Dax-Kurve und im Hintergrund Feuerwerk

Wie geht es weiter? 2019 - ein fantastisches Jahr für Aktien

von Till Bücker und Notker Blechner

Stand: 30.12.2019, 14:10 Uhr

Was für ein Börsenjahr: 2019 hat der Dax mehr als ein Viertel zugelegt - trotz einer Vielzahl von Bremsklötzen für die Märkte. Was waren die Gründe? Und wie stehen die Chancen für 2020?

Der Dax kletterte in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 25,5 Prozent auf 13.249 Punkte. Das ist der größte Jahresgewinn seit 2013. Doch nicht nur mit dem Aktienjahr 2019, sondern auch mit dem gesamten Jahrzehnt können langfristig orientierte Aktien-Anleger mehr als zufrieden sein.

"Sei mutig, wenn andere ängstlich sind" – wer diesem Leitspruch der Börsenlegende Warren Buffett 2009 gefolgt ist, der hat alles richtig gemacht. Im März 2009 erreichten die Börsen ihren Finanzkrisen-Tiefpunkt. Der Dax fiel bis auf 3.589 Punkte. Seither hat er über 9.000 Punkte gut gemacht – das entspricht einem Kursgewinn von rund 270 Prozent. Die seit Ende 2009 angelaufenen Dax-Gewinne belaufen sich auf rund 120 Prozent.

Dax 2009 bis 2019

Dax 2009 bis 2019. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

2020 würde der Bullenmarkt nach Berechnungen der Commerzbank in sein zwölftes Jahr gehen. Das wäre der längste Anstieg seit 1960. Das heißt: Seit dem 9. März 2009 gab es keine Kurskorrektur von mindestens 20 Prozent mehr.

"Wall of Worry"

Dabei war 2019 nicht frei von Sorgen für die Wirtschaft - Rezessionsängste, der Brexit, wachsender Populismus in Europa und nicht zuletzt der amerikanisch-chinesische Handelskrieg hielten die Anleger in Atem. Doch gerade diese "Wall of Worry" könnte der Grund für die Erfolge an der Börse sein - verhindert sie doch, dass die Anleger allzu euphorisch und damit übermütig werden.

Die Börsen profitierten 2019 zudem davon, dass die Notenbanken angesichts der schwächelnden Konjunktursignale ihre expansive Geldpolitik wieder forcierten. Unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde dürfte die lockere Geldpolitik zunächst weitergehen. Und auch in den USA ist laut dem Fed Watch Tool der CME Group keine Zinserhöhung vor Dezember 2020 in Sicht.

Anleihen keine Alternative mehr

Aktien sind und bleiben damit für Anleger durch Kursgewinne oder Dividenden die einzigen Hoffnungsträger. Auch wenn es 2019 immer mal wieder einige Kursschwankungen nach unten gegeben hat. Mit Zinspapieren wie Anleihen ist in Zeiten von Minuszinsen nichts zu holen.

Die Momentum-Strategie zahlte sich im vergangenen Jahr aus. Wer auf die Performer der Vergangenheit setzte, fuhr c2019 mit ihnen erneut gute Gewinne ein. Momentum-Fan Leo Willert von Arts Asset Management ist überzeugt: Momentum-Trading ist die wissenschaftlich meistgeprüfte Investmentstrategie überhaupt und funktioniert nachweislich."

Dax 2019

Dax 2019. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Neues Rekordhoch in Sicht?

Für besonders kräftigen Auftrieb an den Handelsplätzen sorgte zuletzt vor allem die Teileinigung im US-chinesischen Handelsstreit und der Sieg der Tories bei der Wahl in Großbritannien. Die Wall Street eilte im Dezember von Rekord zu Rekord, der Dax erreichte bei 13.426 Punkten ein Jahreshoch, und die Nebenwerte aus der zweiten Reihe im MDax erklommen einen neuen Höchstand.

