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Marktbericht 20:06 Uhr

Marktbericht negativ Janet Yellen

Dax im Rückwärtsgang

Yellen vergrault Anleger

von Notker Blechner

Nach der guten Laune zum Wochenauftakt herrschte am Dienstag wieder Katerstimmung auf dem Parkett. Fed-Chefin Janet Yellen und erneut die portugiesische Finanzgruppe Espirito Santo verunsicherten die Anleger. In der zweiten Reihe sorgten zwei Gewinnwarnungen für Aufregung.

Was ist bloß in die US-Notenbankchefin Yellen gefahren? Statt sich klarer zur möglichen Zinswende zu äußern, ließ sie sich bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats über Facebook & Co aus. Die Bewertung einiger Social-Media- und Biotech-Firmen erscheine im historischen Vergleich zu hoch, warnte sie. Es war das erste Mal seit 14 Jahren, dass ein US-Notenbankgouverneur bestimmte Branchen kommentierte.

Yellen: Facebook & Co zu heiß gelaufen

So geriet Yellen plötzlich zum "Börsen-Schreck". Nach ihren Aussagen drehte die technologielastige Nasdaq klar ins Minus. Die Aktien von Facebook gaben zwei Prozent nach, die Titel des Bewertungsportals Yelp büßten knapp vier Prozent ein. Der Nasdaq Biotech Index sackte um knapp zwei Prozent ab. Yellens "Bedenken mit Blick auf die Bewertung einiger Branchen stoßen vielen Investoren auf", sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel.    

Dow kann neuen Rekord nicht halten

Der Dow, der anfangs ein neuerliches Rekordhoch von 17.120 Punkten erreicht hatte, büßte seine Kursgewinne ein. Im Sog der Wall Street rutschte der Dax zum Ende des Xetra-Handels um 0,7 Prozent auf rund 9.719 Punkten ab. Der L-Dax schloss bei fast 9.731 Zähler. Die überraschend guten Quartalszahlen der US-Großbanken Goldman Sachs und JP Morgan verhinderten größere Kursverluste.

Sorgen um den portugiesischen Banbkensektor

Für zusätzliche Verstimmung sorgte die portugiesische Espirito Santo. Meldungen über den beantragten Gläubigerschutz der Tochter Rio Forte in Luxemburg machten am Nachmittag die Runde.

Stimmung in Deutschland trübt sich ein

Als weiterer Belastungsfaktor musste der ZEW-Index herhalten. Das Konjunkturbarometer fiel den siebten Monat in Folge auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2012. ZEW-Finanzmarktexperte Michael Schröder führte dies vor allem auf die unsichere geopolitische Lage zurück. Viele Investoren seien vorsichtig, weil niemand beurteilen könne, wohin sich die Konflikte im Nahen Osten, im Irak und in der Ukraine entwickeln.

Prima Klima in New York

Die neuesten Konjunkturdaten aus den USA fielen gemischt aus. Der Empire-State-Index, der die Stimmung der Industrie in New York misst, stieg auf 25,60 Zähler. Ökonomen hatten hingegen mit einem Rückgang auf 17,00 Zähler gerechnet. Allerdings stiegen die US-Einzelhandelsumsätze weniger stark als erhofft - um nur 0,2 Prozent. Dies ist der schwächste Zuwachs sei Januar. Volkswirte hatten einen dreimal so starken Anstieg von 0,6 Prozent erwartet.

Gold unter 1.300 Dollar

Am Devisenmarkt setzten die Anleger auf ein baldigesEnde der ultralocvkeren Geldpolitik der Fed. Nach den Äußerungen Yellens, die die Prognose bekräftigte, sackte der Euro auf deutlich unter 1,36 Dollar ab. Am Abend notierte er bei 1,3566 Dollar. Unter Druck stand auch der Goldpreis. Er fiel unter 1.300 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Banken beflügeln Deutsche Bank

Gewinner des Tages war die Deutsche Bank mit einem Plus von knapp zwei Prozent. Gute Zahlen der US-Konkurrenten Goldman Sachs und JP Morgan schürten die Hoffnung auf eine positive Überraschung bei der Bilanz des deutschen Branchenprimus. Goldman Sachs machte seinem Ruf als Geldmaschine alle Ehre und verdiente im abgelaufenen Quartal zwei Milliarden Dollar. Auch JPMorgan schlug sich besser als erwartet. Zwar sank der Gewinn wegen höherer Rückstellungen und eines schwachen Wertpapier-Handels um acht Prozent auf sechs Milliarden Dollar. Analysten hatten freilich einen größeren Gewinnschwund befürchtet. Die Aktien von JP Morgan und Goldman Sachs legen zu.

