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Marktbericht 20:02 Uhr

Marktbericht negativ

Dax auf Talfahrt

Wo sind nur all die Bullen geblieben?

Stand: 12.05.2015, 20:02 Uhr

Verunsichert von fallenden Anleihekursen und einer immer akuter werden Pleite Griechenlands haben die Anleger am Dienstag in die Flucht getrieben. Zu allem Unglück hat auch der Euro wieder aufgewertet.

Angesichts einer derart ungemütlichen Gemengelage kann es also nicht verwundern, dass der Dax kräftig unter die Räder kam. Auf dem Höepunkt der Ausverkaufswelle sank der Dax am späten Vormittag bis auf 11.377 Punkte ab. Danach beruhigt sich die Lage etwas, doch die Anleger bleiben nervös und zögern, die rückläufigen Kurse zum Einstieg zu nutzen. Am Ende geht der deutsche Leitindex bei 11.472 Zählern aus dem Handel, ein Minus von 1,7 Prozent oder 201 Punkten.

Damit hat sich die Aufregung an den Anleihemärkte über drastisch fallende Kurse auch auf die Aktienmärkte übertragen. Tatsächlich ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Morgen auf 0,69 Prozent gestiegen, nachdem sie noch im April bei 0,05 Prozent gelegen hatte. Auch in den USA ist die Rendite für zehnjährigen Staatsanleihen im morgendlichen Handel auf gut 2,3 Prozent geklettert, den höchsten Stand seit fünf Monaten.

Für viele Experten kommt diese plötzliche Gegenbewegung überraschend, hatten sie doch angesichts der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank auf weiter steigende Kurse gesetzt. Für die Aktienbörsen sind die steigenden Renditen der Anleihen natürlich eine Belastung, denn sie schmälern die Attraktivität von Aktien.

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Börse 20.15 Uhr

Als Belastung für die Aktienmärkte erweist sich natürlich auch die nach wie vor ungelöste Frage der Finanzierung Griechenlands. Das Land steht kurz vor der Pleite, doch die Regierung hat immer noch keine belastbaren Reformen vorgelegt. Und ein Kredit vom IWF wurde mit Geld aus einem Notfallkonto bezahlt.

Auch aus charttechnischer Sicht sieht es nicht gut aus. "Der Rückfall des Dax unter die 11.500-Punkte-Marke nicht allzu schön", schreibt Marktanalyst Andreas Paciorek. Die Chance eines direkten Angriffs auf die Abwärtstrendlinie vom Allzeithoch, habe er zunächst vertan. Nun müsse der Index eher um seinen Erhalt über 11.380 Zählern bangen.

Und was macht der Euro?

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Zu allem Unglück ist auch der Euro wieder auf Klettertour gegangen und hat sich zeitweise der Marke von 1,13 Dollar angenähert. Bei Börsenschluss notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,1241 Dollar, knapp einen Cent mehr als gestern.

Auch aus den USA kommt am Dienstag kein Rückenwind. Der Leitindex Dow Jones Industrial rutschte im frühen Handel um bis zu ein Prozent auf 17.924 Punkte ab, kann sich im weiteren Verlauf aber erholen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow nur noch 0,17 Prozent tiefer bei 18.074 Zählern.

Verizon schluckt AOL

Unterdessen geht an der Wall Street ein Kapitel Internet-Geschichte zu Ende. Der US-Mobilfunkriese Verizon hat am Dienstag den Kauf von AOL vekannt gegeben - für rund 4,4 Milliarden Dollar. Mit 50 Dollar pro Aktie in bar zahlt Verizon einen Aufschlag von 23 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen drei Monate. Zu AOL gehören auch die Online-Zeitung "Huffington Post" sowie bekannte Blogs wie "TechCrunch".

ThyssenKrupp einsam an Dax-Spitze

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Dax notieren bis zum Handelsende alle Werte im Minus. Einzige Ausmahme ist die ThyssenKrupp-Aktie. Wie erwartet arbeitet sich der Stahlkonzern zunehmend aus einer der tiefsten Krisen der Unternehmensgeschichte heraus. Im vergangenen Quartal legte der Gewinn im laufenden Geschäft um fast ein Drittel auf 405 Millionen Euro zu. Jetzt hat ThyssenKrupp seine Prognose angehoben und stellt ein bereinigtes Ebit von 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro in Aussicht.

