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Marktbericht 20:05

Schon wieder die Wall Street

US-Erholung stützt den Dax

Trotz zahlreicher politischer Krisen hat der Dax im Gefolge einer freundlichen Wall Street noch Boden gut gemacht. Die Nervosität dürfte den Anlegern aber erhalten bleiben.

Es war heute ein politischer Börsentag, der Absturz des Malaysia-Air Fluges 17 über der Ostukraine hat das Marktgeschehen ebenso bestimmt wie die Eskalation der Lage im Nahen Osten, wo israelische Bodentruppen in den palästinensischen Gaza-Streifen vordringen. Am frühen Abend verdichteten sich die Gerüchte, wonach die Passagiermaschine abgeschossen wurde. US-Geheimdienste machen die russischen Separatisten für die Katastrophe verantwortlich.

Börse 19.00 Uhr

Wie stets in einem solchen politischen Umfeld reagieren die Anleger nervös, denn die Folgen geostrategischer Krisen sind in aller Regel schwer abzuschätzen. "Da die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine bereits hoch sind, besteht die Gefahr, dass die Krise außer Kontrolle gerät", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Der Dax hat sich heute den gesamten Handelstag von diesen politischen Ängsten nicht befreien können und schloss am Ende bei 9,720 Punkten, ein Minus von 0,35 Prozent. Allerdings grenzte der Index seine Verluste im späten Geschäft ein und endete nur knapp unter seinem Tageshoch bei 9,721 Punkten, gleichzeitig eine wichtige charttechnische Marke. Auf Wochensicht gab es ein Plus von 0,6 Prozent. Im Späthandel ging es dann weiter bergauf, der L/E-Dax ging bei 9.731 Zählern aus dem Markt.

Bundesanleihen gefragt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Im Gegenzug zur Aktien-Skepsis stiegen die als sicherer Hafen geltenden Kurse der deutschen Staatsanleihen an, die Rendite der zehnjährigen Anleihe fiel im Tief auf 1,15 Prozent. Angesichts des unsicheren Umfelds könnte sich der Trend nach Ansicht von Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft fortsetzen. "Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen werden wohl das Rekordtief von 1,121 Prozent vom Sommer 2012 noch knacken."

Der Euro hat sich von seinem kleinen Schwächeanfall am Nachmittag inzwischen wieder erholt und notiert bei 1,3512 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3525 Dollar und damit unverändert zum Vortag, fest. Händler sprachen allerdings von einer spürbaren Nervosität am Markt, vor allem in Hinblick auf drohende Sanktionen gegen Russland.

Wall Street auf Erholungskurs

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Dass es bei uns letztlich nicht ganz so schlimm kam wie es zwischenzeitlich aussah, ist den robusten US-Märkten zu verdanken. Denn anders als in Europa sind die Anleger an der Wall Street offensichtlich nicht bereit, einen zweiten Tag in Folge wie das Kaninchen auf die Schlange zu blicken.

Der Dow legt aktuell gut ein halbes Prozent zu und ist wieder über die Marke von 17.000 Punkten gestiegen. Die geopolitischen Risiken schienen mittlerweile in die Kurse eingepreist, sagte Marktstratege Craig Erlam vom Broker Alpari UK. Allerdings könnte eine Verschärfung der Ukraine-Krise schnell wieder zur Belastung für die Märkte werden.

Auch die etwas schwächer als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten haben am Erholungskurs des Aktienmarktes nichts geändert. Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für den Juli fiel mit 81,3 anstatt wie erwartet 83,0 Punkten ebenso schwächer aus wie die Frühindikatoren für den Juni. "Zwar wurde die Konsensschätzung verfehlt, allerdings sind Wachstumssorgen aufgrund des weiterhin hohen Niveaus des Indikators unangebracht", kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba) den Michigan-Indikator.

Berichtssaison und GE besonders im Blick

Die US-Anlegern wenden sich stattdessen der allen Unkenrufen zum Trotz bisher sehr solide verlaufenden Berichtssaison für das zweite Quartal zu.

