Seitenueberschrift
CFD: Wetten auf den Börsenerfolg
Langsam, aber stetig steigen die "Contracts for difference", kurz CFD, in der Gunst der Anleger. Die Produkte ermöglichen gehebelte Wetten auf Aktien, Devisen oder Rohstoffe - und könnten zur ernsthaften Konkurrenz des Zertifikatemarktes werden.
Börse kann so einfach sein, signalisieren die Handelsplattformen der Anbieter von CFDs, wie sie die Marktführer CMC Markets und IG Markets bieten: Ein Mausklick genügt, um einen Aktienindex, einige Barrel Öl oder einen Euro im Verhältnis zum US-Dollar zu "kaufen". Im Sekundentakt rattern die Kursveränderungen der Basiswerte über den Bildschirm, rot oder grün unterlegt, je nach Kursveränderung. Läuft die Position in die Gewinnzone, wird der Kontrakt ebenso schnell wieder verkauft, Wette gewonnen, Gewinn eingeheimst.
CFDs sind ihren Basiswerten, also etwa dem Dax, einer einzelnen Aktie oder dem aktuellen Euro-Dollar-Verhältnis täuschend ähnlich. Notiert der deutsche Aktienindex bei 6.999 Punkten, dann liegt der Verkaufspreis etwa bei 6.998 Zählern, kaufen kann man den Dax-CFD für 7.000. Dazwischen liegt der "Spread", die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, an der die Anbieter verdienen.
Mehr zum Top-Thema
Kleiner Spread, großer Hebel
Nicht nur die einfache Handhabbarkeit der Derivate macht einen Einstieg die Welt der CFDs leicht, auch der geringe Kapitaleinsatz ist verführerisch: Ein CFD auf den Dax mit einem 20fachen Hebel erfordert gerade einmal einen Einsatz von 350 Euro. Steigt der Dax um ein Prozent von 7.000 auf 7.070 Punkte klettert der Wert des CFDs um 20 Prozent auf 420 Euro. Hebelgrößen zwischen zehn und 100 haben die rund ein Dutzend CFD-Anbieter auf dem deutschen Markt im Angebot. Im vorliegenden Beispiel würde ein 100facher Hebel den Kauf von fünf Dax-CFDs ermöglichen. Ein Anstieg des Basiswertes um ein Prozent würde den Einsatz dann von 350 auf 700 Euro verdoppeln.
CFD, die englische Abkürzung für "Differenzkontrakt", steht für eine Gattung von Derivaten, die in der angelsächsischen Welt, vor allem in Großbritannien schon seit Jahrzehnten bekannt ist. In Deutschland ist diese Form der Anlage erst seit 2006 möglich. Inzwischen handeln nach Schätzungen des Marktführers IG Markets hierzulande etwa 70.000 Anleger mit CFDs.
Erst Spezialanbieter, dann die Großbanken
Dass die Verbreitung der Produkte damit noch weit hinter der der Zertifikate liegt, dürfte mit der gewaltigen Konkurrenz des Zertifikatemarktes begründet sein, der in Deutschland durch internationale Großbanken als Emittenten begründet ist. Betreiber von CFD-Plattformen sind in den meisten Fällen Spezialanbieter wie Weltmarktführer IG Markets, der in London beheimatet ist. Einzig die niederländische ABN Amro hatte bereits 2007 mit ihrer "Marketindex"-Plattform ein CFD-Angebot im Köcher, das inzwischen von der RBS betrieben wird, die das Derivate-Geschäft der Niederländer geschluckt hat.
Für ein Massenpublikum werden die CFDs aber wohl bald interessanter werden: So hat der "S-Broker" des Sparkassen-Systems Anfang Februar CFDs seiner Produktpalette beigefügt und heftig beworben. Die Direktbank Comdirect und die Deutsche Bank planen ebenfalls eigene CFD-Angebote.
Alles nur "kreiert"?
CFDs sind und bleiben aber eine Vereinbarung zwischen Broker und Anleger, können damit also nicht einmal als Wertpapier gelten. Die Kurse, so nah sie in fast allen Fällen auch an den echten Notierungen eines Aktienindex oder eines Rohstoff-Wertes liegen, werden vom Anbieter "kreiert". Die Abwicklung des gesamten Geschäfts liegt allein beim CFD-Betreiber (s. dazu auch unseren Hintergrund: Worauf CFD-Anleger achten sollten).
Die schlichte Gestalt der CFDs, ihre schnelle Handelbarkeit und die geringen Kosten bei Transaktionen dürften den weiteren Siegeszug der Produkte aber dennoch garantieren.
Stand: 25.03.2011, 15:36 Uhr