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Marktbericht 20:15 Uhr

Marktbericht negativ

Dax dreht ins Minus

Wie gewonnen, so zerronnen

In einer volatilen Sitzung konnte der Dax seine Anfangsgewinne nicht halten. Nach einem schwachen Ifo-Geschäftsklimindex kehrten Konjunkturängste mit Macht zurück und drückten den Leitindex ins Minus.

Das war kein Tag für schwache Nerven. Bei einer Schwankungsbreite von knapp 250 Punkten stand für den Dax am Ende ein Abschlag von 0,95 Prozent auf 8.902 Punkte an der Anzeigetafel. Das Tagestief lag bei 8.837, das Tageshoch bei 9.085 Zählern. Nachbörslich sattelte der L/E-Dax noch etwas drauf und schloss bei 8.920 Punkten.

Das Handelsgeschehen stand zunächst ganz im Zeichen des vom Markt positiv aufgenommenen Banken-Stresstestes der EZB, dessen Ergebnisse am Sonntag bekannt gegeben worden waren. Vor allem Bankaktien profitierten und zogen den deutschen Leitindex auf sein Tageshoch und damit fast 100 Punkte ins Plus.

Ifo-Index bringt Konjunkturängste zurück

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Börse 17.00 Uhr

Aber die Bullen hatten nur kurz ihre Freude, denn mit der Herrlichkeit am Aktienmarkt war es dann schnell wieder vorbei. Das vom Münchner Ifo-Institut ermittelte, vielbeachtete Geschäftsklima fiel um 1,5 Punkte auf 103,2 Punkte - den niedrigsten Stand seit Dezember 2012 und der sechste Rückgang in Folge. Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang auf 104,5 Punkte gerechnet. "Der Konjunkturmotor in Deutschland läuft nach wie vor nicht rund", sagte Marktanalyst Niall Delventhal von DailyFX.

Damit kehrten Konjunkturängste mit Macht wieder auf das Börsenparkett zurück und die Optimisten wurden schmerzlich daran erinnert, warum ins Getriebe der scheinbar nicht enden wollenden, liquiditätsgetriebenen Aktienhausse zuletzt immer mehr Sand gekommen war. Der Markt bleibt damit im explosiven Spannungsfeld einer nach wie vor extrem expansiven Geldpolitik der EZB und der Aussicht auf fallende Gewinne der Unternehmen.

Wall Street gibt nach

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Nicht recht entscheiden können sich derzeit auch die Anleger in New York, auch wenn die Schwankungen wesentlich weniger ausgeprägt sind als bei uns. Der Leitindex Dow Jones verliert aktuell 0,1 Prozent und hat bereits des Öfteren das Vorzeichen gewechselt. Auch der fallende Ölpreis und die Verluste an den brasilianischen Finanzmärkten nach der Wiederwahl der linksgerichteten Präsidentin Dilma Rousseff drücken auf die Stimmung, sagten Händler.

Ölwerte sind besonders unter Druck. Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs haben ihre Einschätzungen für das schwarze Gold zurückgenommen und dies mit der aktuellen Überproduktion und der schwächelnden Weltwirtschaft begründet.

Euro rappelt sich wieder auf

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch die europäische Gemeinschaftswährung fuhr heute Achterbahn. Bestimmend für den Anstieg auf Kurse von über 1,27 Dollar war letztlich der Bankenstresstest, zudem fielen die Daten vom US-Hausmarkt nicht so gut aus wie erwartet. Zwischenzeitlich hatte der schwache Ifo-Index aber dafür gesorgt, dass die Kurse kräftig bröckelten, bis auf 1,2666 Dollar im Tagestief. Die EZB hatte den Referenzkurs am Montagmittag auf 1,2679 (Freitag: 1,2659) Dollar festgesetzt, aktuell liegt der Kurs bei 1,2715 Dollar.

