Holt die Sektgläser raus!

Kurstafel an der Deutschen Börse in Frankfurt

30 Jahre Dax Die Fieberkurve der Republik

von Notker Blechner

Stand: 02.07.2018, 09:09 Uhr

Happy Börsday, Dax! Am Sonntag ist der deutsche Leitindex 30 Jahre alt geworden. Trotz mancher Rückschläge hat er Anlegern viel Freude bereitet. Der Dax hat sich verzehnfacht. Die meisten Deutschen aber bleiben der Party fern.

Wer kennt sie nicht, die schwarze Tafel mit der weißen Kurve? Alltäglich wird sie mehrfach im Fernsehen gezeigt. Die Dax-Tafel ist zu einer Art Spiegelbild der deutschen Wirtschaft geworden. Steigt der Dax, ist alles gut. Fällt der Dax, gibt es (irgendwo) ein Problem.

Auf und Ab im Dax
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Das unverzichtbare Börsenbarometer

"Fieberthermometer für das wirtschaftliche Befinden"

"Börsenfernsehen und andere neue Medien trugen den Dax in die heimischen Wohnzimmer", erinnert sich der frühere Dekabank-Chef Manfred Zaß, einer der Gründerväter des Dax. "Er wurde somit schneller als gedacht so etwas wie ein Fieberthermometer für das wirtschaftliche Befinden der Republik."

Für Fondsmanager und Anleger ist der Index eine wichtige Richtschnur. Viele gestalten ihre Depots entsprechend der Dax-Entwicklung. Auch viele Indexfonds hängen am deutschen Leitindex.

Dabei war der Dax ein Spätzünder. Während der Dow schon vor 122 Jahren gegründet wurde, hob die Frankfurter Wertpapierbörse den Dax erst am 1. Juli 1988 aus der Taufe. Er beendete ein wildes Durcheinander von Indizes, die allesamt Orientierung geben sollten. Es gab einen Index der "Börsen-Zeitung", einen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und einen der Commerzbank. "Wir wollten ein nach außen wirkendes Symbol haben - vergleichbar dem Dow Jones", erklärt Rüdiger von Rosen, der damals mit an der Erfindung des Dax beteiligt war.

Mit Xetra kam der Durchbruch

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.210,55
Differenz relativ
-0,22%

Anfangs tat sich der Dax noch schwer. Er stand in Konkurrenz zur Parkettbörse. Erst mit der Einführung des Xetra-Handels im November 1997 begann sein Siegeszug. Der Mega-Börsengang der Deutschen Telekom sorgte für eine Börseneuphorie in den späten 1990er Jahren, die den Dax bis auf das Rekordhoch von 8.136 Punkte im März 2000 trieb. Eine kurze Zeit stand er im Schatten des Neuen Markts.

Doch mit der geplatzten Internet-Blase platzten auch viele Anlegerträume an der Börse. Darunter litt zuerst der Neue Markt. Aber auch der Dax wurde in die Tiefe gerissen. Die Terroranschläge in New York beschleunigten den wirtschaftlichen Abschwung und brachten weltweit die Börse ins Taumeln. Experten sprechen vom "Salami-Crash".

Achterbahnfahrt seit 2000

Im März 2003 fiel der Dax wieder auf sein Niveau von 1995 zurück. Dann aber begann eine mehrjährige Hausse, die den deutschen Leitindex auf eine neue Bestmarke von 8.151 Punkten im Sommer 2007 hievte. Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kehrte wieder Ernüchterung ein. Es folgte ein "schwarzer Tag" nach dem anderen. Binnen weniger Monate halbierte sich der Dax.

Als Retter erwiesen sich die Notenbanken. Die Fed und später die Europäische Zentralbank (EZB) warfen die Notenpressen an und pumpten billiges Geld in die Aktienmärkte. Der Dax erholte sich von der Finanzkrise und kletterte im Juni 2014 erstmals über die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten.

Jährlicher Zuwachs von 8,5 Prozent

Die Euro-Krise bremste zeitweise das deutsche Börsenbarometer, ehe es weiter nach oben ging. Anfang dieses Jahres markierte der Dax mit 13.596 Zählern seinen bisher höchsten Stand. Unterm Strich hat er seit seinem Start bei 1.163 Zähler gut 11.000 Punkte gewonnen. Im Schnitt brachte er jährlich einen Wertzuwachs von knapp 8,5 Prozent.

Von den üppigen Kursgewinnen haben viele Bundesbürger aber nichts. Die Mehrheit der Dax-Aktien befindet sich in ausländischer Hand. Nur 46 Prozent der Titel besitzen deutsche Anleger, davon nur ein kleiner Teil Kleinanleger. Ob sich daran etwas in den nächsten 30 Jahren ändert, dürfte davon abhängen, ob die junge Generation wieder Vertrauen in Aktien findet.

Seine wilden Jahre dürfte der Dax noch lange nicht hinter sich haben. Rasanten Höhenflügen werden auch in den kommenden Jahren wieder rasante Talfahrten folgen. Mit diesen Auf und Ab müssen sich Dax-Anleger anfreunden. Am Ende werden sie für ihr Durchhalten gut belohnt. Das zeigt die Bilanz von 30 Jahren Dax.