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Börsentrend 20:05 Uhr

Dax rückt vor

US-Bilanzen machen Anleger mutiger

Positive Konjunktursignale aus Amerika und Milliardengewinne der US-Großbanken haben am Mittwoch dem deutschen Aktienmarkt etwas Auftrieb gegeben. Die gesenkte Wachstumsprognose der Weltbank bremste aber die Kursgewinne.

Lange wagten sich die Anleger nicht aus der Deckung. Bis eineinhalb Stunden vor Xetra-Schluss notierte der Dax im Minus. Selbst die überraschend starken Zahlen der US-Großbanken Goldman Sachs und JP Morgan ließen die Börsianer zunächst relativ kalt. Erst als die Wall Street etwas an Boden gutmachte und die Kursverluste reduzierte, kam der Dax in Schwung. Er drehte ins Plus und schloss 0,2 Prozent höher bei 7.691 Punkten. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax beendete den Tag bei über 7.695 Zählern. Damit machte das deutsche Börsenbarometer einen Teil seiner Vortagesverluste wieder wett.

Schwächephase wird für Einstieg genutzt

Händler verwiesen auf Fondsmanager, die die kleine Schwächephase des Markts genutzt hätten, um zu günstigeren Preisen wieder einzusteigen. "Die Angst, mehrjährige Kurssteigerungen zu verpassen, ist größer als die vor einer möglichen Kurskorrektur", sagte ein Händler in Paris.

US-Industrie fährt Produktion hoch

Als weitere Stütze erwiesen sich robuste US-Konjunkturdaten. Die Industrie konnte im Dezember ihre Produktion erneut um 0,3 Prozent hochfahren. Die Verbraucherpreise stagnierten im Dezember wie erwartet. Der Kernindex ohne schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Lebensmittel stieg zum Vormonat leicht um 0,1 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet.

Beige Book: Wachstum zieht leicht an

Die US-Notenbank hat im Dezember eine leichte Belebung der US-Wirtschaft festgestellt. Alle zwölf Notenbank-Distrikte hätten zum Jahreswechsel Hinweise auf eine stärkere wirtschaftliche Aktivität erhalten, hieß es im Beige Book, das am Abend veröffentlicht wurde. Die Konsumausgaben seien gestiegen, die Lage in der Industrie sei durchwachsen, und der Immobilienmarkt zeige Erholungstendenzen. Das Wachstumstempo sei jedoch immer noch verhalten.

Weltbank senkt Wachstumsprognose

Größere Gewinne am Aktienmarkt verhinderte die Weltbank. Sie nahm ihre Prognose für die globale Entwicklung kräftig zurück. Nach ihrer Einschätzung dürfte die Weltwirtschaft 2013 nur noch 2,4 Prozent wachsen - minimal mehr als im Vorjahr. Noch vor einem halben Jahr hatte die Weltbank mit einem Zuwachs von drei Prozent gerechnet. Auch die Bundesregierung kappte die Wachstumsprognose von Deutschland - von ursprünglich 1,0 auf 0,4 Prozent.

Zudem flammte in den USA wieder die Diskussion über die US-Schuldenkrise auf. Die Ratingagentur Fitch drohte, den USA ihr "AAA"-Rating zu nehmen, sollten die verantwortlichen Politiker nichts gegen die überbordende Staatsverschuldung unternehmen.

Gewinnmitnahmen beim Euro

Der Euro erlebte eine Berg- und Talfahrt. Die Gemeinschaftswährung fiel zunächst unter 1,33 Dollar und litt unter Gewinnmitnahmen, rappelte sich dann aber wieder auf. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker hatte für Stirnrunzeln am Devisenmarkt mit der Aussage gesorgt, das jetzige Wechselkursniveau wäre "gefährlich hoch". Dem widersprach am Mittwoch EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny.

Empfehlung für Fresenius

Ganz oben in der Gunst der Anleger standen am Mittwoch vorwiegend defensive Titel wie Fresenius und Beiersdorf. Die Fresenius-Aktien stiegen um fast drei Prozent. Die Analysten der UBS haben die Fresenius-Aktien auf ihre Empfehlungsliste gesetzt und die Kursverluste der letzten Wochen als überzogen beschrieben.

Bank- und Versicherertitel rutschen ab

Auf der Verliererseite notierten die Finanzwerte, allen voran die Versicherer Münchener Rück und Allianz. Die Aktien der Commerzbank sackten um 0,8 Prozent ab, die Titel der Deutschen Bank reduzierten ihre Verluste auf minus 0,2 Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem die Banktitel zuletzt stark gelaufen waren.

Milliardengewinne der US-Großbanken

Die Zahlen der US-Großbanken gaben kaum Auftrieb. Dabei konnten diese sich sehen lassen. JP Morgan verbuchte im vierten Quartal einen Gewinnsprung von gut 50 Prozent auf 5,69 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie sprang auf 1,39 Dollar - 23 Cent mehr als erwartet. Goldman Sachs konnte den Gewinn je Aktie mehr als verdreifachen auf 5,60 Dollar. Während die Aktien von Goldman drei Prozent steigen, geben die Papiere von JP Morgan etwas nach.

