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Moneymeets
"Wir wollen Hilfe zur Entscheidung geben"
"Viele Menschen vertrauen dem Bankberater nicht mehr", sagt Johannes Cremer, Gründer von Moneymeets. Auf der neu geschaffenen Plattform sollen Anleger zueinander finden, einander in Finanzthemen beraten – und davon profitieren.
Moneymeets-Gründer Johannes Cremer
boerse.ARD.de: Herr Cremer, Ihre Plattform ist erst seit Ende November online. Wie ist die Resonanz bislang?
Johannes Cremer: Wir sind sehr zufrieden bisher. Unsere eigenen Wachstumsziele sind in den ersten Wochen deutlich überschritten worden. Konkrete Zahlen zu Nutzern und Transaktionen wollen wir aber nach einem halben Jahr erst veröffentlichen.
boerse.ARD.de: Auf Ihrer Plattform sind prinzipiell alle Wertpapiere handelbar. Wie sehen die Depots der angeschlossenen Nutzer denn real derzeit aus?
Cremer: Bislang besteht rund die Hälfte der Depotpositionen aus Aktien und Aktienfonds. Daneben werden aber auch festverzinsliche Wertpapiere, offene Immobilienfonds oder ETF gehandelt. Der Kauf und Verkauf erfolgt übrigens immer über den Broker oder die Bank der Nutzer.
boerse.ARD.de: Auf Moneymeets sollen Anleger sich gegenseitig über Finanzprodukte aller Art informieren. Wie funktioniert das?
Cremer: Wir möchten ein Matching der Interessen eines Mitgliedes mit den sozialen Profilen, der Kommunikation und dem Know-how eines Leaders anbieten. Dazu bietet Moneymeets eine eigene soziale Netzwerkfunktion. Auf dem Marktplatz können sich unsere Nutzer also über Anlagestrategien genauso wie über einzelne Produkte austauschen und so ein besseres Verständnis über den Markt bekommen. Die Bewertungen sollen den Nutzern ähnlich wie etwa auf den Bewertungsregeln von Amazon einen Mehrwert verschaffen. Unsere Mitglieder entwickeln aus dem Input so in Zukunft eigene Ratings und zwar für Produkte gleichermaßen wie für aktive Anleger selbst, die Produkte empfehlen. Dazu zählen sowohl private Leader, die sich ihr Know-how selbst erarbeitet haben, als auch professionelle Anbieter von gemanagten Lösungen.
boerse.ARD.de: Was verbirgt sich genau hinter den Rollen "Leader" und "Follower"?
Cremer: Leader auf Moneymeets machen ihr Depot und ihre Transaktionen öffentlich. Sie kommunizieren darüber hinaus idealerweise aktiv mit Anlegern, die den Anlage-Entscheidungen der Leader folgen können. Dabei steht aber aus unserer Sicht die Information über solche Entscheidungen im Vordergrund, nicht nur das bloße "Anhängen" an Transaktionen. Für Leader und Follower lohnt sich diese Zusammenarbeit aber nicht nur durch die gegenseitige Information, sondern auch ganz konkret finanziell.
boerse.ARD.de: Wie sieht diese "Belohnung" aus?
Cremer: Zunächst können alle Fonds, die bei Moneymeets über eine ganze Reihe von Banken und Brokern gehandelt werden, ohne Ausgabeaufschlag ge- und verkauft werden. Zudem erstatten wir einen Großteil der Innenprovisionen der Fondsgesellschaften an die beiden Partner zurück. Pro Jahr können damit durchschnittlich 0,4 bis 0,5 Prozent zurückgezahlt werden. In Einzelfällen liegt diese Innenprovision aber sogar bei knapp einem Prozent. Auf unserer Seite veröffentlichen wir zudem die Innenprovisionen der Partnerbanken und Fondsgesellschaften. Auch diese zusätzliche Transparenz sehen wir als einen Zusatznutzen für die Anleger an.
boerse.ARD.de: Sind Sie bei der Veröffentlichung dieser Daten nicht auf heftige Widerstände in der Finanzindustrie gestoßen?
Cremer: Erstaunlicherweise waren viele Banken gar nicht so kritisch diesem Vorhaben gegenüber. Ich denke, bei vielen Instituten hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man sich dem Markt stellen und mehr Transparenz bieten muss, auch über die Vergütungsstrukturen im Vertrieb.
boerse.ARD: Gilt die Transparenz auch für Ihre eigene Finanzierung?
Cremer: Durchaus. Moneymeets finanziert sich über einen Anteil an der zurückerstatteten Innenprovision. Dieser Anteil liegt mindestens bei einem Drittel, und zwar, wenn die Leader und Follower sich den Rest der Erstattung teilen. Verzichten sie darauf, kann unser Anteil auch bei bis zu 75 Prozent der Innenprovision liegen.
Das Gespräch führte Andreas Braun.
Stand: 25.01.2013, 16:20 Uhr