Versorger unter Strom

Neben der Deutschen Bank waren im Dax vor allem Versorger und defensive Titel wie Fresenius Medical Care gefragt. RWE und Eon stiegen um rund 0,7 Prozent. Die Papiere der Lufthansa verteuerten sich um 0,5 Prozent.  

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW will Milliarden sparen

Fast unverändert schlossen die Aktien von VW. Der Wolfsburger Autobauer will die Kosten der Hauptmarke VW in den nächsten Jahren um fünf Milliarden Euro senken. Diese sollten unter anderem durch eine größere Effektivität, einen günstigeren Einkauf und eine geringere Komplexität schrumpfen, schrieb Konzernchef Martin Winterkorn in einem Brief an das Management.

Bei Adidas ist die Luft raus

Bei Adidas ist der WM-Effekt verpufft. Die Aktie zählte mit einem Minus von 1,5 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Marktbeobachter sprechen von einer technischen Gegenreaktion auf den rasanten Anstieg am Vortag. Zudem hat die UBS das Kursziel von 91 auf 88 Euro gesenkt.

Zuckerle für Südzucker

Im MDax war die Südzucker-Aktie der mit Abstand größte Kursgewinner. Das Bankhaus Lampe hat den Titel von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft und das Kursziel von 17 auf 19 Euro hochgestuft. Die Aktie befände sich auf einem "attraktiven Niveau" für langfristige Käufe. Goldman Sachs sieht das etwas anders und hat den Titel auf seiner "Conviction Sell List" belassen - Kursziel 8,20 Euro. Im zweiten Halbjahr sei wegen der sinkenden Zuckerpreise in Europa mit Gegenwind zu rechnen.

Gut Holz, Dürr!

Schlusslicht im MDax war Dürr. Der Autozulieferer verbreitert sein Geschäft und übernimmt den Holzverarbeiter Homag. Die Schwaben erwerben 54 Prozent der Homag-Aktien, darunter den 39,5-Prozent-Anteil der Deutschen BeteiligungsAG. Den übrigen Anteilseignern bietet Dürr 26,35 Euro je Anteilsschein. Die Homag-Aktien legten rund siebten Prozent zu, die Titel der DBAG stiegen um fast vier Prozent und waren größter SDax-Gewinner.

Jusristisches Nachspiel für Rhön-Klinikum

Der Krankenhaus-Konzern Rhön-Klinikum kann derweil den geplanten Aktienrückkauf nicht in die Wege leiten. Gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung vom 12. Juni wurde eine Anfechtungsklage eingereicht. Der Klinik-Konzern kündigte an, sich zu verteidigen. Auf der HV im Juni hatten die Rhön-Aktionäre beschlossen, dass Aktien im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro zurückgekauft werden sollen. Kritik gab's auch an der Nominierung von Ludwig Georg braun von B.Braun in den Rhön-Aufsictsrat.

Schwarzer Tag für die Software AG

Der TecDax brach um 1,7 Prozent ein. Schuld daran waren gleich zwei Gewinnwarnung von TecDax-Schwergewichten. So löste eine Korrektur der Jahresprognose bei der Software AG einen der größten Kursstürze der Unternehmensgeschichte aus. Unter extrem hohen Umsätzen fiel die Aktie um knapp 19 Prozent auf 20 Euro, den niedrigsten Stand seit vier Jahren.

»Software AG hatte erst vor zwei Wochen erklärt, dass alles gut ist. Da ist die Gewinnwarnung heute ein Paukenschlag. Die haben richtig Vertrauen verspielt.«

Ein Aktienhändler

In der Tat kann die Software AG auf eine unrühmliche Geschichte ähnlicher Kursstürze nach Gewinnwarnungen zurückblicken. Der mehr als 20-prozentige Absturz am 10. Januar 2012 dürfte noch vielen Aktionären in Erinnerung sein.

Drägerwerk schockt die Anleger

Auch bei Drägerwerk steht es mit der Kapitalmarktkommunikation nicht zum Besten. Der TecDax-Konzern hat mit seiner Gewinnwarnung die Anleger ebenfalls völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Die Aktie brach um 16 Prozent ein. "Keine Besserung in Sicht - verkaufe die Aktien, wer kann", meinte ein Händler.

Deutsche Bank drückt Wacker Neuson

Im SDax büßte die Aktie von Wacker Neuson rund 2,5 Prozent ein. Die Deutsche Bank hat Wacker Neuson von "Buy" auf "Hold" abgestuft, das Kursziel aber von 15 auf 17 Euro angehoben. Die Papiere des Baumaschinenherstellers hätten sich zuletzt deutlich überdurchschnittlich entwickelt, kurzfristig gebe es nun kaum weitere Impulse.

