Aktie von Borussia Dortmund

Jubiläum 20 Jahre BVB-Aktie: Knapp vorbei ist auch daneben!

von Mark Ehren

Stand: 30.10.2020, 14:33 Uhr

Am 31. Oktober 2000 ging die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA an die Börse. Auch 20 Jahre später ist der BVB der einzige deutsche Fußballbundesligist, dessen Aktien am Kapitalmarkt gehandelt werden. Die Aktionäre müssen bis heute eine Menge Leidensfähigkeit mitbringen.

Bereits in den Tagen vor dem ersten Handelstag zeichnete sich ab, dass die Aktie kein Selbstläufer werde würde. Denn die Papiere wurden nur am unteren Ende der Preisspanne zugeteilt. Und auch am ersten Handelstag geriet die Aktie schnell unter Druck und übersprang zu keinem Zeitpunkt den Ausgabekurs von elf Euro - trotz der Stützungskäufe der Deutschen Bank, die den Verein an die Börse gebracht hatte.

Auf den ersten Blick erschien das damals unverständlich, denn sportlich ging es für die Dortmunder in dieser Zeit steil nach oben. Ein dritter Bundesliga-Platz in der ersten "Börsen-Saison" - ein Jahr später dann sogar der Meistertitel: Doch die Investoren interessierte das nur wenig - sie schienen ein böse Vorahnung zu haben. 

Die Zweifel bestätigten sich

Und die bewahrheitete sich auch. Denn geblendet von dem sportlichen Erfolg investierte der Verein zu viel Geld in zu teure Spieler. Zudem hatte der BVB inzwischen seinen Anteil am heimischen Westfalenstadion zu äußerst ungünstigen Konditionen versilbert. Die hohen Gehälter, die fällige Miete für die eigene Heimstätte und der ausbleibende sportliche Erfolg bescherten der GmbH & Co. KGaA 2004 ein Minus von 65 Millionen Euro und einen Schuldenstand von 118 Millionen Euro. Der Traditionsverein musste in einer Pflichtmitteilung einräumen, dass er sich in einer "existenzbedrohenden Ertrags- und Finanzsituation" befand. Die bisherige Vereinsführung wurde nach und nach entmachtet.

Trendwende mit Watzke

Im Februar 2005 übernahm der damalige Schatzmeister Hans-Joachim Watzke die Geschäftsführung des taumelnden BVB. Mit Watzke kam der BVB wieder in ruhigeres Fahrwasser. Zunächst konsolidierte er die Finanzen. Drei Jahre nach seiner Verpflichtung beendete der knorrige Manager den Versuch des Vereins, jahrzehntelang erfolgreiche Unternehmen wie Adidas und Nike mit einer eigenen Sportartikelmarke anzugreifen: Acht Jahre nach der Gründung wurde die Marke goool.de sang- und klanglos eingestellt.

Mit der Verpflichtung von Trainer Jürgen Klopp im Jahr 2008 kam nach und nach auch der sportliche Erfolg zurück. In den Jahren 2011 und 2012 wurde die Borussia Deutscher Meister. 2013 verlor der BVB das Finale der Champions League-Finale nur knapp gegen den Erzfeind Bayern München. 2014 hatten die Dortmunder keine Bankschulden mehr.

Doch der Börse fehlte lang Zeit das Vertrauen. Erst Mitte 2009 markierte die BVB-Aktie bei unter einem Euro einen historischen Tiefststand. Von 2004 bis 2014 führte der Verein insgesamt vier Kapitalerhöhungen durch, die Anteile der Altaktionäre werden entsprechend stark verwässert. Erst als der Verein begann, kleine Dividenden zu zahlen, berappelte sich das Papier wieder. Vom Tiefststand konnte sich das Papier in der Spitze innerhalb von zehn Jahren mehr als verzehnfachen. Das Emissionsniveau wurde aber dennoch bis heute nicht mehr erreicht.

Wenn eine Dividende, dann wenig

In den zwanzig Jahren an der Börse hat der BVB nur achtmal eine Dividende gezahlt. Die höchste Ausschüttung lag 2013 und 2014 bei jeweils zehn Cent je Aktie. Insgesamt gab der siebtgrößte Fußballverein über all die Jahre gerade einmal 55 Cent je Aktie an seine Aktionäre zurück.

Aktie nur für Hartgesottene

Die Entwicklung zeigt, dass Anteilsscheine wie die von Borussia Dortmund tendenziell eher etwas für kurzfristig orientierte Anleger sind. Denn direkt am Handelstag nach wichtigen gewonnen oder verlorenen Spielen nehmen die Schwankungen der BVB-Aktie auffällig zu. Und eine Krise wie die derzeitige Pandemie hat die Planungssicherheit für den Verein und die Aktionäre auch nicht gerade erhöht.

Untrennbar mit der Geschichte des Vereins und der Aktie wird der Anschlag auf den Mannschaftsbus am 21. April 2017 verbunden bleiben. Damals hatte der 28-jährige Sergej W. mit Hilfe von selbstgebauten Sprengsätzen versucht, die Mannschaft des BVB zu töten. Im Vorfeld hatte W. Verkaufsoptionsscheine an der Börse erworben, um von einem von ihm erwarteten Kurssturz der Aktie des Vereins zu profitieren. W. wurde wegen versuchten 28-fachen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Trotz der sehr wechselvollen Geschichte dürfte sich auch in Zukunft manch ein Fan des BVB für die Papiere interessieren. Ob man sich damit allerdings einen Gefallen tut, muss jeder selbst für die entscheiden. Oder wie es ein Fußball-Experte einmal ausdrückte: "Fußball-Aktien sind etwas für Fans, die doppelt leiden wollen!"