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Börsentrend 20:01 Uhr
Was wird aus dem Rettungspaket?
Zypern protestiert, Dax fällt
Die Sorge vor der weiteren Entwicklung in Zypern hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag weiter belastet. Dass das zyprische Parlament das umstrittene Euro-Rettungspaket am Abend abgelehnt hat, sorgt ebenfalls für Verunsicherung.
Der Dax schließt 0,8 Prozent oder 63 Punkte tiefer als gestern bei 7.947 Punkten. Am Nachmittag war das Börsenbarometer bis auf 7.919 Zähler abgesackt, nachdem Gerüchte über ein mögliches Ausscheiden Zyperns aus der Eurozone aufgekommen waren.
Als dann aber bekannt wurde, dass das Parlament doch an diesem Dienstag über das Rettungspaket abstimmen wird, beruhigten sich die Anleger wieder etwas. Am Abend hat das Parlament das Rettungspaket abgelehnt. Zahlungsunfähig wird Zypern damit aber nicht. Das Land hat bis Juni Geld. Erst dann - mit der Fälligkeit einer großen Anleihe - droht die Zahlungsunfähigkeit.
Euro rutscht ab
Solche Unsicherheiten mögen die Anleger erfahrungsgemäß gar nicht. neben den Aktienmärkten leidet auch der Euro unter dem Streit um das Rettungspaket. Die Gemeinschaftswährung verliert im Tagesverlauf immer weiter an Wert und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt nur noch bei 1,2874 Dollar, knapp ein US-Cent niedriger als am Morgen.
Auch an der Wall Street dreht der Dow Jones-Index ins MInus, nachdem er in den ersten Handelsminuten noch 0,3 Prozent zugenommen hatte auf 14.491 Zähler. Bei Börsenschluss in Frankfurt steht der Dow 0,2 Prozent im Minus bei 14.422 Zählern. Der Grund sind auch die widersprüchlichen und beunruhigenden Nachrichten aus Zypern.
Angesichts der sich wieder zuspitzenden Schuldenkrise in Europa spielen die besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten keine Rolle mehr. Dabei sind in den USA die Baubeginne und Baugenehmigungen im Februar höher als erwartet ausgefallen. Gegenüber dem Vormonat legten die Baubeginne um 0,8 Prozent auf 917.000 zu. Volkswirte hatten mit 915.000 Beginnen gerechnet.
In Deutschland ist die Stimmung der Finanzmarktprofis laut dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im März leicht von 48,2 auf 48,5 Punkte gestiegen. Dies ist mehr als Volkswirte prognostiziert hatten. Die Beurteilung der aktuellen Lage fiel sogar deutlich besser aus als erwartet. Die deutsche Wirtschaft hat damit begonnen die Talsohle zu verlassen und dürfte im weiteren Jahresverlauf an Schwung gewinnen.
Deutsche Bank leidet unter Zypern
Im Dax gehört erneut die Deutsche Bank zu den schwächsten Werten. Auch andere Finanzwerte wie Allianz und Münchener Rück verlieren überdurchschnittlich, aber doch deutlich weniger als gestern.
ThyssenKrupp: Lehner macht's
Der mit Abstand größte Verlierer im Dax ist allerdings die Aktie von ThyssenKrupp. Grund sind Meldungen über eine Kapitalerhöhung im Volumen von einer Milliarde Euro. Gleichzeitig wählte der Aufsichtsrat den früheren Henkel-Chef Ulrich Lehner zum Nachfolger für den zurückgetretenen Gerhard Cromme.
Commerzbank mit düsteren Aussichten
Ins Minus gedreht ist auch die Commerzbank-Aktie. nachdem sie lange Zeit zu den stärksten Werten im Dax gehörte. Tatsächlich zeichnet die Bank in ihrem heute veröffentlichten Geschäftsbericht ein düsteres Bild von ihren Aussichten für 2013. In allen Sparten rechnet die zweitgrößte deutsche Bank mit einem Gewinnrückgang. Eine weitere Kapitalerhöhung über die für Juni geplante Transaktion soll es aber nicht geben.
