ABB AG
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Erfolg für „aktivistischen Investor“ ABB schlägt Stromnetz-Sparte los

Stand: 17.12.2018, 09:15 Uhr

Der Schweizer Industriekonzern ABB beugt sich dem Druck des aktivistischen Investors Cevian und verkauft die Stromnetz-Sparte an Hitachi. Der Verkaufserlös soll „zügig und effizient“ an die Aktionäre, also unter anderem an Cevian, ausgeschüttet werden.

Der aktivistische ABB-Investor und Großaktionär Cevian zeigt sich angesichts der geplanten Abspaltung der Stromnetz-Sparte und des Umbaus des Konzerns zufrieden. „Die angekündigten Maßnahmen sind die richtigen Schritte in der Entwicklung von ABB, sie stärken die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft“, erklärte Cevian-Co-Gründer Lars Förberg.

„Wir unterstützen die von Verwaltungsrat und Management eingeschlagene strategische Richtung voll und ganz.“ Investor Cevian hatte bereits seit Jahren gefordert, die Stromnetz-Sparte abzuspalten. Der Investor hält rund fünf Prozent an ABB.

Aktivistische Investoren erhöhen den Druck

Aktivistische Investitionsgesellschaften üben vermehrt Druck auf Geschäftsleitungen aus. Laut einer Zusammenstellung der US-Investmentbank Lazard haben weltweit Investitionsgesellschaften im dritten Quartal 2018 mehr Unternehmen ins Visier genommen, als im gesamten Jahr zuvor. Die Investmentbank zählte im letzten Jahr 169 Druckversuche von aktivistischen Investmentfonds auf Firmen. Allein im dritten Quartal 2018 soll es dagegen deren 174 gegeben haben. Zu den sehr aktiven Fonds gehören laut Lazard in erster Linie US-Gesellschaften wie Elliott oder Third Point. In Deutschland und in der Schweiz fällt der schwedische Investitionsfonds Cevian mit gehäuften Druckversuchen auf. So gehört Thyssenkrupp zu den Zielen von Cevian. Alle diese Fonds zeichnen sich durch ihre unzimperliche Vorgehensweise aus. Sie zögern nicht, öffentlich Manager mit deutlichen Worten zu kritisieren und zu massregeln, deren Leistung sie als ungenügend betrachten. Das jüngste aus Sicht der Fonds erfolgreiche Beispiel dafür ist Ulrich Spiesshofer. Der ABB-Chef hat nach längerer Weigerung den Druckversuchen von Cevian nachgegeben. ABB hat nun die Stromnetz-Sparte an Hitachi verkauft.

Einsparungen durch mehr Effizienz

Der japanische Konzern Hitachi übernimmt in einem ersten Schritt 80,1 Prozent der Sparte von ABB und zahlt dafür bis zu 7,8 Milliarden US-Dollar. Der Abschluss des Geschäfts ist für die erste Hälfte des Jahres 2020 geplant. ABB behält vorerst 19,9 Prozent, besitzt aber eine Option zum Verkauf dieses Anteils nach drei Jahren, wie ABB mitteilt. ABB will 100 Prozent des erwarteten Erlöses aus dem Verkauf „zügig und effizient“ durch Aktienrückkäufe oder einen vergleichbaren Mechanismus an die Aktionäre ausschütten. Die bisherige Dividendenpolitik soll beibehalten werden, ebenso das Kreditrating auf dem Niveau "Single A".

Die Loslösung der Sparte von ABB führt zu nicht operativen Restrukturierungskosten von rund 500 Millionen US-Dollar, dafür verspricht sich das Unternehmen 500 Millionen jährliche Einsparungen durch eine höhere Effizienz.

Konzentrierte Aktivitäten

Der Schweizer Konzern kündigt ferner eine strategische Neuaufstellung an. ABB will seine Konzernstruktur vereinfachen. Sie wird allerdings wie bisher vier Geschäftsbereiche enthalten, nämlich Elektrifizierung, Industrieautomation, Robotik und Fertigungsautomation sowie Antriebstechnik. Die Aktivitäten des Konzerns konzentrieren sich laut den Angaben aber künftig auf die Gruppenstrategie, das Portfolio- und Performance-Management, die Kapitalallokation, die Kerntechnologien sowie die Plattform "Ability".