Deutsche Post: Das war wohl nichts

Dagegen gehört die Deutsche Post zu den größten Dax-Verlierern, sie hat mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen des Marktes verfehlt. Dank seines boomenden Express-Geschäfts steigerte der Konzern zwar seinen Umsatz um 8,8 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro. Doch das Ebit ging um ein Prozent auf 720 Millionen Euro zurück, in der Frachtsparte brach es um 65 Prozent ein auf 17 Millionen Euro.

K+S: Aktie trotz Prognoseanhebung im Minus

Noch größere Verluste verzeichnet die K+S-Aktie. Sie ist der größte Verlierer im Dax. Nach der Hausse der vergangenen Monate machen Anleger offenbar Kasse. Höhere Preise und der schwache Euro haben den Düngemittel- und Salzproduzenten im ersten Quartal mächtig angetrieben. Beim Umsatz rechnet der Konzern im laufenden Jahr nun mit einem "deutlichen" Zuwachs, nachdem bisher nur ein "moderates" Plus in Aussicht gestellt wurde.

Pimco macht Allianz Sorgen

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den überdurchschnittlichen Verlierern gehört auch die Allianz-Aktie. Grund ist offenbar der hohe Mittelabfluss bei der US-Fondstochter Pimco. Dadurch schrumpfte das Ergebnis der Vermögensverwaltungssparte der Allianz um 14 Prozent auf 555 Millionen Euro. Der skandalträchtige Abgang des Pimco-Gründers Bill Gross im vergangenen September hat viele Anleger verschreckt. Die Allianz hofft nun auf eine Trendwende.

Adidas: Keine feindlichen Investoren in Sicht

Bei Adidas ist bisher von Großinvestoren weiterhin nichts zu sehen. "An uns ist keiner herangetreten", sagte Vorstandschef Herbert Hainer. Unerwartet schwache Geschäfte hatten im vergangenen Jahr den Aktienkurs auf Talfahrt geschickt und Spekulationen genährt, renditehungrige Hedgefonds könnten bei dem Sportausrüster einsteigen und einen radikalen Kurswechsel erzwingen, beispielsweise eine Abspaltung der lange kriselnden US-Tochter Reebok.

Deutsche Euroshop gut im Geschäft

Der auf Einkaufszentren spezialisierte Immobilieninvestor Deutsche Euroshop ist mit Zuwächsen in das neue Jahr gestartet. Das Konzernergebnis legte im ersten Quartal um 12 Prozent auf 25,3 Millionen Euro zu. Die Umsätze zogen in den ersten drei Monaten um ein Prozent auf 50,6 Millionen Euro an. Das im MDax notierte Unternehmen sprach von einem "planmäßigen" Jahresstart und bestätigten ihre Prognose für 2015.

Aurubis überrascht

Für eine Überraschung sorgte am Morgen Aurubis. Trotz rückläufiger Kupferpreise sank der Umsatz der Hamburger Kupferhütte im ersten Quartal nur um drei Prozent auf 5,52 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 131 Millionen Euro nach einem Verlust von 86 Millionen Euro vor Jahresfrist.

Homag belastet Dürr

Dürr hat im ersten Quartal die Übernahme des Holzmaschinenbauers Homag verkraften müssen. Bei einem Umsatzanstieg um 58 Prozent auf 849 Millionen Euro kletterte das operative Ergebnis nur um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 47 Millionen Euro. Das liegt an den bei Akquisitionen üblichen Sondereffekten, die Dürr auf 11,5 Millionen Euro bezifferte.

Evotec hofft auf Sanofi

Im TecDax gehört die Evotec-Aktie zu den wenigen Tagesgewinnern. Die Biotechfirma rechnet dank der Zusammenarbeit mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi mit sprudelnden Umsätzen im laufenden Jahr. Die Erlöse würden um mehr als 35 Prozent zulegen, kündigte das Hamburger Unternehmen am Dienstag an. Bisher hatte Evotec ein Plus von mehr als einem Fünftel in Aussicht gestellt.

Manz: Ist die Luft raus?

