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Derivate

Markt wächst beständig

CFDs: Wetten auf den Börsenerfolg

Langsam, aber stetig steigen die "contracts for difference", kurz CFDs, in der Gunst der Anleger. Die Produkte ermöglichen gehebelte Wetten auf Aktien, Devisen oder Rohstoffe - und werden zur ernsthaften Konkurrenz des Zertifikatemarktes werden.

Computer Trader Händler Zocker Spieler CFD CFT Börse Internethandel 1408 . | Quelle: picture-alliance/dpa

Börse kann so einfach sein, signalisieren die Handelsplattformen der Anbieter von CFDs, wie sie die Marktführer CMC Markets und IG Markets bieten: Ein Mausklick genügt, um einen Aktienindex, einige Barrel Öl oder einen Euro im Verhältnis zum US-Dollar zu "kaufen". Im Sekundentakt rattern die Kursveränderungen der Basiswerte über den Bildschirm, rot oder grün unterlegt, je nach Kursveränderung. Läuft die Position in die Gewinnzone, wird der Kontrakt ebenso schnell wieder verkauft, Wette gewonnen, Gewinn eingeheimst.

CFDs sind ihren Basiswerten, also etwa dem Dax, einer einzelnen Aktie oder dem aktuellen Euro-Dollar-Verhältnis täuschend ähnlich. Notiert der deutsche Aktienindex bei 9.000 Punkten, dann liegt der Verkaufspreis etwa bei 8.999 Zählern, kaufen kann man den Dax-CFD für 9.001. Dazwischen liegt der "Spread", die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, an der die Anbieter verdienen.

Kleiner Spread, großer Hebel

Nicht nur die einfache Handhabbarkeit der Derivate macht einen Einstieg die Welt der CFDs leicht, auch der geringe Kapitaleinsatz ist verführerisch: Ein CFD auf den Dax mit einem 20-fachen Hebel erfordert gerade einmal einen Einsatz von 450 Euro. Steigt der Dax um ein Prozent von 9.000 auf 9.090 Punkte, klettert der Wert des CFDs um 20 Prozent auf 540 Euro (beim entsprechenden Dax-Kontrakt entspricht ein Dax-Punkt einem Euro). Hebelgrößen zwischen zehn und 100 haben die mehrere Dutzend CFD-Anbieter auf dem deutschen Markt im Angebot.

CFD, die englische Abkürzung für "Differenzkontrakt", steht für eine Gattung von Derivaten, die in der angelsächsischen Welt, vor allem in Großbritannien schon seit Jahrzehnten bekannt ist. In Deutschland ist diese Form der Anlage erst seit 2006 möglich. Inzwischen bestehen nach einer Schätzung des neu geschaffenen CFD-Verbands knapp 100.000 Konten.

Erst Spezialanbieter, dann die Großbanken

Dass die Verbreitung der Produkte damit noch weit hinter der der Zertifikate liegt, dürfte mit der gewaltigen Konkurrenz des Zertifikatemarktes begründet sein, der in Deutschland durch internationale Großbanken als Emittenten begründet ist. Betreiber von CFD-Plattformen sind in den meisten Fällen Spezialanbieter wie Weltmarktführer IG Markets, der in London beheimatet ist.
Für ein Massenpublikum sind die CFDs durch den Einstieg der Commerzbank-Tochter comdirect und des "S-Broker" des Sparkassen-Systems bekannter geworden.

Alles nur "kreiert"?

CFDs sind und bleiben aber eine Vereinbarung zwischen Broker und Anleger, können damit also nicht einmal als Wertpapier gelten. Die Kurse, so nah sie in fast allen Fällen auch an den echten Notierungen eines Aktienindex oder eines Rohstoff-Wertes liegen, werden vom Anbieter "kreiert". Die Abwicklung des gesamten Geschäfts liegt allein beim CFD-Betreiber. Die schlichte Gestalt der CFDs, ihre schnelle Handelbarkeit und die geringen Kosten bei Transaktionen dürften den weiteren Siegeszug der Produkte aber dennoch garantieren.

Aufsicht und Steuerfragen

Alle in Deutschland tätigen CFD-Anbieter sind durch eine Wertpapier-Aufsicht reguliert. In vielen Fällen ist dies die britische FCA. Von der deutschen Börsenaufsicht BaFin werden alle Unternehmen mit Sitz in Deutschland direkt überwacht. Anbieter aus dem EU-Raum müssen ein formales "Notifizierungsverfahren" hinter sich bringen und sind der BaFin bekannt. Allerdings wird die Aufsicht dann im Heimatland wahrgenommen. Das ist bei einigen der in Deutschland tätigen Anbieter auch die griechische oder zypriotische Aufsicht. Darüber sollten sich Kunden im Vorfeld bereits informieren.

Gleiches gilt für die Versteuerung der Gewinne, die mit CFD-Geschäften anfallen. Grundsätzlich fällt auf sie die übliche Abgeltungssteuer von 25 Prozent der Erträge (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) an. Bei deutschen Anbietern erfolgt der Steuerabzug automatisch von CFD-Handelskonto. Nutzt der Anleger einen Anbieter mit Sitz im Ausland, muss er die Erträge selbst am Jahresende versteuern.

Stand: 11.04.2014, 15:36 Uhr

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