BMW dreht ins Minus
Ebenfalls ins Minus gedreht sind die Papiere von BMW. Der Münchener Autobauer will nach dem Rekordjahr 2012 auch im laufenden Jahr wieder Bestwerte beim Verkauf erzielen, auch wenn sie damit möglicherweise keinen höheren Gewinn einfahren werden. Anleger hatten noch vorsichtigere Erwartungen an den Ausblick gehabt. Im Schlepptau von BMW finden sich auch die VW-Papiere auf der Verliererseite wieder.
Merck: Kooperation in China
Zusammen mit anderen defensiven Werten wie Beiersdorf oder Henkel hält sich auch die Aktie des Darmstädter Pharmakonzern Merck im Plus. Der Konzern arbeitet mit der britischen Bristol-Myers arbeiten beim Vertrieb für Diabetes-Produkte in China zusammen. Das Mittel Glucophage soll zusammen vermarktet werden, so Merck am Dienstag.
Metro-Aktie befeuert
Im MDax hält die Aktie von Dax-Absteiger Metro die Spitzenposition. Die Titel reagieren einerseits auf eine Kaufempfehlung durch die Schweizer UBS. Zum anderen wirken Äußerungen des Großaktionärs Haniel beruhigend. Dessen Chef, Stephan Gemkow, hatte erklärt, man wolle bei Metro Ankeraktionär bleiben.
GSW auf der Verliererseite
Abgaben muss dagegen die im ebenfalls MDax notierte Aktie des Immobilienkonzerns GSW. Dort sorgt ein Führungswechsel für Aufsehen. Der ehemalige Chef des Konkurrenten IVG, Bernd Kottmann, wird am 16. April den Chefposten bei GSW übernehmen. Kottmann wird Nachfolger von Thomas Zinnöcker, der wiederum zum Rivalen Gagfah wechselt.
Freenet nach Verkaufsaktion unter Druck
Im TecDax gehört die Aktie von Freenet zu den schwächsten Werten. Großaktionär Drillisch hat die Hälfte seiner Beteiligung an Freenet an die Bank of America verkauft. Der Buchgewinn für Drillisch liegt bei 151 Millionen Euro. Drillisch, ebenfalls im TecDax notiert, will den Erlös vor allem zur Schuldentilgung nutzen.
Tom Tailor kommt gut an
Papiere des Modekonzerns Tom Tailor gewinnen im SDax nach einer guten Jahresbilanz fast neun Prozent. Der Konzern hat seinen Umsatz um 53 Prozent auf 629,7 Millionen Euro erhöht. Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis blieben 18,9 Millionen Euro in der Kasse, nach 15,0 Millionen Euro 2011.
Deutz läuft nicht rund
Am anderen Ende der SDax-Skala rutscht die Deutz-Aktie um fast sieben Prozent ab. Der Motorenbauer hat im abgelaufenen Geschäftsjahr vor Zinsen und Steuern (Ebit) nur 38,5 Millionen Euro verdient, ein Minus von 60 Prozent. Die schwache Nachfrage aus Europa, aber auch China führt das Unternehmen als Begründung an. Für 2013 rechnet Deutz mit einer "zunehmenden Aufhellung" der Geschäftslage.
CA Immo will Büroturm verkaufen
Die Wiener Büroimmobiliengesellschaft CA Immo will mit dem Verkauf ihrer Beteiligung am Frankfurter Büroturm "Tower 185" ihre Schuldenlast drücken. Es lägen bereits erste Angebote vor, teilte das österreichische Unternehmen mit. Der Verkauf des Tower 185 wäre einer der größten Immobiliendeals in Frankfurt in diesem Jahr. Aus weiteren Immobilienverkäufen rechnet die Gesellschaft im laufenden Jahr mit Einnahmen von 250 Millionen Euro.
Stand: 19.03.2013, 20:01 Uhr