto "Schöne, neue Welt“ in Anlehnung an den Science-Fiction-Roman von Aldous Huxley, der vor fast einem Jahrhundert erschienen ist. 

Krebstherapie und Bioreaktor

Einige solcher Lösungen wurden am Freitag in Expertenvorträgen vorgestellt. Zum Beispiel aus der Medizintechnik die individualisierte Krebstherapie. Dabei wird ein Krebs-Präparat genau auf den Patienten abgestimmt, eine Entwicklung des European Molecular Biology Laboratory macht's möglich, wie Wissenschaftler Christoph Merten vorstellte.

Natur und Technologie versuchen Firmen wie Evolva in Einklang zu bringen, indem sie wichtige Ingredienzien etwa für Nahrungsmittel, zum Beispiel Stevia oder Notkatoon im "Bioreaktor“ herstellen. Damit will man helfen, die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln zu verbessern.

Der Cyberwar tobt

AP Møller-Maersk: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
965,00
Differenz relativ
-3,50%

"Richtige Lösungen“ in die man auch investieren kann, finden sich im Zeitalter der Digitalisierung auch im Bereich der Cyber-Sicherheit. Bei der Schilderung von Cyber-Angriffen auf Großkonzerne wie die Reederei Moeller-Maersk im Jahr 2017 durch Experte David Elze sträuben sich so manchem Zuhörer die Haare. Der Schaden lag im dreistelligen Millionenbereich, der Konzern, der kurzfristig die Kontrolle über seine gesamte Containerschiff-Flotte verlor, wird noch Jahre brauchen, um die Schäden zu beheben. Und auch der Aktienkurs des Unternehmens litt langfristig.

"Es geht inzwischen gar nicht mehr darum, Angreifer komplett abzuwehren, das ist in einer vernetzten Welt unmöglich“, so Elze, dessen Firma Unternehmen in deren eigenen Auftrag "hackt“, um Schwachstellen aufzudecken. Mit seinen Mitarbeitern schafft es Elze etwa binnen 24 Stunden 50 bis 80 Prozent aller Passwörter von Mitarbeitern in einem attackierten Unternehmen zu knacken. Möglichst schnell einen Angriff zu entdecken und zu beenden, sei heute das Ziel. Richtige Sicherheitslösungen machen es möglich.

Textauswertung im Fondsmanagement

Auch Acatis selbst bedient sich inzwischen technologischer Lösungen, um werthaltige Unternehmen mit möglichst viel Potenzial aus einem ganzen Anlageuniversum herauszufiltern. Mithilfe eigener Algorithmen "scannt“ man Geschäftsberichte und Mitteilungen von vielen Tausend Unternehmen. Rückschlüsse auf die künftige Geschäfts- und Kursentwicklung sind möglich, wenn der "Lagebericht“ des Managements oder Ausführungen zu Produkteinführungen richtig interpretiert werden. Den 300-Seiten-Jahresbericht von Coca-Cola etwa "liest“ der Computer in einer Sekunde. Wer den Markt und die Indexfonds schlagen will, muss auch hier neue Wege gehen. Die "schöne, neue Welt“ ist im Wandel - auch für die Finanzprofis.