E-Plus-Werbung auf der Cebit 1996

Es gibt viel zu tun 25 Jahre E-Plus - kein Grund zum Feiern

von Mark Ehren

Stand: 27.05.2019, 06:45 Uhr

Heute vor 25 Jahren, am 27. Mai 1994, startete mit E-Plus das zweite private Mobilfunknetz in Deutschland nach Vodafone. Heute gehört E-Plus zu Telefonica Deutschland (O2). Der Anbieter sieht sich großen Herausforderungen gegenüber.

Regelmäßig landet die Tochter des spanischen Telekommunikationsriesen Telefonica bei Netz-Tests abgeschlagen auf dem dritten Platz hinter der Deutschen Telekom und Vodafone. Und das will schon etwas heißen. Denn im europäischen Vergleich liegt auch die Deutsche Telekom im Mobilfunkbereich nicht in der Spitzengruppe. Selbst Albanien hat Deutschland beim Ausbau des Mobilfunknetzes überholt.

Strafen drohen

Es gibt also viel zu tun - und nicht etwa nur, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Insbesondere die staatlichen Vorgaben setzen O2 unter Druck. Die Bundesnetzagentur hatte bei der Vergabe der Frequenzen für das schnelle Internet strenge Vorgaben gemacht. Die Anbieter müssen mit ihrem LTE-Netz am 1. Januar 2020 bundesweit jeweils 98 Prozent der Haushalte und in jedem Bundesland 97 Prozent der Haushalte erreichen. Dabei werden mindestens 50 Megabit pro Sekunde am Mobilfunkmast und 10 Mbit/s beim Kunden vorausgesetzt. Sollte dieses Ziel nicht erreicht werden, drohen O2 Geldstrafen in bisher nicht näher bezifferter Höhe oder im Extremfall ein Widerruf von Frequenzen.

Bis Ende des Jahres will O2 rund 10.000 LTE-Stationen neu aufgestellt beziehungsweise alte aufgerüstet haben - fraglich ist, ob das reicht. Denn schon einmal sind Hoffnungen auf ein verbessertes O2-Netz zerstoben. So hatte man sich nach der Übernahme von E-Plus im Jahr 2014 und der damit verbundenen Zusammenführung der beiden Netze eine deutlichere Verbesserung bei der Netzabdeckung versprochen. Doch die ließ auf sich warten. O2 hatte die Probleme bei der Zusammenführung der beiden Infrastrukturen offenbar unterschätzt.

Auch ein anderes Problem beim LTE-Ausbau könnte noch unterschätzt werden. Denn viele Kunden von O2 nutzen noch Verträge und Tarife, mit denen sie maximal Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G/UMTS) nutzen können. Da O2 gleichzeitig mit dem Ausbau von LTE (4G) das 3G-Netz ausdünnt, könnte sich die Versorgungssituation für diese Kunden trotz des Ausbaus sogar noch verschlechtern.

Aktie im Abwärtstrend

Das alles ist an der Aktie aus dem im deutschen Technologie-Index TecDax nicht spurlos vorbei gegangen. Sie steht seit Jahren unter Druck. Allein binnen der vergangenen zwölf Monate brach sie um 30 Prozent ein und erreichte gerade erst wieder ein Rekordtief.

Die Kursentwicklung spiegelt die finanziellen Herausforderungen des Konzerns wider: Telefonica schreibt wegen hoher Abschreibungen auf die schon vorhandenen Netze und den gezahlten bilanziellen Aufpreis für E-Plus seit der Übernahme im Jahr 2014 durchgehend rote Zahlen - sei es operativ oder beim Jahresüberschuss.

Sehr hohe Dividende

Immerhin zahlt das Unternehmen noch sehr hohe Dividenden. Für das vergangene Geschäftsjahr haben die Aktionäre gerade 27 Cent je Aktie erhalten. Damit liegt die Dividendenrendite bei rund zehn Prozent. Das ist nicht nur Zeiten niedriger Zinsen ein sehr guter Wert.

Für 2018 und 2017 hat Telefonica Deutschland damit praktisch sämtliche erwirtschafteten Barmittel nach Investitionen an seine Aktionäre ausgeschüttet. Da im laufenden Jahr - wie beschrieben - mit stark wachsenden Investitionen zu rechnen ist, erscheint eine Dividende auf derzeitigem Niveau künftig nicht gesichert zu sein.

Und ein deutlicher Anstieg bei den erwirtschafteten Barmitteln ist ebenfalls nicht zu erwarten. Seit 2016 sind diese bei O2 sogar leicht rückläufig. Denn im Zuge der E-Plus-Übernahme konnte man zwar einen Konkurrenten ausschalten. Doch um die Genehmigung von der EU- Kommission zu erhalten, hatte O2 zuvor bereits vereinbart, 20 Prozent seiner Kapazitäten an den Konkurrenten Drillisch abzutreten. Dieser Wert wurde später von der EU-Kommission sogar noch auf 30 Prozent erhöht. Seitdem fällt Drillisch, seit 2017 mehrheitlich zu United Internet gehörend, durch einen besonders aggressiven Wettbewerb auf.

Nach einem starken Wachstum für O2 klingt das nicht gerade.