Prominentes Beispiel ist heute der Elektroriese und Siemens-Erzrivale General Electric aus dem Dow Jones, der am Mittag seine Zahlen zum zweiten Quartal präsentierte und dabei die Markterwartungen erfüllte. Zudem gab Firmenchef Jeff Immelt einen konstruktiven Ausblick. Die schwer gewichtete Aktie hat ihre frühen Gewinne zwar mittlerweile wieder abgegeben, war aber zuletzt recht ordentlich gelaufen.

Tagesfavorit SAP

So weit wie in Amerika ist es bei uns mit den Quartalsberichten noch nicht, aus dem Dax hat bisher erst SAP berichtet. Die positiv aufgenommenen Zahlen vom Vortag wirkten auch heute nach. Die Aktie legte knapp ein Prozent zu und war damit Tagesgewinner im Leitindex.

Gestützt wurde das Papier auch durch einen positiven Analystenkommentar von Goldman Sachs. Die Experten der Investmentbank haben ein Kursziel von 88 Euro und führen die Aktie in ihrer "conviction-buy-list".

Luftfahrt-Titel unter Druck

Vor dem Hintergrund d er jüngsten Ereignisse wundert es kaum, dass Luftfahrttitel weltweit unter Druck gerieten. Die Aktie der betroffenen Malaysian Airlines brach deutlich ein. Im Dax zählte auch die Lufthansa-Aktie zu den Verlierern.

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HeidelCement mit roter Laterne

Schwächster Wert im Dax blieb die Aktie von HeidelbergCement. Für schlechte Stimmung sorgte eine Abstufung von Morgan Stanley auf "Underweight" mit einem Ziel von 55 Euro. Aus technischer Sicht belastete überdies der Sturz unter die wichtige 200-Tage-Linie.

Analystenschelte für Daimler

Auch die Daimler-Aktie litt unter einer Herabstufung und gehörte zu den schwächsten Dax-Werten. Die Credit Suisse hat den Titel von "Outperform" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 84 auf 70 Euro gesenkt. Inzwischen sei die modellzyklusbedingte Belebung allseits bekannt, und zugleich könnten die Margen bei Mercedes Benz 2014 weiter enttäuschen, hieß es zur Begründung. Daimler präsentiert kommende Woche seine Quartalszahlen.

MüRü unter (Preis-)Druck

Die Aktie der Münchener Rück wird war von Aussagen ihres Chefs belastet. Der verstärkte Wettbewerb habe die Preise und Bedingungen im Rückversicherungsgeschäft so deutlich ins Rutschen gebracht wie seit zehn Jahren nicht mehr, sagte Nikolaus von Bomhard der "Welt". Dieser Trend sei nicht zuletzt durch große Pensionsfonds verstärkt worden.

Allianz haftet bei MH17

Branchen- und Indexkollege Allianz hat bestätigt, der Hauptversicherer für das abgestürzte Flugzeug der Malaysia Airlines zu sein. Der Versicherungsschutz liegt bei rund 100 Millionen Euro. Allerdings ist für die Versicherung die genaue Absturzursache von besonderer Bedeutung, denn sollte dieser auf eine Kriegshandlung zurückzuführen sein, wären auch andere Versicherer betroffen.

Hauptsächlich die Atrium Underwriting Group, die sich auf dem Lloyds-Versicherungsmarkt in London bewegt. Bei den Haftungen für Personenschäden könnten nach Schätzungen von Analysten unabhängig vom Schaden für den Jet bis zu 300 Millionen Euro entstehen. Allianz-Papiere waren zuletzt gut gelaufen und verloren heute in einem nervösen Gesamtmarktumfeld unterdurchschnittlich.

Carl Zeiss Meditec wenig gefragt

Im TecDax gab die Aktien des Unternehmens nach schwach aufgenommenen Neun-Monats-Zahlen nach. Carl-Zeiss Meditec musste in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen Rückgang des Überschusses um 13 Prozent hinnehmen. Vor allem Währungssicherungsgeschäfte machten sich negativ bemerkbar.