Europäer kaufen acht Prozent weniger Autos

Autoaktien reagierten kaum auf die schwachen Zulassungszahlen in Europa im vergangenen Jahr, die heute bekannt wurden. Der Autoabsatz in Europa fiel auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren. Die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge in der EU schrumpfte um gut acht Prozent auf rund zwölf Millionen.

Deutsche Börse auf Partnersuche

Laut Insider-Kreisen spricht die Deutsche Börse derzeit mit der Börse Istanbul über eine Partnerschaft. Dabei gehe es eher um eine Kooperation als eine Beteiligung. Derweil hat die Tochter des Börsenbetreibers Clearstream ihre Kräfte im immer wichtiger werdenden Sicherheiten-Geschäft mit anderen Marktteilnehmern gebündelt. Clearstream gab eine Allianz mit Partnern aus mehreren Ländern bekannt. Die Aktie der Deutschen Börse schloss leicht im Plus.

Fusionsgespräche zwischen Tui Travel und Tui

Mit einem Plus von fast neun Prozent war die Tui-Aktie MDax-Spitzenreiter. Die Tochter Tui Travel bestätigte am Nachmittag Gespräche über eine Zusammenführung mit der Konzernmutter. Ein Reverse Takeover werde aber nicht erwogen. Die Fusion brächte deutliche Kosteneinsparungen.

Weihnachten bringt Metro nur Mini-Plus

Die Metro-Aktien konnten ihre anfänglichen Kursgewinne nicht behaupten und rutschten ins Minus. Der Handelsriese hat im abgelaufenen Jahr keine großen Sprünge gemacht. Der Umsatz erhöhte sich um rund ein Prozent auf 66,7 Milliarden Euro. Das Weihnachtsgeschäft bescherte dem Handelsriesen im vierten Quartal nur ein Mini-Plus von 0,5 Prozent. Gleichzeitig erklärte Metro das Ende des zweijährigen China-Abenteuers von Media-Saturn. Die komplette Bilanz wird am 20. März vorgestellt.

BB Biotech schafft Wende

Die im TecDax notierte Beteiligungsfirma BB Biotech aus der Schweiz  hat im abgelaufenen Jahr die Gewinnwende geschafft und netto 368 Millionen Franken verdient. Im Vorjahr lag der Verlust noch bei 146 Millionen Franken. Die Aktie reagierte mit leichten Zugewinnen.

Cewe im Soll

In der zweiten Börsenreihe zogen die Kurse kräftig an. Der SDax legte 1,7 Prozent zu. Zu den Kursgewinnern zählten auch die Titel von Cewe Color. Der Fotospezialist hat erstmals den Umsatz auf über 500 Millionen gesteigert. Dies gab das Unternehmen bekannt. Beim Betriebsergebnis ( Ebit) hat Cewe Color sein Ziel von 27 bis 33 Millionen Euro erreicht, hieß es. Wie hoch das Ergebnis ausfiel, ließ Cewe offen.

Biotest kommt in den USA voran

Die Biotest-Aktie schloss ebenfalls rund ein Prozent höher. Das Pharmaunternehmen aus dem hessischen Dreieich erwirbt die Rechte an einem Präparat gegen Immunschwäche und wird künftig für das US-Biotechunternehmen Adma Biologics Spezial-Blutplasma liefern. Zusätzlich wird für Adma ein Immunglobulin-Präparat hergestellt. Die Arznei mit der Bezeichnung RI-002, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen wird, soll Patienten mit einer vererbten oder auf einem Gendefekt beruhenden Immunschwäche helfen.

Aleo Solar warnt vor neuerlichen Verlusten

Einen Umsatzeinbruch und erneut rote Zahlen gab der Solarmodul-Prozent Aleo Solar bekannt. Die Erlöse schrumpften im abgelaufenen Jahr um 39 Prozent auf 279,9 Millionen Euro. Das Ergebnis werde deutlich negativ ausfallen. Als Grund nannte die Bosch-Solartochter die stark gefallenen Modulpreise und Belastungen durch Werksschließungen in Spanien und China. Nach Ansicht von Solar-Experte Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung zeigen die Verluste, dass sich auch "ein Premiumhersteller wie Bosch in einem Massenmarkt immer weniger durchsetzen kann". Hummel rechnet vorerst nicht damit, dass Bosch Aleo fallen lässt. Laut Firmenchef York zu Putlitz  sei die Finanzierung des Unternehmens durch eine von Bosch eingeräumte Kreditlinie weiter gesichert. Das beruhigte die Anleger. Die Aktie zog elf Prozent an.

Japan zieht Dreamliner aus dem Verkehr

An der Wall Street sackte die Boeing-Aktie erneut um fast vier Prozent ab und war größter Dow-Verlierer. Nach einer weiteren Notlandung des "Dreamliners" zog Japan vorerst die Hälfte der bislang weltweit ausgelieferten Maschinen aus dem Verkehr. Die beiden führenden japanischen Airlines wollen nun die Flugzeuge überprüfen und am Donnerstag entscheiden, ob sie zu Wochenschluss wieder abheben können.

Stand: 16.01.2013, 20:05 Uhr