Marktbericht 17:54 Uhr

Marktbericht negativ

Dax gibt kräftig nach Trump-Protektionismus verunsichert

Stand: 23.01.2017, 17:54 Uhr

Die globalisierungsfeindlichen Töne des neuen US-Präsidenten Trump kommen an den Börsen nicht gut an: Dow, Dax & Co beginnen die neue Woche mit Kursverlusten. Dagegen gewinnt der Euro wieder an Stärke.

Was will Trump wirklich? Das fragen sich momentan viele Investoren. Der neue US-Präsident hat bei seiner jüngsten Antrittsrede mögliche Handelsschranken zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft ins Spiel gebracht. Darüber hinaus soll die Konjunktur mit Steuersenkungen, Deregulierung und einem riesigen Infrastruktur-Programm angekurbelt werden. Die Details bleiben vage. Am Montag versprach der US-Präsident bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern den Abbau der Regulierungen um 75 Prozent und die Senkung der Unternehmenssteuern auf 15 bis 20 Prozent.

Trumps Politik beunruhigt

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt

Börse 17.00 Uhr

Der protektionistische Kurs verschreckt die Anleger. Zwar hätten die USA schon immer eine offensive Industriepolitik betrieben, aber die Zuspitzung in Richtung Abschottung sei neu, meinte Analyst Clemens Bundschuh von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Wegen der globalisierungsfeindlichen Töne nähmen die Sorgen vor einer spaltenden Politik zu, sagte auch Analyst Mike van Dulken von Accendo Markets.

Wall Street startet mit Verlusten

An der Wall Street überwiegen die Minuszeichen. Der Dow weitet in den beiden ersten Handelsstunden sein Minus auf 0,3 Prozent aus. Auch der breiter gefasste S&P 500 lässt Federn. Er büßt gut 0,5 Prozent ein.

Dax rutscht ab

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Trump-Protektionismus und der schwächere Dow ziehen den Dax nach unten. Er beginnt die neue Woche mit einem Verlust von 0,7 Prozent und fällt unter 11.600 Punkte. Der EuroStoxx50 büßt sogar 0,9 Prozent ein.

Müssen sich Anleger jetzt warm anziehen?

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Glaubt man der Geschichte, sollten sich Anleger in den kommenden Wochen auf fallende Aktienkurse an der Wall Street einstellen. In dem Monat nach der Amtseinführung eines neuen US-Präsidenten hat der S&P 500 in den vergangenen 88 Jahren im Schnitt 2,7 Prozent verloren. Selbst unter den populären Präsidenten Ronald Reagan und Barack Obama, die am Ende ihrer Amtszeiten Kurszuwächse von 120 und 165 Prozent vorweisen konnten, brachen die Wall-Street-Kurse in den ersten Wochen nach der Schlüsselübergabe im Weißen Haus um 4,8 und 15 Prozent ein.

Zu viel Vorschusslorbeeren?

Trumps Credo "Amerika zuerst" könnte ein längerfristige Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft und den Dollar deuten, glaubt Analystin Anja Praefke von der Commerzbank. Bislang habe sich Trump als "Elefant im Porzellanladen" erwiesen. Die Hoffnung auf ein wachstumsstimulierende "Trumponomics" schwindet. Anleger fragen sich, ob die Vorschusslorbeeren für Trump nicht übertrieben waren. Der S&P 500 gewann seit der US-Präsidentschaftswahl Anfang November rund neun Prozent und erreichte Anfang Januar ein Rekordhoch von 2.282 Punkten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schoss um 2.000 Punkte nach oben und scheiterte knapp an der Rekord-Marke von 20.000 Zählern. Der Dollar kletterte zum Euro auf den höchsten Stand seit 14 Jahren.

Euro erholt sich weiter

Der wiedererstarkte Euro sorgt für zusätzlichen Gegenwind an den europäischen Aktienmärkten. Die Gemeinschaftswährung steigt am Abend auf 1,0740 Dollar. Ein stärkerer Euro kann die Exportindustrie der Eurozone belasten.

Öl fällt, Gold steigt (etwas)

Die Aussicht auf eine steigende US-Ölproduktion zog die Ölpreise am Montag nach unten. Die Nordsee-Sorte Brent verlor bis zu 1,5 Prozent auf 54,65 Dollar je Barrel. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 74 Cent auf 52,48 Dollar. Der Goldpreis kann seine frühen Gewinne bis zum Nachmittag nicht ganz halten. Der Preis für die Feinunze Gold notiert aktuell bei knapp 1.215 Dollar. "Die Idealsituation für Gold liegt vor, wenn die Zinsen fallen und gleichzeitig die Inflationsrate steigt. Beides liegt aktuell vor", erklärt Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest" das derzeit positive Umfeld für Gold.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Goldman mag VW

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählte VW. Die Aktie eroberte mit einem Plus von drei Prozent mit großem Vorsprung die Pole Position. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat den Titel auf die "Conviction Buy List" gesetzt und die Einstufung auf "Buy" belassen, das Kursziel aber von 153 auf 193 Euro angehoben. Die Verbesserungen der Profitabilität rückten nun in den Fokus.

Deutsche Börse setzt auf Blockchain

Die Deutsche Börse hat am Montag ein Sicherheitskonzept für die Blockchain-Technik vorgestellt. "Der Finanzsektor ist stark reguliert", sagte Deutsche-Börse-Manager Eric Müller. "Deshalb werden auch auf der Blockchain Sicherungsmechanismen wichtig sein." Die Aktie legte über zwei Prozent zu.

Greift Allianz nach der Generali?

