Cerberus

Neue Strategie gefordert Commerzbank: Großinvestor Cerberus will mehr

Stand: 10.06.2020, 08:10 Uhr

Die Corona-Pandemie hat tiefe Löcher in die Bilanz der Commerzbank gerissen. Verluste in dreistelliger Millionenhöhe sind die Folge. Sehr zum Unmut von Finanzinvestor Cerberus, der die Bank zum Umdenken zwingen will.

In einem Brief an den Aufsichtsrat fordert Cerberus laut der Agentur Reuters einen Kurswechsel: "Die prekäre Situation der Commerzbank erfordert jetzt schnelles und entschlossenes Handeln." Es sei an der Zeit, neue Ideen und Energie einzubringen, damit das Institut in eine bessere Zukunft gehen könne.

Zunächst verlangt der Investor, der nach eigenen Angaben fünf Prozent an der Commerzbank hält, zwei Sitze im Aufsichtsrat. Dies werde helfen, die dringenden Änderungen bei der Strategie anzugehen. Der Finanzinvestor geht davon aus, dass sich seinen Forderungen weitere Anleger anschließen. Die Forderung des US-Investors könnte bereits bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch ein Thema sein. Eine Sprecherin der Commerzbank lehnte einen Kommentar ab.

Was wollen die Großinvestoren?

Welche Änderungen Cerberus genau von der Bankspitze verlangt, ist unklar. Nach einem Verlust im ersten Quartal von 295 Millionen Euro, verursacht durch eine um das Vierfache gestiegene Risikovorsorge für faule Kredite, hat Bankchef Martin Zielke neue Einsparungen angekündigt.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,24
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Spätestens zu den Halbjahreszahlen im August will der Vorstand seine Pläne konkretisieren. Dazu dürfte eine weitere Ausdünnung des Filialnetzes von derzeit 800 auf 500 bis 600 gehören. Auch hat die Bank bereits den Abbau von 4.300 Stellen bis 2023 angekündigt.

Neue Wege aufzeigen

Doch den Anlegern mangelt es weiterhin an einer klaren Perspektive, hat doch die Commerzbank-Aktie seit dem Einstieg von Cerberus fast 60 Prozent verloren. Trotzdem weckt das Haus Begehrlichkeiten. So wurde im Februar bekannt, dass die US-Beteiligungsgesellschaft Capital Group ihre Anteile an der Commerzbank aufgestockt hat und nun 4,82 Prozent hält. Auch dieses Investment hat sich bisher als Verlustgeschäft erwiesen.

Gut möglich also, dass die beiden Großinvestoren, die knapp zehn Prozent der Anteile an dem Konzern halten, mehr Mitsprache bei der künftigen Ausrichtung verlangen und deshalb den Druck auf den Bankvorstand erhöhen, neue Wege aus der Krise aufzuzeigen. Tatsächlich ist der geplante Verkauf der polnischen Tochter mBank geplatzt. Er sollte dem Konzern frisches Geld in die Kasse spülen.

Erfolgreiche Anleihe

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Imago

Dank der starken Präsenz des Bundes hat die Commerzbank allerdings keine Probleme, sich frisches Kapital zu besorgen. Erst Anfang der Woche hatte sie sich durch die Ausgabe einer Nachranganleihe erfolgreich 1,25 Milliarden Euro besorgt. Das Orderbuch sei sogar mit 9,5 Milliarden Euro mehrfach überzeichnet gewesen, berichtete die Commerzbank. Insgesamt will sie sich auf diese Weise bis zu drei Milliarden Euro beschaffen.

Damit will sie ihren Spielraum erhöhen, in der derzeitige Wirtschaftskrise bedürftigen Unternehmen Kredite zu gewähren. Allerdings muss sie gleichzeitig darauf achten die Risiken nicht allzu kräftig auszuweiten, da wackelnde Kredite mittelfristig auf das Ergebnis drücken.

Keine Bankenkrise

Dass die Banken in der derzeitigen Krise ins Wanken geraten könnten, glaubt Commerzbank-Chef Martin Zielke nicht. "Die Finanzbranche steht stabil da", stellte er kürzlich fest. "Wir sollten daher keine Bankenkrise herbeireden." Der Manager betonte: "Wir haben wesentlich stabilere Banken als vor der Finanzkrise. Die Kraft der Banken, mit solchen konjunkturellen Schwankungen umzugehen, ist viel größer als vor zehn Jahren. Völlig klar ist: Die Risikovorsorge wird in Folge der aktuellen Krise steigen. Aber Banken wissen sehr genau, was und wen sie finanzieren."

lg