Bundesnetzagentur

Ende rückt näher 5G-Auktion: Bundesnetzagentur macht endlich Tempo

Stand: 06.06.2019, 12:07 Uhr

Noch nie hat eine Frequenzauktion in Deutschland so lange gedauert wie dieses Mal. Doch ein Ende kommt langsam in Sicht. Mit einer neuen Vorgabe will die Bundesnetzagentur den Fuß von der Bremse nehmen.

Seit etwa elf Wochen läuft die Versteigerung um die 5G-Mobilfunkfrequenzen nun schon. Die Auktion ist festgefahren. Das könnte sich ändern: Die Bundesnetzagentur erhöht das Mindestzusatzgebot deutlich. Die Teilnehmer müssen jetzt also mehr Geld auf den Tisch legen, um ein Höchstangebot abzugeben und einen zusätzlichen Block zu bekommen. "Ziel ist eine Beschleunigung der Auktion", erklärte die Agentur.

Durch die höheren Zusatzzahlungen, sogenannte Mindestinkremente, erreichen die Teilnehmer - die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica Deutschland und 1&1 Drillisch - schneller die Schmerzgrenze, an der sie nicht noch tiefer in die Tasche greifen wollen. Dann würde kein neues Höchstgebot abgegeben und die Auktion endet. Bisher lag die Zusatzzahlung nur bei zwei Prozent des bisherigen Höchstgebots, grob gesagt und je nach Block also knapp drei Millionen Euro. Künftig ist hingegen eine Zusatzzahlung von mindestens 13 Millionen Euro nötig.

Die Änderung betrifft nur die umkämpften Blöcke im 3,6-Gigahertz-Bereich - hier zeigen sich die Firmen seit Wochen unnachgiebig. Bei den 2-Gigahertz-Blöcken hingegen scheint die Verteilung entschieden.

Aktien leiden unter Unsicherheit

Auch die Mobilfunker dürften sich über ein baldiges Ende freuen. Die stetige Anstieg der Gebote sorgt bei den Firmen für Unmut. Für die bisher gebotenen sechs Milliarden Euro hätten sich 60.000 Mobilfunkmasten errichten lassen, klagte zum Beispiel Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas vor einiger Zeit.

Die Anleger der vier Bieter reagieren unterschiedlich auf die neueste Vorgabe. Während die Titel von Telekom, Telefonica und 1&1 Drillisch seit Mittwoch leicht im Plus liegen, rutschte das Vodafone-Papier um über drei Prozent ab. Seit geraumer Zeit leiden die Aktien unter den Unsicherheiten rund um die Auktion. War die Drillisch-Aktie etwa Anfang 2018 noch über 70 Euro wert gewesen, kostete sie zuletzt keine 30 Euro mehr, ein Minus von fast 60 Prozent.

"Es zieht sich"

Die Versteigerung für die Frequenzen für das ultraschnelle Internet läuft seit dem 19. März und dauert so lange wie bisher kein Verfahren. Inzwischen liegen nach 467 Runden Offerten von insgesamt 6,2 Milliarden Euro auf dem Tisch, deutlich mehr als Branchenexperten erwartet hatten.

"Es zieht sich. Wir hätten auch gedacht, dass es schon längst vorbei sein müsste", kommentierte ein Drillisch-Sprecher. Aber es geht nun mal um 5G, einen Mobilfunkstandard, der nicht einfach nur eine schnellere Datenübertragung ermöglichen soll, sondern den Unternehmen auch völlig neue Geschäftsfelder im Bereich des Internets der Dinge eröffnen dürfte.

Besonders Drillisch steht unter Druck

Und für Drillisch, der Telekommunikationstochter von United Internet, bedeuten die neuen Frequenzen noch etwas: Die Möglichkeit, ein eigenes Netz aufzubauen und damit Unabhängigkeit. Denn die hat das Unternehmen bislang noch nicht. Stattdessen mietet es Kapazitäten vor allem bei der O2-Mutter Telefonica Deutschland und auch bei Vodafone. Und solange noch geboten wird, liegen sämtliche Preisverhandlungen mit der Konkurrenz für die Netzmiete auf Eis.

1&1 Drillisch: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
24,30
Differenz relativ
+1,00%
United Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,35
Differenz relativ
+3,34%

Das Unternehmen hatte im Winter mit einem europäischen Bankenkonsortium Kreditlinien in Höhe von 2,8 Milliarden Euro vereinbart. Zudem beschloss der Vorstand - mit Zustimmung der Aktionäre - fast den gesamten Gewinn von 2018 im Unternehmen zu belassen und nur die gesetzliche Mindestdividende von fünf Cent je Aktie auszuschütten.

Der neue Mobilfunkstandard 5G soll Datengeschwindigkeiten ermöglichen, die mindestens 100 Mal schneller sind als die der aktuellen 4G-Netze und für sehr niedrige Reaktionszeiten sorgen. Zudem müssen keine Unterbrechungen während der Übertragung befürchtet werden. Das sind Bedingungen, wie sie für künftige Schlüsseltechnologien nötig sind, etwa das autonome Fahren, virtuelle Realität und Industrie 4.0.

tb