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Gebote schon über sechs Milliarden Euro 5G-Auktion: Aus der Erfahrung nichts gelernt?

Stand: 24.05.2019, 08:05 Uhr

Von den luftigen Höhen der UMTS-Auktion im Jahr 2000, die mit mehr als 50 Milliarden Euro das bisher teuerste Bieterverfahren für Mobilfunklizenzen war, ist die derzeit laufende 5G-Versteigerung noch weit entfernt. Trotzdem sorgt sie für Unmut.

In der 405. Runde der Auktion am Donnerstag haben die Gebote für die 5G-Frequenzen erstmals die Schwelle von sechs Milliarden Euro übersprungen, wie aus Daten der Bundesnetzagentur hervorging. Der Bund will das eingenommene Geld in die Digitalisierung stecken, etwa in den Glasfaserausbau auf dem Land.

Die Versteigerung hatte am 19. März am Mainzer Technik-Standort der Netzagentur begonnen. Teilnehmer sind die drei bisherigen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) sowie der Neueinsteiger Drillisch. Mit den nun 405 Bieterrunden in mehr als neun Wochen ist die Versteigerung zwar nicht die teuerste, aber die mit Abstand längste Auktion für Mobilfunklizenzen in Deutschland.

Keine Ende in Sicht

Dennoch ist noch kein Ende des Bietermarathons in Sicht. 5G steht für die 5. Mobilfunkgeneration, der Übertragungsstandard ist vor allem für die Industrie wichtig. Externe Fachleute waren vor Auktionsbeginn von Einnahmen zwischen drei und fünf Milliarden Euro ausgegangen. Doch diese Erwartungen wurden inzwischen deutlich übertroffen.

Für einige Aktionäre hat die Verteuerung erste, spürbare Konsequenzen. So kündigten United Internet sowie die Tochtergesellschaft 1&1 Drillisch an, ihre Dividenden drastisch zu kürzen. Für das Geschäftsjahr 2018 schütten sie lediglich das gesetzliche Minimum von fünf Cent je Aktie aus.

Die Senkung sei wichtig, um den nötigen finanziellen Spielraum für den Netzausbau zu haben, erklärte United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth. Das auf die Aktionäre entfallende Ergebnis bei United Internet wurde mit 189 Millionen Euro angegeben.

Versteigerung ist zu teuer

Die stetige Anstieg der Gebote sorgt bei den Firmen für Unmut. Für die bisher gebotenen sechs Milliarden Euro hätten sich 60.000 Mobilfunkmasten errichten lassen, klagte etwa Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas. Deutschland werde sicherlich nicht das beste 5G-Netz haben, warnte er. Ohne die teure Versteigerung würde 5G zudem schneller kommen.

Haben die Unternehmen also aus den Erfahrungen der Vergangenheit nichts gelernt? Ganz so einfach ist das nicht. Bei der ersten großen Mobilfunkauktion im Sommer 2000 - damals ging es um die UMTS-Lizenzen - war der Preis auf fast 100 Milliarden Mark, rund 51 Milliarden Euro, geklettert.

Aus der Erfahrung lernen

Eine irrsinnig hohe Summe angesichts der Tatsache, dass bis zum Erscheinen des iPhones im Jahr 2007 kaum jemand in Deutschland internetfähige Mobiltelefone besaß. Somit geriet UMTS zum Rohrkrepierer. Bei der zweiten Versteigerung von Lizenzen im Jahr 2010 fiel das Ergebnis dann deutlich bescheidener aus: Die Auktion brachte nur 4,38 Milliarden Euro ein. Bei der letzten großen Frequenzauktion 2015 kamen rund fünf Milliarden Euro zusammen.

lg