RWE Braunkohle-Kraftwerk Neurath

Geschäfte laufen gut RWE - Sieger der Energiewende?

Stand: 14.08.2019, 09:12 Uhr

Der Dax-Konzern RWE hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr deutlich gesteigert. Der Versorger könnte schon bald zu einem der größten Produzenten von grünem Strom in Europa aufsteigen – und finanziell massiv vom Kohleausstieg profitieren.

Bei RWE laufen die Geschäfte wieder richtig gut. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres schoss der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 30 Prozent auf 914 Millionen Euro in die Höhe. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 20 Prozent auf 1,372 Milliarden Euro. Damit übertraf der deutsche Versorger die Erwartungen der Analysten.

Der Dax-Konzern bekräftigte angesichts der guten Zahlen sowohl sein Dividendenversprechen als auch seinen Ausblick für 2019. RWE hatte erst kürzlich seine Prognose für das Gesamtjahr 2019 nach oben korrigiert. Der Eon-Konkurrent erwartet demnach einen Gewinn von bis zu 800 Millionen Euro – 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich angekündigt.

Auf dem Weg zur "neuen RWE"

"Das operativ starke Ergebnis gibt uns Rückenwind für die nächsten Monate", betonte am Mittwoch der RWE-Vorstandsvorsitzende Rolf Martin Schmitz. "Die werden zu den spannendsten Momenten unserer Unternehmensgeschichte gehören."

Denn der Konzern werde bald eine "neue RWE" sein, so Schmitz, "international und mit einem klaren Fokus auf Erneuerbare Energien und Speicher".

Rolf Martin Schmitz, Vorstand RWE AG

Blickt optimistisch in die Zukunft: RWE-CEO Rolf Martin Schmitz. | Bildquelle: Unternehmen

Historischer Umbruch

Tatsächlich steht RWE vor dem wohl größten Umbruch in seiner Geschichte. Der Konzern will im September 2019 das Netz- und Vertriebsgeschäft seiner bisherigen Tochter Innogy an den Konkurrenten Eon abgeben.

Im Gegenzug sollen alle erneuerbaren Energien von Eon und Innogy an RWE gehen. Der Braunkohleverstromer würde dadurch zu einem der größten Produzenten von grünem Strom in Europa aufsteigen.

Comeback an der Börse

An der Börse glauben Anleger offensichtlich fest an die Zukunftsperspektiven der "neuen RWE". RWE feierte an der Börse zuletzt ein ungeahntes Comeback. Binnen drei Jahren kletterte der Kurs um knapp 70 Prozent in die Höhe und notiert aktuell auf einem Vier-Jahres-Hoch.

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 und dem von der Bundesregierung forcierten schnelleren deutschen Atomausstieg war die Aktie heftig unter die Räder geraten.

Entwicklung der RWE-Aktie zwischen September 2014 und August 2019

Der Trend der RWE-Aktie zeigt wieder klar nach oben . | Bildquelle: boerse.ARD.de

Kohleausstieg als Chance

Doch die Perspektive einer "neuen", grünen RWE ist nicht der einzige Grund, weshalb RWE an der Börse derzeit als Sieger der Energiewende gehandelt wird. Hinzu kommt: Der Braunkohleausstieg dürfte sich für RWE finanziell womöglich richtig lohnen.

Branchenkenner rechnen damit, dass das Unternehmen massiv von den Kompensationszahlungen des Bundes profitieren dürfte. Zurzeit verhandelt RWE mit dem Bund noch über Entschädigungen für die Stilllegungen von Braunkohlekraftwerken.

Braunkohleabbau in Garzweiler

Der RWE-Tagebau Garzweiler sorgt immer wieder für Proteste von Umweltaktivisten. | Bildquelle: Imago

Mit Spannung wartet der Versorger daher auf die Ergebnisse des Klimakabinetts am 20 September und das angekündigte Kohleausstiegsgesetz. Fakt ist: Für den Steuerzahler ist der Kohleausstieg eine Bürde. Für die Umwelt – und für RWE – ist er jedoch eine große Chance.

ag