ABB-Zentrale
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2,6-Milliarden-Dollar-Kauf ABB: Der Schweizer Riese macht's schon wieder

Stand: 25.09.2017, 08:37 Uhr

Lange wurde spekuliert, wer das Geschäft mit Elektrokomponenten von General Electric übernehmen wird. Jetzt hat sich ein Käufer gefunden.

Die Schweizer Industriekonzern will für die Übernahme 2,6 Milliarden Dollar auf den Tisch legen, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte. Jährlich sollen durch die Übernahme rund 200 Millionen Dollar eingespart werden, zudem streben die Konzerne eine langfristige Liefer-Zusammenarbeit bei ABB-Produkten an.

Die GE-Sparte, die Elektrobauteile und Stromaggregate herstellt, kam vergangenes Jahr auf einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Dollar und eine operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von etwa acht Prozent. ABB verspricht sich durch die Übernahme einen besseren Zugang zum amerikanischen Markt. Mit einem Abschluss des Deals rechnen die Unternehmen in der ersten Hälfte des kommenden Jahres. Über ein entsprechendes Geschäft war bereits spekuliert worden.

GE muss abspecken

GE ist seit Jahren dabei, das Geschäft zu straffen und steht unter dem Druck des Hedgefonds Trian Fund Management, der vom Investor Nelson Peltz geführt wird. Dieser fordert eine Konzentration auf das Industriegeschäft sowie Kostensenkungen. Erst im März wurde die Wassersparte an den französischen Konzern Suez und einen kanadischen Pensionsfonds für 3,4 Milliarden US-Dollar verkauft.

ABB kauft derweil kräftig zu: Im Juli schlossen die Schweizer die Übernahme des österreichischen Automatisierungsspezialisten Bernecker + Rainer ab, wofür sie ebenfalls einen Milliardenbetrag hinblätterten, wie Analysten schätzen.

An der Börse wurde der Abschluss der Verhandlungen mit Freude aufgenommen. Der Kurs der ABB-Aktie legte im vorbörslichen Handel um knapp ein Prozent zu. Damit nähert sich die Aktie wieder ihrem Niveau vom Frühsommer an, als sie ein Jahreshoch von knapp 25 Franken erreichte, bevor es in den Sommermonaten um gut zehn Prozent abwärts ging.

Dämpfer im zweiten Quartal

Im zweiten Quartal musste ABB nämlich einen leichten Dämpfer hinnehmen. Der Umsatz und das operative Ergebnis entwickelten sich nicht so gut wie von Experten erwartet. So fiel der Umsatz um drei Prozent auf 8,45 Milliarden Dollar. Bereinigt um Folgen des starken Dollar wäre der Erlös leicht gestiegen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) fiel um sieben Prozent auf 1,04 Milliarden Dollar. Analysten hatten bei beiden Größen mit besseren Werten gerechnet.

Der Auftragseingang blieb in Dollar berechnet stabil bei 8,35 Milliarden Euro und überraschte damit positiv. Konzernchef Ulrich Spiesshofer bekräftigt seine Einschätzung, dass 2017 wegen des laufenden Umbaus und der vielen kurzfristigen wirtschaftlichen Unsicherheiten ein Übergangsjahr ist.

Auch die Mehrheit der Analysten betrachtet ABB derzeit mit Vorbehalt. Die meisten Experten empfehlen die Aktie zu halten. Die UBS und die Citigroup raten sogar zum Verkauf.

lg