Deutsche Bank-Türme

Jahresziele bestätigt Deutsche Bank: Von wegen schlaflose Nächte

Stand: 17.12.2018, 11:07 Uhr

Für Aktionäre der Deutschen Bank war dieses Jahr ein annus horribilis, ist doch die Aktie des heimischen Branchenprimus um die Hälfte eingebrochen. Jetzt macht Finanzvorstand James von Moltke Mut. Ein wichtiger Großaktionär hält sich derweil bedeckt.

Die jüngsten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten die Ertragsentwicklung des Geldhauses im laufenden Quartal zwar belastet, teilte Finanzchef James von Moltke der Nachrichtenagentur Bloomberg mit. In dem ohnehin schwächelnden Markt sei dies nicht hilfreich gewesen. Er gehe jedoch davon aus, dass der negative Trend nachlasse. Die erste Reaktion der Finanzmärkte auf die Durchsuchung sei aus Sicht der Bank überzogen gewesen.

Ende November hatten rund 170 Ermittler Deutschlands größtes Kreditinstitut durchsucht. Der Verdacht: Mitarbeiter des Konzerns hätten Kunden dabei geholfen, sogenannte Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen zu gründen und Gelder aus Straftaten zu waschen. Den Beschuldigten werde vorgeworfen, pflichtwidrig keine Geldwäscheverdachtsanzeigen erstattet zu haben, obwohl bereits seit Beginn der jeweiligen Geschäftsbeziehungen ausreichende Anhaltspunkte dafür vorgelegen hätten.

Keine schlaflosen Nächte

James von Moltke, CFO Deutsche Bank

James von Moltke. | Bildquelle: Unternehmen

Moltke sagte, trotz allem habe er keine schlaflosen Nächte. Äußerungen der Aufsichtsbehörden wie der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Bundesfinanzministeriums beschrieben die derzeitige Lage der Bank besser als die jüngsten Berichte über die Ermittlungen.

Er deutete an, dass die Deutsche Bank die Zahl ihrer Beschäftigten bis Ende 2018 wie geplant auf unter 93.000 drücken werde und ihre Betriebskosten - abseits von Strafzahlungen und den Kosten für Umstrukturierungen - unter 23 Milliarden Euro halten werde. Deutsche Bank-Chef Christian Sewing hat sich zudem vorgenommen, dass die Bank das Jahr zum ersten Mal seit 2014 mit einem Gewinn abschließt.

Katar dementiert Handelsblatt-Bericht

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Wochenende hatte das "Handelsblatt" gemeldet, das Scheichtum Katar erwäge die Aufstockung seines Anteils an der Deutschen Bank. Der Vorstandschef des staatlichen Qatar Financial Centre, Yousuf Mohamed Al-Jaid sagte der Zeitung, dass das Emirat Katar "in Deutschland in eine große Finanzinstitution investieren" wolle. Den Namen nannte Al-Jaid zwar nicht, bestätigte der Zeitung zufolge aber, dass es sich um ein Institut handele, an dem Katar bereits beteiligt sei.

Doch heute kommt aus Katar ein Dementi. Der Bericht im "Handelsblatt" basiere nicht auf Fakten, sondern auf unbegründeten Annahmen und Schlussfolgerungen, teilte eine Sprecherin des Qatar Financial Centre mit. Katar ist bereits seit rund vier Jahren an der Deutschen Bank beteiligt. Die Herrscherfamilie besitzt rund sechs Prozent der Anteile. Zudem hält sie über Derivatekonstruktionen weitere Anteile, deren Höhe unbekannt ist und schwankt.

Analysten bleiben skeptisch

Am Aktienmarkt ist die Deutsche Bank-Aktie nach dem Dementi aus Katar ins Minus gerutscht. Analysten betrachten die Zukunftsaussichten des Instituts ohnehin skeptisch. So hat die Analystin der US-Investmentbank Morgan Stanley die Einstufung der Deutschen Bank trotz der in der vergangenen Woche neu entflammten Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank auf "Underweight" belassen. Das Kursziel lautet unverändert 9,00 Euro. Ein Zusammenschluss der beiden deutschen Geldhäuser sei durchaus reizvoll, bringe aber erhebliche Umsetzungsrisiken mit sich, betonte Analystin Giulia Aurora Miotto.

lg