Seitenueberschrift

Marc Tüngler, DSW zu Solarworld

"Die finanzielle Situation ist sehr angespannt"

Die Geschäfte laufen schlecht bei Solarworld. Das einstige Vorzeigeunternehmen erwägt deshalb einen Schuldenschnitt. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erklärt, was das im Einzelnen bedeutet.

keine Beschreibung

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

boerse. ARD.de: Solarworld plant, so wörtlich, "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheinen". Was bedeutet das für die finanzielle Situation des Unternehmens?

Marc Tüngler: Die ist sehr angespannt. Im nächsten Quartal stehen wieder hohe Verluste bevor. Das war zu erwarten. Aber dass es um Solarworld so arg steht, dass jetzt die Anleihegläubiger ihren Beitrag leisten müssen, damit es bei dem Unternehmen weitergeht, gibt dem Ganzen eine neue Dimension. Das Erschreckende daran: Solarworld-Chef Frank Asbeck hatte immer auf die subventionierte Industrie in China geschimpft, selbst aber von den Subventionen in Milliardenhöhe auf dem deutschen Markt profitiert. Eigentlich müsste er wissen, wie das Spiel gespielt wird.

boerse.ARD.de: Unternehmenschef Asbeck sieht keine Insolvenzgefahr und spricht von einer positiven Fortführungsprognose. Was bedeutet das genau?

Tüngler: Die gute Nachricht für Investoren ist, dass die Fortführung des Unternehmens aktuell nicht in Frage steht. Dies wird aber eben nur der Fall sein, wenn die Anleihegläubiger und auch die Aktionäre schmerzhafte Einschnitte auf sich nehmen und es Herrn Asbeck zugleich gelingt, ein tragfähiges Zukunftskonzept für Solarworld zu schmieden. Bisher hat er das augenscheinlich nicht geschafft, sonst würde das Unternehmen nicht in diesen argen Problemen stecken.

boerse.ARD.de: Stichwort Schuldenschnitt: Was kommt auf die Anleihegläubiger zu?

Tüngler: Das Unternehmen braucht dafür die Zustimmung der Anleihegläubiger. Es gibt eine Gläubigerversammlung. Da wird dann abgestimmt. Dazu werden die Anleihegläubiger eingeladen und können ihre Stimme an einen Vertreter ihrer Wahl übertragen.

boerse.ARD.de: Und gesetzt den Fall, es gibt einen Schuldenschnitt, wie könnte der aussehen?

Tüngler: Im Moment kann man nicht sagen, auf wie viel die Gläubiger verzichten müssen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie ihr Geld auch erst später wieder sehen werden, da die Laufzeit der Anleihen verlängert werden dürfte. Die Zinsen können nach unten angepasst werden. Konkret würde das so funktionieren, dass die alten Anleihen gegen neue mit anderen Parametern ausgetauscht werden. Die Anleihegläubiger stehen dabei mit dem Rücken zur Wand. Stimmen sie dem Schuldenschnitt nicht zu, könnte das zu noch weitreicherenden Einschnitten führen und damit könnten sie noch mehr Geld verlieren.

boerse.ARD.de: Gibt es noch Alternativen zu diesem Schuldenschnitt?

Tüngler: Möglich wäre auch ein neuer Weg: Die Anleihegläubiger könnten anstelle von Anleihen Aktien bekommen. Die einstigen Gläubiger wechseln auf die Eigentümerseite und übernehmen einen Teil des unternehmerischen Risikos. Läuft es besser, haben sie die Chance auf steigende Aktienkurse, aber zugleich tragen sie dann auch das volle Insolvenzrisiko. Und ist das Unternehmen pleite, gehen sie komplett leer aus.

boerse.ARD.de: Wenn Anleihen gegen Aktien getauscht werden - was heißt das für die Alt-Aktionäre?

Tüngler: Das führt zu einer starken Verwässerung ihrer Rechte. Der Kurs der Aktie wird dadurch belastet. Der Titel ist aber eh schon fast ein Pennystock.

Das Gespräch führte Ursula Mayer.

Stand: 25.01.2013, 16:33 Uhr