United Internet-Zentrale in Montabaur

Aktien im Tiefflug 1&1 Drillisch und United Internet kürzen Prognose

Stand: 25.10.2019, 12:03 Uhr

Heftige Kursreaktionen beim Mobilfunk-Vermittler 1&1 Drillisch und seiner Konzernmutter United Internet am Freitag. Beide Titel leiden unter einem Schiedspruch, der für die TecDax-Unternehmen deutliche Ergebniseinbußen bedeutet. Aber es gibt auch einen Gewinner in der Sache.

Die Aktie von Telefonica Deutschland nämlich klettert um rund vier Prozent. Das Unternehmen ist im Streit mit 1&1 Drillisch zunächst einmal als Sieger hervorgegangen. Drillisch hat im Streit um Großhandelspreise mit Telefonica Deutschland einen externen Gutachter eingeschaltet - der lehnte nun den Antrag auf rückwirkende Preissenkungen ab.

Weiterer Stress im Anmarsch

Drillisch AG hatte eine Preisreduzierung für bestimmte Vorleistungen gefordert, die sie von Telefonica Deutschland bezieht. Damals habe sich Telefonica verpflichtet, bis zu 30 Prozent seiner Netzkapazität an einen Wettbewerber ohne eigenes Netz zu verkaufen, nämlich Drillisch. "Dieser kommerziell ausgehandelte Vertrag spricht 1&1 Drillisch das Recht zu, eine Überprüfung der vereinbarten Preise zu verlangen", hieß es in der Mitteilung.

Weitere Verfahren zur Preisüberprüfung liefen noch. Bei diesen erwartet Drillisch Ergebnisse im kommenden Jahr. Weil der Sachverständige diese Ansprüche im ersten der eingeleiteten Preisanpassungsverfahren abgelehnt hat, werden laut Drillisch die Geschäftszahlen 2017 und - zumindest vorerst - die Ergebnisse 2018 und 2019 nicht durch Preissenkungen höher ausfallen. Damit aber hatten das Unternehmen und auch die Anleger wohl gerechnet. Es laufen noch drei weitere Überprüfungen des Preisniveaus.

Als Folge der Niederlage schraubte der Mobilfunkanbieter seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um etwa 85 Millionen auf etwa 690 Millionen Euro zurück. Mit Ergebnissen aus den weiteren Verfahren rechnet Drillisch im kommenden Jahr. Telefonica hatte im Zusammenhang mit dem Kauf von E-Plus 2014 einen Vertrag über den Verkauf von Netzkapazitäten mit Drillisch abgeschlossen.

Günstig, oder immer noch zu teuer?

Ob die heftige Kursreaktion wirklich ausreichend durch die Prognosesenkung begründet ist, darüber darf nun spekuliert werden. Das für Drillisch ungünstige Gutachten sei eine schlechte Nachricht, schrieben die Experten der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Allerdings spreche weiterhin nichts grundsätzlich gegen die Aktien, und ein Kursrückgang könne als Kaufgelegenheit genutzt werden.

Auf Zwölfmonatssicht notiert die Aktie von United Internet noch etwa drei Prozent im Plus, während der TecDax rund zwölf Prozent gewonnen hat. Anders bei der 1&1 Drillisch-Aktie: Die hat binnen zwölf Monate gut 18 Prozent eingebüßt und liegt auch auf Sicht von drei Jahren 25 Prozent in der Minuszone. Ähnlich geht es aber auch der Telefonica-Deutschland-Aktie. Der Preiskampf in der Mobilfunkbranche wie auch die hohen Kosten für die Ersteigerung der 5G-Lizenzen in Deutschland und den Ausbau der Netzinfrastruktur haben ihre Spuren bei allen Branchenvertretern hinterlassen.

AB