Nur wenige Dax-Aktien im Plus

Nachdem zu Handelsauftakt noch alle 30 deutschen Standardwerte im Plus notiert hatten, bot sich zum Handelsschluss ein völlig anderes Bild. Nur drei Titel schlossen im Plus, allesamt defensive Werte wie Fresenius, Henkel oder Linde. Commerzbank schlossen unverändert. Allerdings hat die gelbe Bank damit die recht stattlichen Gewinne vom Vormittag wieder komplett abgegeben. Deutsche Bank gehörten sogar zu den größten Tagesverlierern, hier befürchten Experten hohe Rechtskosten bei den Quartalszahlen am Mittwoch.

Tagesverlierer waren BASF nach einem negativen Analystenkommentar mit einem deutlichen Abschlag von 3,14 Prozent. Auch Infineon wurden verkauft, Lufthansa konnten ihre Verluste hingegen im späten Geschäft eingrenzen.

Deutsche Börse bestätigt die Prognose

Der Börsenbetreiber legte am Abend nach Handelsschluss noch seine Quartalszahlen vor. Der Börsenbetreiber aus dem Dax steigerte das Ebit um vier Prozent auf 233,5 Millionen Euro und bestätigte die Prognose. Die Aktie legte nachbörslich leicht zu.

Bereits am Mittag hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass es im kommenden Jahr einen neuen Chef bekommt. Der frühere oberste Investmentbanker der Schweizer Großbank UBS, Carsten Kengeter, soll zum 1. Juni 2015 die Nachfolge von Reto Francioni antreten. Dessen Vertrag lief ursprünglich bis Ende Oktober 2016 und hätte wegen Überschreitens der Altersgrenze von 61 Jahren nicht mehr verlängert werden können.

Deutsche Post im TNT-Sog

Verluste verzeichnete auch die Aktie der Deutschen Post. Der niederländische Konkurrent TNT Express ist im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Nicht nur hohe Rückstellungen für ein Kartellverfahren in Frankreich, sondern auch die lahmende Nachfrage in Europa wirkten sich negativ auf das Ergebnis aus.

Merck: Hoffnungsfaktor Sigma-Aldrich

Auch mit den anfänglichen Kursgewinnen von Merck war es nicht mehr weit her, die Aktie verlor 1,35 Prozent. Dies, obwohl der Pharmakonzern bei einer Übernahme von Sigma-Aldrich laut "FAZ" mit einer deutlich besseren Rendite rechnet. Der Gewinn des US-Laborausrüsters, den Merck für 13,1 Milliarden Euro kaufen will, soll bis 2018 überproportional zum Umsatz zulegen. Die Analysten der DZ-Bank haben derweil ihr Kaufvotum für die Aktie bestätigt bei einem Kursziel von 77 Euro.

Südzucker: Und ewig lockt der Turnaround

Im MDax versuchte sich unterdessen die Südzucker-Aktie weiter an der Bodenbildung. Sie schloss deutlich unter Tageshoch 1,4 Prozent besser. Binnen Jahresfrist hat der Titel Kursverluste von rund 60 Prozent eingefahren. Im Oktober war er bis auf 9,89 Euro abgestürzt. Hier verläuft mit dem 2000er Tief (9,85 Euro) eine wichtige Unterstützung.

Rheinmetall am MDax-Ende

Größter Kursverlierer im MDax waren mit über fünf Prozent Rheinmetall-Aktien. Händler verwiesen auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" über die Ermittlungen in Griechenland wegen angeblicher Schmiergeld-Zahlungen. Außerdem wies ThyssenKrupp einen Bericht über einen möglichen baldigen Verkauf der Marine-Sparte an Rheinmetall zurück.

Borussia Dortmund verliert schon wieder

Borussia Dortmund: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ähnlich erging es im SDax der BVB-Aktie. Mit einem Minus von mehr als vier Prozent gehörte das Papier nach der erneuten Niederlage in der Fußball-Bundesliga zu den größten Verlierern im Kleinwerteindex.

