Netflix-Monitor spiegelt sich in einer Brille
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Aktie bricht ein Netflix - was, so wenige?

Stand: 18.07.2019, 18:33 Uhr

Das Geschäftsmodell, ab einer kritischen Größe allmählich die Preise zu erhöhen, hinterlässt nun tiefe Spuren in der Quartalsbilanz von Netflix. Die Zahl der neuen Abonnenten bleibt weit unter den Prognosen. Die Börse straft das mit einem zweistelligen Kurseinbruch.

Im zweiten Quartal kamen weltweit unterm Strich nur 2,7 Millionen neue Bezahlabos hinzu, wie der Online-Videodienst gestern nach US-Börsenschluss im kalifornischen Los Gatos mitteilte. Damit blieb Netflix weit unter den Erwartungen der Wall-Street-Analysten und auch unter seiner eigenen Prognose von fünf Millionen neuen Nutzern.

Das machte die erfolgsverwöhnten Anleger nicht eben glücklich. Die Netflix-Aktie brach am Donnerstag um mehr als elf Prozent ein. Dass der Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar stieg und der Gewinn mit 270,7 Millionen Dollar über den Vorhersagen der Finanzanalysten lag, konnte die Börsianer nicht trösten. Immerhin hatte der Medientitel in diesem Jahr aber bereits 35 Prozent an Wert gewonnen.

Insgesamt brachte es der Streaming-Riese zum Quartalsende auf knapp 152 Millionen zahlende Mitglieder. Netflix hatte in etlichen Ländern die Preise erhöht und die Erwartungen bereits gedämpft. Das Unternehmen räumte eine besonders schwache Nutzerentwicklung in Regionen ein, wo im vergangenen Quartal Preiserhöhungen vorgenommen wurden.

Heimische Konkurrenz rüstet auf

Dazu zählt etwa der wichtige US-Heimatmarkt, wo der Druck ohnehin groß ist, da die Konkurrenz im Streaming-Geschäft stark zunimmt. Und hier sank die Abonnentenzahl im zweiten Quartal sogar um 130.000. Ein langsameres Wachstum sei erwartet worden, der Rückgang sei aber schockierend, kommentierte Clement Thibault, Analyst bei Investing.com. Die Frage sei, ob Netflix bei zunehmendem Wettbewerb die Macht haben werde, Preise zu erhöhen, ohne im großen Stil Kunden zu verlieren.

Mit dem Hollywood-Giganten Disney, dem iPhone-Riesen Apple und der Mutter des beliebten Bezahlsenders HBO ("Game of Thrones"), AT&T, laufen sich hochkarätige Konkurrenten warm - doch deren Angebote sind größtenteils noch gar nicht am Start.

Die von Analysten ins Gespräch gebrachte Idee, die Einnahmen durch das Schalten von Werbung zu erhöhen, findet bei Netflix bislang wenig Anklang. "Wir glauben, dass wir langfristig ein wertvolleres Geschäft betreiben, indem wir uns aus dem Wettbewerb um Werbeeinnahmen heraushalten und stattdessen voll und ganz um die Zufriedenheit der Zuschauer konkurrieren", hieß es im Brief an die Aktionäre.

dpa-AFX/rtr/la