Ahlers wächst kräftig

Halbjahreszahlen meldete der Männermode-Konzern Ahlers, der Markjen wie Baldessarini, Pierre Cardin und Otto Kern vertreibt. Das Herforder Unternehmen wuchs in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14 um fas acht Prozent. Das Konzernergebnis zog gar um 70 Prozent auf 1,7 Millionen Euro an. Wegen der Verlagerung der Marke Gin Tonic von Sindelfingen nach Herford drohen Sonderaufwendungen. Deshalb rechnet der Modekonzern für das Gesamtjahr 2013/14 lediglich mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Aktie verliert leicht.

Johnson & Johnson nicht gut genug

An der Wall Street ging die Berichtssaison weiter. Neben den beiden US-Großbanken legte auch der Konsumgüter- und Pharmakonzern Johnson & Johnson Quartalszahlen vor. Der Gewinn kletterte um 13 Prozent auf 4,33 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 19,1 Milliarden Dollar. Besonders stark war der Zuwachs beim Schlaganfall-Mittel Xarelto , bei dem J & J mit Bayer zusammenarbeitet. Selbst die erneute Anhebung der Jahresziele reichte nicht aus, um die Anleger zu überzeugen. Die Papiere fielen um knapp zwei Prozent. Allerdings waren sie in den vergangenen Monaten gut gelaufen.

Camel-Hersteller will Lorillard schlucken

Für Gesprächsstoff sorgte eine Großfusion in der US-Tabakbranche, über die seit Februar spekuliert wurde. Der zweitgrößte Camel-Hersteller Reynolds, Nummer zwei der Branche, kauft für 27,4 Milliarden Dollar die Nummer drei, Lorillard. Die Papiere von Reynolds knickten um knapp fünf Prozent ein. Für die Lorillard-Titel ging es um mehr als neun Prozent bergab.

Microsoft plant riesigen Stellenabbau

Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Leicht zulegen konnte die Aktie von Microsoft. Der IT-Konzern plant laut der Nachrichtenagentur Bloomberg den womöglich größten Stellenabbau der Geschichte. Die Kürzungen könnten noch höher ausfallen als 2009, als 5.800 Jobs gestrichen wurden. Anlass sei die Integration des übernommenen Handygeschäfts von Nokia.

Grünes Licht für Roche-Mittel

Gute Neuigkeiten gab es vom Schweizer Pharmakonzern Roche. Die FDA hat den Zulassungsantrag für das Roche-Mittel Avastin zur Behandlung von Gebärmutterhalskrebs angenommen und dem Antrag den Status einer "Priority Review" gewährt. Das gewährleistet eine rasche Entscheidung bis zum 24. Oktober 2014. Die Roche-Aktie gewann 0,7 Prozent.

Slim bei Telekom Austria am Ziel

Der mexikanische Milliardär Carlos Slim hat die Mehrheit beim österreichischen Telekommunikationsunternehmen Telekom Austria übernommen. Sein Mobilfunkkonzern América Móvil hat über ein öffentliches Angebot weitere 23,5 Prozent der Telekom-Anteilsscheine eingesammelt und kontrolliert nun 50,8 Prozent. Über die Beteiligung an den Österreichern will Slim nun in Europa Fuß fassen.

Alibaba bringt Hollywood-Filme nach China

Kurz vor dem geplanten Börsengang hat der chinesische Internet-Konzern Alibaba einen Deal mit dem US-Produktionsstudio Lionsgate vereinbart. Die Chinesen haben sich das Recht gesichert, die Hollywood-Filme von Lionsgate, darunter "Mad Men" und "Hunger Games" zu streamen.

Ebay kooperiert mit Sotheby's

Über eine spannende Partnerschaft wusste Ebay zu berichten: Der Online-Handelskonzern hat sich mit dem traditionsreichen Auktionshaus Sotheby's verbündet. Gemeinsam wollen sie nun eine Plattform entwickeln, durch die Ebay-Nutzer bei live stattfindenden Auktionen von Sotheby's in New York mitbieten können. Dies sei eine "großartige Möglichkeit, Kunst für deutlich mehr Sammler zugänglich zu machen", so Sotheby's-Manager Bruno Vinciguerra.

Stand: 15.07.2014, 20:06 Uhr

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Tagestermine am Mittwoch, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Stratec Biomedical: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 06:00 Uhr
Syngenta: Halbjahres-Zahlen 07:00 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
STMicroelectronics: Q2-Zahlen
Iberdrola: Q2-Zahlen
OMV: Q2-Zahlen
Mifa: Versammlung der Anleihengläubiger, ab 11:00 Uhr
GlaxoSmithKline: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Dow Chemical: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Boeing: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
PepsiCo: Q2-Zahlen
Delta Airlines: Q2-Zahlen
Biogen: Q2-Zahlen
Facebook: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
AT&T: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr

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