Handelsstreit, Flüchlingspolitik, Türkei-Wahl Immer mehr Risiken

Stand: 24.06.2018, 11:06 Uhr

Auch in der neuen Woche brauchen die Anleger starke Nerven, wird doch die Liste der Risiken immer länger. Neben dem weltweiten Handelskonflikt rückt der Streit in der Flüchtlingsfrage in den Fokus. Aber es gibt auch Hoffnung.

Tatsächlich hat der Verkaufsdruck in der vergangenen Woche zugenommen, der Dax verlor 3,3 Prozent. Damit ist der Index unter den Stand von vor einem Jahr abgerutscht. Belastet wurde der Aktienmarkt vor allem von der Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. Zudem trüben sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft und damit für exportabhängige Unternehmen - allen voran aus Deutschland - ein. Deshalb hat das ifo Institut seine Prognose für das Wirtschaftswachstum Deutschlands für dieses Jahr von 2,6 Prozent auf 1,8 Prozent gesenkt.

Dass der Handelsstreit die Unternehmen belastet zeigt die Gewinnwarnung von Daimler. Genau diese Probleme dürften auch in der neuen Woche ganz oben auf der Liste der Risiken für den Aktienmarkt stehen - auch wenn Experten weiterhin die Hoffnung haben, dass ein ausgewachsener Handelskrieg unwahrscheinlich bleibt, weil er niemandem nutzen würde. Fraglich ist nur, ob auch Donald Trump in diesen Kategorien denkt.

Zerbricht die Regierung?

Hinzu kommt der immer schärfer werdende Streit über die Flüchtlingsfrage. Der Umgang mit den Migranten spaltet nicht nur Europa, er droht auch die Regierungskoalition in Berlin zu zerreißen. Und eine Einigung in dieser Frage ist derzeit nicht in Sicht. Daran dürfte auch der EU-Gipfel am kommenden Donnerstag nichts ändern, befürchtet Claudia Windt von der Landesbank Helaba.

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Neben der Flüchtlingspolitik steht die Reform der Währungsunion auf der Agenda. Deutschland und Frankreich wollen dem Rettungsfonds ESM neue Aufgaben zuweisen und ein eigenes Budget für den Euroraum einführen. Die Maßnahmen werden aber nur schwer durchzusetzen, da eine Gruppe von Ländern um die Niederlande bereits Widerstand angekündigt hat. Die vielen offenen politischen Fragen dürften deshalb an den Börsen weiter für Verunsicherung sorgen, erklärt Chefstratege Robert Greil von Merck Finck Privatbankiers.

Wichtige Konjunkturdaten

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Die politischen Konflikte drängen die Konjunkturdaten in den Hintergrund. Gleich am Montag wird der neueste Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland veröffentlicht. In den USA stehen die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher am Freitag auf dem Terminplan. Von diesen Zahlen erhoffen sich Anleger Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Diesseits des Atlantik werden die deutschen und europäischen Inflationszahlen am Donnerstag beziehungsweise Freitag veröffentlicht.

Mit Spannung warten Anleger zudem auf die zweite Runde der Bankenstresstests der US-Notenbank (Fed). Die erste Probe war eine Simulation von Auswirkungen eines plötzlichen Konjunktureinbruchs. Diesen Test hat die US-Tochter der Deutschen Bank glatt bestanden. Ob sie auch den zweiten Teil geschafft hat?

Muss Erdogan in die Stichwahl?

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Last but not least sollten die Anleger auch den Ausgang der Parlaments- und Präsidentenwahl in der Türkei im Auge behalten. Letzten Umfragen zufolge droht der Partei AKP des Präsidenten Erdogan der Verlust der absoluten Mehrheit. Es könnte zu einer zweiten Wahlrunde kommen. Die Lage ist heikel, steht das Land doch am wirtschaftlichen Abgrund. "Die Regierung muss sich von dem schier unmöglichen Ziel verabschieden, zugleich hohes Wachstum, niedrige Zinsen und geringe Inflation zu erreichen", sagt Markus Schneider, Volkswirt beim Vermögensverwalter AllianceBernstein.

Und was bedeutet das für die Anleger? Der Aktienmarkt dürfte volatil bleiben. Doch es gibt auch Hoffnung. So hat sich der in diesem Jahr deutlich gesunkene Kurs des Euro gegenüber dem Dollar als wichtigste Stütze erwiesen. Zuletzt haben auch die wieder sinkenden Renditen für Bundesanleihen dem Markt Halt gegeben.

lg

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Daimler
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