Halloren will ins Ausland

Der Schokoladenhersteller aus Halle will das Exportgeschäft steigern und dadurch den Umsatz bis zum Jahr 2018 mehr als verdoppeln. Dies gab das Unternehmen am Mittag bekannt. Dazu beteiligt sich Halloren mit 25 Prozent an der US-Vertriebsgesellschaft Charlie Distribution. Im Gegenzug übernimmt Charlie Investors 50 Prozent der belgischen Halloren-Tochter Bouchard. Ziel ist es, den Jahresumsatz von jetzt 120 auf 300 Millionen Euro zu steigern. Die Anleger reagierten aber gelassen auf die ehrgeizigen Pläne.

Frankreich winkt Mobilfunkfusion durch

Die französichen Aufsichtsbehörden haben unter Auflagen grünes Licht gegeben für die milliardenschwere Übernahme der Vivendi-Mobilfunktochter SFR durch den Kabelkonzern Numericable. Dieser muss allerdings Geschäftsteile verkaufen. Vivendi erhält zunächst 13,5 Milliarden Euro plus eine 20-prozentige Beteiligung an der neuen Gesellschaft. Im Erfolgsfall werden weitere 750 Millionen Euro fällig.

Merck & Co. leicht über Erwartungen

Der US-Pharmamulti aus dem Dow-Jones-Index (trotz gemeinsamer Wurzeln nicht zu verwechseln mit der Darmstädter Merck KGaA aus dem Dax) hat mit 0,90 Dollar je Aktie zwei Cent mehr verdient als erwartet. Gleichzeitig wurden die Gewinn- und Umsatzprognosen eingeengt. Die Aktie verliert aktuell mit gut einem Prozent stärker als der Markt.

Valeant lässt nicht locker

Das kanadische Pharmaunternehmen mit seinem Chef Michael Pearson will im Übernahmekampf um den amerikanischen Botox-Hersteller Allergan weiter draufsatteln. In einem Brief an die Alleregan-Führungsspitze erklärte sich Pearson bereit, das bisherige 53,25 Milliarden Dollar schwere Angebot auf 59 Milliarden Dollar aufzustocken.

Das Allergen-Management wehrt sich bereits seit Monaten gegen das als zu niedrig angesehene, unerwünschte Übernahmegebot. Valeant ist mit dem Allergen-Großaktionär, dem Hedgefonds Pershing Square des Milliardärs Bill Ackman verbündet. Allergen will das neue Angebot prüfen.

Google: Mehr Macht für Pichai

Google-Manager Sundar Pichai wird laut US-Medienberichten zu einer Schlüsselfigur bei dem Internet-Konzern. Der 42-Jährige habe zusätzlich zu Android auch die Aufsicht über die Suchmaschine, den Kartendienst, das Online-Netzwerk Google Plus sowie Forschung, Werbeprodukte und Infrastruktur bekommen. Konzernchef Larry Page wolle sich stärker auf die Strategie und andere Bereiche wie Energie oder Finanzen konzentrieren. Google-Aktien legen an der Nasdaq gegen den Markt leicht zu.

rm

Stand: 27.10.2014, 20:15 Uhr

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Tagestermine am Montag, 3. November

Unternehmen:
Audi: Q3-Zahlen
L'Oreal: Q3-Umsatzzahlen, nach Börsenschluss
Ford Motor: Absatzzahlen Oktober
Alstria Office Reit: Q3-Zahlen, nach Börsenschluss
Sprint Corp: Q3-Zahlen, nach Börsenschluss
Holcim: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Ryanair: Zahlen erstes Halbjahr 2104/15, 08:00 Uhr
HSBC: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Peking: HSBC PMI Industrie für China, Oktober endgültig, 02:45 Uhr
Berlin: Markit-Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie im Oktober, 09:55 Uhr
USA: Bausausgaben September, 16:00 Uhr
USA: Einkaufsmanagerindex Industrie, Oktober, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Japan: Märkte wegen eines Feiertages geschlossen

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