Abbvie ist am Ziel

Der amerikanische Pharmakonzern Abbvie, früher Abbott Labs, ist jetzt endlich am Ziel. Das Management des irisch-britischen Konkurrenten Shire hat jetzt das Übernahmeangebot akzeptiert und empfiehlt den Aktionären, es anzunehmen. Abbvie zahlt 52,48 Pfund je Aktie, das sind insgesamt 32 Milliarden Pfund Sterling (rund 40 Milliarden Euro).

Vorausgegangen war ein zähes Ringen, denn das Shire-Manangement hatte zahlreiche Angebote zuvor abgelehnt, so dass Abbvie seit dem ersten Angebot im Mai nachlegen musste. Shire ist auf Nischenprodukte mit Patentschutz spezialisiert, Abbvie will seine Medikamentenpalette erweitern, da Patentabläufe drohen. Größter Umsatzbringer von Shire sind Medikamente zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS).

Google hat einen "tollen Lauf"

Für eine positive Überraschung sorgte bereits am Vorabend die Suchmaschine Google. Der Umsatz kletterte dank eines verbesserten Werbegeschäfts um 22 Prozent auf 16,0 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um sechs Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Finanzchef Patrick Pichette sprach von einem "großartigen Quartal" und einem "tollen Lauf bei den Produkten". Die Aktie klettert an der Nasdaq aktuell 2,8 Prozent.

Honeywell hebt Prognose an

Ein boomendes Geschäft mit Turboladern hat bei Honeywell dafür gesorgt, dass die Kassen im zweiten Quartal kräftig geklingelt haben. Der Überschuss legte um acht Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zu, der Umsatz um 5,8 Prozent auf 10,25 Milliarden Dollar. Darufhin hoben die Amerikaner ihre Prognose für das Gesamtjahr auf eine Bandbreite von 5,45 bis 5,55 Dollar je Aktie an. Bisher lag die Messlatte zwischen 5,40 und 5,55 Dollar. Honeywell-Papiere steigen in New York 1,5 Prozent.

IBM hat weiter zu kämpfen

Ganz anders sieht es bei IBM nach den Zahlen aus. Die Aktie liegt aktuell 0,35Prozent im Minus, hat sich dabei aber vom Tagestief mittlerweile etwas erholt. Das Computerurgestein hat weiterhin mit den technologischen Umbrüchen zu kämpfen. Der Umsatz ging im zweiten Quartal um zwei Prozent auf 24,4 Milliarden Dollar zurück. Dank Einsparungen kletterte der Gewinn dennoch um 28 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar.

AMD kommt unter die Räder

Noch gnadenloser gehen die Anleger mit der AMD-Aktie um. Der US-Chiptitel fällt um 18 Prozent. Für Enttäuschung sorgte vor allem der Verlust von 36 Millionen Dollar, den AMD im zweiten Quartal unterm Strich zu beklagen hatte. Auch mit seinem Umsatzausblick von 1,47 Milliarden Dollar für das dritte Quartal verfehlte AMD die Erwartungen der Analysten deutlich.

Alibaba: Geduld, Geduld

Internetverliebte Investoren dürfte auch diese Meldung interessieren. Falls sie bei einem der größten Börsengänge aller Zeiten mitmachen wollen, müssen sie sich noch ein wenig gedulden: Nach Informationen von "New York Times" und Bloomberg peilt der chinesische Online-Handelskoloss Alibaba einen Termin im September nach der Urlaubszeit an. Bislang war mit der ersten August-Woche gerechnet worden.

rm

Stand: 18.07.2014, 20:05 Uhr

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Unternehmen:
Air France-KL: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Lafarge: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Danone: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
SHW: Q2-Zahlen 07:30 Uhr
Grenkeleasing: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
BSkyB: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Pearson Group: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Interim-Statement Q1, 08:00 Uhr
Anglo American: Halbjahreszahlen, 08:10 Uhr
Banco Espirito Santo: Halbjahreszahlen
Piaggio: Halbjahreszahlen
Statiol: Q2-Zahlen
Moody's: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Xerox:Q2-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 6/14, 01:30 Uhr
D GfK Verbrauchervertrauen 08/14, 8:10 Uhr
D: ifo Geschäftsklima 07/14, 10 Uhr
USA: Auftragseingang langlebige Güter 6/14, 14:30 Uhr

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