Bei Manz sichern sich die Anleger nach einem mauen Jahresauftakt einen Teil der zuletzt üppigen Kursgewinne. Bis zum Vortag waren Manz mit plus 71 Prozent zweitbester TecDax-Wert hinter Xing. In den ersten drei Monaten stagnierte der Umsatz bei knapp 54 Millionen Euro und konnte die Erwartungen des Vorstands damit "nicht vollständig" erfüllen. Unterm Strich rutschte das Unternehmen mit minus 10,2 Millionen Euro noch tiefer in die roten Zahlen (Vorjahr: minus 6,6 Millionen Euro).

Jenoptik enttäuscht auch

Auch der Technologiekonzern Jenoptik hat zum Jahresauftakt bei Umsatz und Ergebnis die Erwartungen von Analysten verfehlt. Das Ebit betrug im ersten Quartal 8,7 Millionen Euro. Es lag damit sowohl unter dem Vorjahreswert von 10,5 Millionen Euro als auch unter den Analystenschätzungen von gut 10 Millionen Euro. Dennoch sprach Jenoptik von einem "planmäßigen" Start ins Jahr.

Zalando macht Hoffnung

Zalando: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im SDax haben Zalando-Anleger Grund für einen kleinen Glücksschrei. Nachdem der Mode-Versandhändler erstmals zum Jahresauftakt einen Gewinn verbucht hatte, hebt er nun die Prognose für das laufende Geschäftsjahr an. Zudem rückt ein Aufstieg von Zalando in den MDax in greifbare Nähe.

Air Berlin: Krise und kein Ende in Sicht

Air Berlin ist nach dem Rekordverlust von 2014 erneut mit tiefroten Zahlen ins neue Jahr gestartet. Im meist schwachen ersten Quartal flog Deutschlands zweitgrößte Fluglinie unter dem Strich einen Verlust von 210 Millionen Euro ein.

Cewe macht weniger Verlust

Der Fotokonzern Cewe hat im ersten Quartal seinen operativen Verlust um knapp 17 Prozent auf minus 3,5 Millionen Euro verringern können. Beim Verkauf von Fotoabzügen, -büchern und -kalendern habe sich ausgezahlt, dass die Kunden immer öfter zu höherwertigen Produkten griffen.

Bonita bringt Tom Tailor voran

Der Bekleidungskonzern Tom Tailor hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 3,4 Prozent auf rund 216 Millionen Euro erhöht. Dazu hat die Marke Bonita erstmals einen deutlich spürbaren Anteil beigetragen. Unterm Strich weitete der Konzern jedoch seinen Verlust von 6,7 auf 6,9 Millionen Euro aus.

DIC Asset bekräftigt Jahresziele

Das Immobilienunternehmen DIC Asset ist planmäßig ins neue Jahr gestartet und hält unverändert an den Jahreszielen fest. So plant DIC für 2015 ein FFO-Wachstum auf 48 bis 50 Millionen Euro. Der FFO der ersten drei Monate konnte mit 12,1 Millionen Euro das Vorjahresergebnis geringfügig übersteigen (Q1/2014: 12,0 Mio.)

Easyjet mit Mini-Gewinn

Easyjet hat dank geringerer Spritkosten, positiver Währungseffekte und guter Buchungen zur Skisaison im gewöhnlich schwächeren ersten Halbjahr schwarze Zahlen geschrieben. In den sechs Monaten bis Ende März summierte sich das Vorsteuerergebnis der Fluggesellschaft auf sieben Millionen Pfund (rund 9,8 Millionen Euro).

Vivendi überraschend stark

Der französische Musik- und Medienriese Vivendi ist überraschend gut in das Jahr gestartet. Der Umsatz sei um 7,5 Prozent auf 2,49 Milliarden Euro geklettert, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Der Gewinn legte unter dem Strich um 24 Prozent auf 136 Millionen Euro zu. Analysten hatten lediglich mit 2,41 Milliarden Euro beziehungsweise 124 Millionen Euro gerechnet.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 26. Mai

Unternehmen:
Ryanair: Jahreszahlen, 07:00 Uhr
Alcatel Lucent: Hauptversammlung

Konjunktur:
USA: Auftragseingang Langlebige Güter im April, 14:30 Uhr
USA: Eigenheimabsatz im April, 16:00 Uhr
USA: Case-Shiller-Index, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen im Mai, 16:00 Uhr

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