Was der Dax im abgelaufenen Jahr knapp verpasst hat, könnte er 2020 schaffen: ein neues Rekordhoch. Die bisherige Bestmarke liegt bei 13.597 Zählern und datiert vom Januar 2018.

Deutscher Markt kann besonders profitieren

Die Deutsche Bank sieht den Dax bis Ende des Jahres 2020 bei rund 14.000 Punkten. Als Treiber sieht Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan die historisch niedrigen Kapitalmarktzinsen. "Im Vergleich zu Staats- und Unternehmensanleihen erscheint das Chance-Risiko-Profil von Aktien nach wie vor interessant", behauptet er.

Der deutsche Markt könne besonders profitieren, wenn die Nachrichtenlage insgesamt positiver werde. Deutschlands Firmen sind stark vom Welthandel abhängig. Zieht die Wirtschaft global an, treibt das den Dax nach oben.

Weniger Sorgen als 2019...

Die globalen Konjunktursorgen haben jüngst abgenommen. Auch beim größten Stolperstein an den Börsen, dem Handelsstreit zwischen China und den USA, zeichnet sich eine Entspannung ab. Washington und Peking haben sich auf ein erstes Teilabkommen verständigt.

Selbst der Brexit hat an Schrecken verloren. Nach dem klaren Sieg der Konservativen bei den britischen Parlamentswahlen kann sich die Regierung nun genug Zeit lassen, um einen Deal mit der EU auszuhandeln. Nach dem offiziellen Brexit zum 31. Januar soll es eine Übergangsphase bis Ende des Jahres geben, in der ein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU geschlossen werden soll.

...aber weiter Unsicherheiten

Trotzdem bleiben einige geopolitische Unwägbarkeiten. Ein No-Brexit-Deal ist weiterhin nicht ausgeschlossen, der Handelsstreit zwischen China und den USA könnte wieder aufflammen, US-Präsident Donald Trump könnte wieder neue Konflikte in der Welt anzetteln, und auch in Europa drohen Gefahren. In Italien könnte es zu Neuwahlen kommen, sollte die fragile europafreundliche Koalition in Rom auseinanderbrechen. 2020 stehen acht Regionalwahlen in Italien an. Das birgt viel Zündstoff.

Dementsprechend vorsichtig sind einige Anlagestrategen. Die meisten von ihnen rechnen für 2020 nicht mit zweistelligen, sondern eher mit mageren einstelligen Kurszuwächsen. Wegen der vielen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten könnte es stärkere Kursausschläge in beide Richtungen geben, meinen sie. Auf eine gute erste Jahreshälfte könnte eine schwächere zweite folgen, glaubt Marktstratege Mislav Matejka von JPMorgan.

US-Wahlen im Fokus

Als großer Unsicherheitsfaktor gelten außerdem die US-Präsidentschaftswahlen. Nach Einschätzung von JPMorgan dürfte der monatelange Wahlkampf, der im Februar mit den ersten Vorwahlen startet, Unternehmen und Investoren in die Passivität zwingen. Ganz nach dem Motto: erst mal abwarten, wer das Rennen im November macht.

Auf der anderen Seite würden deutlich fallende Aktienkurse die Chancen für die Wiederwahl Trumps wohl erheblich senken. Vermutlich wird er daher mit allen Mitteln versuchen, für gute Stimmung an der Börse zu sorgen. Nicht umsonst würden Aktien in US-Wahljahren nach Angaben von Chris-Oliver Schickentanz, Leiter des Investment-Teams der Commerzbank, durchschnittlich um acht Prozent zulegen.

Aber auch die Meinungen von Experten sollten Anleger mit Vorsicht genießen. Denn: Für 2019 waren sie wegen des Brexit-Chaos, der italienischen Schuldenkrise und des Handelsstreits eher pessimistisch und warnten vor einem Abschwung an den Börsen im zweiten Halbjahr. Doch es kam ganz anders - und 2019 wurde ein fantastisches Jahr für Aktien.