Elon Musk präsentiert den Tesla Y

Zehn Jahre Tesla an der Börse Von Null auf 100 in kürzester Zeit

von Mark Ehren

Stand: 29.06.2020, 06:45 Uhr

Am 29. Juni 2010 ging Tesla an die Börse. Heute ist das Unternehmen, das untrennbar mit dem Namen Elon Musk verbunden ist, der wertvollste Autohersteller der Welt. Doch wie hat Tesla das geschafft?

An der Börse werden Erwartungen gehandelt - Erwartungen an den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, seiner Geschäftsidee, seiner Produkte. So gesehen scheinen die Erwartungen an den kleinen Auto-Hersteller, der im Sommer 2010 in den USA an die Börse ging, nicht sehr hoch gewesen zu sein. Benannt nach dem Erfinder Nikola Tesla, wollte der Börsen-Neuling Elektro-Autos herstellen, wollte General Motors, Ford, Toyota, VW, BMW und Daimler die Stirn bieten.

Diese hatten sich zwar gerade erst von den Auswirkungen der Finanzkrise erholt, aber der immer stärker wachsende SUV-Boom versprach rosige Zeiten.

Gerade einmal 17 Dollar kostetet eine Tesla-Aktie beim Börsengang am 29. Juni 2010. Zehn Jahre später - mitten in der Corona-Krise - ist der Kurs der Tesla-Aktie auf über 1.000 Dollar gestiegen, ein Plus von fast 6.000 Prozent - der Börsenwert von Tesla liegt bei rund 180 Milliarden US-Dollar. Zwischenzeitlich hat der "kleine" E-Auto-Bauer einen höheren Firmenwert als Volkswagen, Daimler und BMW zusammen.

Elon Musk: Tesla statt Paypal

Teslas Erfolg ist untrennbar mit Elon Musk verbunden. Nachdem er das risikoarme Bezahlen im Internet mit dem Bezahldienst PayPal zum Durchbruch verholfen und zu einem Multi-Milliarden-Unternehmen gemacht hatte, wollte er mit dem Unternehmen auch den Bankenmarkt aufmischen. Doch seine Mitgründer waren dagegen und drängten ihn aus dem Unternehmen.

Mit seiner üppigen Abfindung hätte er sich mit Ende 20 zur Ruhe setzen können. Doch Musk wollte mehr - viel mehr. Er beteiligte sich an dem kleinen Unternehmen Tesla Motors und übernahm später die Führung. Dieses mal war er es, der die Gründer - Martin Eberhard und Marc Tarpenning - aus dem Unternehmen drängte.

Damals galten Elektroautos als lahm, langweilig mit einer geringen Reichweite. Gleich mit dem ersten Modell strafte Tesla seine Kritiker Lügen. Die Reichweite des Tesla Roadster lag bei damals sensationellen 350 Kilometern, die Leistung bei fast 300 PS bei einer Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 3,7 Sekunden.

Größere Stückzahl, weniger Kosten

Die dann folgende Strategie beschrieb Elon Musk einmal so: "Fast jede neue Technologie hat zunächst hohe Stückkosten, bevor sie optimiert werden kann, und dies gilt nicht weniger für Elektroautos. Die Strategie von Tesla besteht darin, am oberen Ende des Marktes einzusteigen, wo die Kunden bereit sind, einen Aufpreis zu zahlen, und dann den Markt so schnell wie möglich zu höheren Stückzahlen und niedrigeren Preisen mit jedem nachfolgenden Modell nach unten zu treiben."

Nach dem Roadster folgen die etwas weniger teuren Modelle S und X und dann die erheblich günstigeren Modelle 3 und Y. Schon wird über ein noch preiswerteres Modell C spekuliert.

Mit jeder neuen Generation steigert Tesla die Produktion deutlich. Laut Musk sinken die Produktionskosten bei jeder Verdopplung der Stückzahl um 20 Prozent.

The Sky is not the Limit

Mehrmals in seiner Geschichte stand Tesla kurz vor der Pleite. Doch Musk gelang es jedes Mal, das Ruder herumzureißen. Als ob der bekennende Workaholic mit Tesla schon nicht genug zu tun hätte, ist er auch Chef der nicht börsennotierten SpaceX. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren den Markt für Raketen- und Weltraumtechnologie revolutioniert. Langfristiges Ziel: Musk will zum Mars.

Für seinen Heimatplaneten hat Musk dagegen andere Ziele. Hier geht ihm darum, mit umweltfreundlichen Transportmitteln, die erneuerbare Energien nutzen können, die Zivilisation zu erhalten.

Kräftige Expansion geplant

Tesla Cybertruck

Tesla Cybertruck. | Bildquelle: Tesla

Auf der Erde dürfte noch viel von Tesla zu erwarten sein. Gerade erst wird die Produktion des SUV-Crossovers Model Y hochgefahren. Im kommenden Jahr soll die Produktion des Cybertrucks starten, der mit einer geplanten Reichweite von 800 Kilometern neue Bestmarken setzen dürfte. Auch in das LKW-Geschäft wird Tesla einsteigen. Der Tesla Semi soll Ende 2020 in Produktion gehen. Tesla baut eine Fabrik in Brandenburg und wahrscheinlich bald auch in Texas und erhöht die Kapazität der Fabriken in Kalifornien, in Shanghai und der Batteriefabrik in Nevada.

Schon wird darüber spekuliert, ob Tesla neben dem Stromspeicher- und Solargeschäft auch direkt ins Energiegeschäft einsteigen könnte. So könnten zukünftige Tesla-Modelle in Zeiten, in denen das Fahrzeug nicht genutzt wird, als Stromspeicher für überschüssige erneuerbare Energie benutzt werden, sofern die Besitzer dem zustimmen und sich Geld für diese Dienstleistung dazuverdienen möchten.

Auch beim Thema selbstfahrendes Auto hat Musk Großes vor. Sobald die Software für das komplett selbstfahrende Auto fertig ist, könnten Tesla-Besitzer ihr Fahrzeug quasi als selbstfahrendes "Taxi" verleihen und an den Einnahmen beteiligt werden. Die Versicherung dafür will Tesla wahrscheinlich gleich mitliefern.

Vor zehn Jahren lagen die Erlöse bei 116 Millionen Dollar im Jahr. Im vergangenen Jahr erzielte Tesla einen Umsatz von 24 Milliarden Dollar. Im Jahr 2030 könnte Tesla im Vergleich zu heute erneut nicht mehr wiederzuerkennen sein.

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Die Höhepunkte der Tesla-Geschichte Schneller, immer schneller

Marc Tarpenning (l) und Martin Eberhard

Juli 2003: Gründung von Tesla
Martin Eberhard und Marc Tarpenning gründen Tesla - noch unter dem Namen Tesla Motors. Die beiden Ingenieure glauben an die Zukunft des Elektroautos und sind erbost über General Motors. Der Autokonzern hatte zuvor seine verleasten Elektroautos vom Modell EV1 wieder einkassiert und verschrottet.