Ein Landwirt bringt das Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf einem Feld aus
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Gewinneinbruch im zweiten Quartal 18.400 Glyphosat-Klagen gegen Bayer

Stand: 30.07.2019, 09:09 Uhr

Die Zahl der Klagen in den USA gegen den Dax-Konzern Bayer wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter steigt und steigt. Da werden die Halbjahreszahlen fast zur Nebensache.

Bis zum 11. Juli seien Klagen von rund 18.400 Klägern zugestellt worden, teilte Bayer am Dienstag in Leverkusen bei Vorlage des Quartalsberichts mit. Das sind rund 5.000 mehr als im April. Die Klagezahl war seit August 2018 nach oben geschnellt. Zuvor hatte ein Geschworenen-Gericht einem Krebspatienten hohen Schadensersatz zugesprochen.

Letzte Hoffnung Berufsrichter

Markus Gürne
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Damoklesschwert Glyphosat

Die Zahl der Klagen dürfte noch weiter steigen. Schließlich musste Bayer erst Ende Juli eine erneute Prozessniederlage hinnehmen. Zwar reduzierte die Richterin die von den Geschworenen geforderte Zwei-Milliarden-Dollar-Strafe deutlich auf 86,7 Millionen Dollar. Dem Antrag von Bayer, ganz auf eine Strafzahlung zu verzichten, wollte die Richterin jedoch nicht folgen.

Der Konzern kündigte wie zuvor schon in zwei anderen Fällen Berufung gegen das Urteil an. Das Kalkül dahinter ist, dass die Berufsrichter die Sache in der nächsten Instanz anders einschätzen könnten als die Geschworenen.

Bayer-CEO Werner Baumann

Ob er sich wohl auch manchmal fragt, ob der Monsanto-Kauf ein Fehler war? Bayer-Chef Werner Baumann. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon, Montage: boerse.ARD.de

Jahresausblick "zunehmend ambitioniert"

Diese juristischen Entwicklungen überschatten zunehmend das Tagesgeschäft des Dax-Konzerns, der am Dienstagmorgen auch seine Zahlen zum zweiten Quartal präsentierte.

Ein schwieriges Geschäft mit Landwirten stimmt den Agrarchemie- und Pharmakonzern für das Gesamtjahr ein wenig vorsichtiger. Bayer bestätigte zwar den Jahresausblick, bezeichnete ihn aber als "zunehmend ambitioniert".

Der Konzern verweist zur Begründung auf die eher schwachen Agrar-Geschäfte in den USA. Dort behindere schlechtes Wetter mit Überschwemmungen die Produktion der Landwirte.

Gewinneinbruch im zweiten Quartal

Im abgelaufenen zweiten Jahresviertel stieg der Konzernumsatz um mehr als ein Fünftel auf knapp 11,5 Milliarden Euro, das lag aber insbesondere an der Übernahme von Monsanto.

Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) kletterte um rund ein Viertel auf 2,9 Milliarden Euro. Unterm Strich brach der Gewinn um fast die Hälfte ein auf 404 Millionen Euro.

Kapitalvernichter Bayer

An der Börse kamen die neuen Aussagen aus dem Hause Bayer gar nicht gut an: Die Aktie gehörte mit einem Minus von über drei Prozent am Dienstag zu den größten Verlierern im Dax.

Die Bayer-Aktie macht damit ihrem Ruf als "Kapitalvernichter" weiterhin "alle Ehre": Binnen nur fünf Jahren ist der Kurs des Dax-Konzerns um rund 40 Prozent eingebrochen.

ag