Dagegen büßte die Allianz-Aktie über ein Prozent ein. Die italienische Zeitung "La Stampa" hat die Gerüchte über einen Einstieg der Allianz beim Konkurrenten Generali wieder aufgekocht. Der Zeitung zufolge interessiert sich die Allianz gemeinsam mit der Großbank Intesa Sanpaolo für den Versicherer Generali. Ein Händler hält einen Zugriff zwar für wenig wahrscheinlich. Die Hoffnung auf einen milliardenschweren Aktienrückkauf der Allianz gerate aber zunehmend ins Wanken.

Telekom unterstützt US-Tochter mit Kredit

Die T-Aktie schloss ebenfalls 0,6 Prozent tiefer. Dabei hat die US-Investmentbank JPMorgan die Telekom-Titel von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft. Das Kursziel schraubten Analysten von 16,20 auf 19,50 Euro nach oben. Derweil unterstützt die Telekom ihre Tochter T-Mobile US mit einem vier Milliarden Dollar schweren Kredit für die US-Frequenzauktion. Damit soll die US-Tochter bestehende Schulden teilweise refinanzieren können.

Pharmawerte mit Trump-Malus

Noch stärker unter Druck standen die Pharmawerte nach der Trump-Rede vom Freitag. Die Aktien von Bayer und Merck verloren jeweils 1,4 Prozent. Beim Chemie- und Pharmakonzern Merck KGaA gab es noch zusätzliche Nachrichten: Laut der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" rechnet Merck bei seinem zweitlukrativsten Medikament in diesem Jahr mit Stagnation. Die Krebsarznei Erbitux solle 2017 etwa so viel Geld einspielen wie im abgelaufenen Jahr.

Bankenwerte werden abgestraft

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ebenfalls gemieden wurden zu Wochenbeginn europäische Finanzwerte. Die Aktien der Deutschen Bank gaben um 1,1 Prozent nach, die Commerzbank war mit einem Minus von zwei Prozent gar Schlusslicht im Dax. Die Mittelstands-Pläne der Bank sorgten nur für müdes Achselzucken. Das Geldinstitut will in Deutschland künftig mehr mit kleineren Mittelständlern ins Geschäft kommen. Vorstand Michael Reuther gab in der "Börsen-Zeitung" das Ziel aus, 10.000 neue Kunden mit einem Umsatz von 15 Millionen bis 100 Millionen Euro anzulocken.

Rhön-Klinikum mit neuer Führung

Der Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum erhält eine neue Führungsspitze. Vom 1. Februar an übernimmt das bisherige Aufsichtsratsmitglied Stephan Holzinger den Vorstandsvorsitz. Der bisherige Rhön-Chef, der 56-jährige Martin Siebert wird Holzinger künftig als sein Stellvertreter unterstützen.

Puma beflügelt den SDax

Besser lief's am Monztagf in der dritten Börsenreihe: Der SDax schloss leicht im Plus und schaffte ein neues Rekordhoch von 9.759 Punkten. Einen Extra-Schub gab Puma dem Kleinwerte-Index. Die Aktie stieg um über fünf Prozent auf den höchsten Stand seit 2017. Die Deutsche Bank hat Puma SE von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 205 auf 300 Euro angehoben. Ein 40-prozentiges Aufwärtspotenzial für die im Branchenvergleich günstige Aktie liege im möglichen Ausstieg des Mutterkonzerns Kering.

Solide Zahlen von TLG Immobilien

Ein weiteres SDax-Unternehmen - TLG Immobilien - machte mit vorläufigen Jahreszahlen auf sich aufmerksam. Die in der Branche viel beachtete Kennzahl Funds from Operations (FFO) kletterte im Geschäftsjahr demnach um 20 Prozent auf 77 Millionen Euro. Der Portfoliowert konnte vor allem dank Akquisitionen in den Assetklassen Büro, Einzelhandel und Hotel von 1,77 auf 2,24 Milliarden Euro gesteigert werden. Die TLG-Aktie legte drei Prozent zu.

Apple verklagt Qualcomm

Die von der US-Handelskommission FTC geäußerten Vorwürfe unfairen Wettbewerbs gegen den Chipkonzern Qualcomm gewinnen mit einer Klage des wichtigen Kunden Apple an Gewicht. Der iPhone-Konzern wirft Qualcomm vor, zu viel Geld für Lizenzen auf Patente zu verlangen und finanziellen Druck auszuüben.

Samsung zieht Konsequenzen aus Galaxy-Debakel

Mehr als drei Monate nach dem Debakel mit dem Flaggschiff-Smartphone Galaxy Note 7 hat Samsung seinen Untersuchungsbericht präsentiert und eine Wiederholung derartiger Pannen ausgeschlossen. Die Brände bei den Geräten seien einzig durch fehlerhafte Batterien ausgelöst worden.

Viel Schatten und wenig Licht bei Philips Lighting

Der Leuchtmittelhersteller und Osram-Konkurrent Philips Lighting kämpft mit einer schwächeren Nachfrage in einigen seiner Märkte. Im abgelaufenen Jahr sank der Umsatz um 4,7 Prozent. Unter dem Strich sank der Gewinn vor allem wegen Sondereffekten um knapp 23 Prozent auf 185 Millionen Euro. Den Aktionären winkt eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie. Der weltgrößte Leuchtmittelhersteller setzt auf eine Wende 2017.

Rohstoff-Flaute bremst Prüfkonzern SGS

Der Schweizer Inspektions- und Prüfkonzern SGS kommt angesichts der Rohstoff-Flaute nicht richtig in die Gänge. Der Gewinn des Weltmarktführers stagnierte 2016 praktisch bei 586 Millionen Franken und verfehlte damit die Analystenerwartungen. Dennoch will SGS die Dividende leicht auf 70 Franken je Aktie erhöhen.

Berkshire Hathway schlägt in Deutschland zu

Eine Tochter der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway des US-Milliardärs Warren Buffett übernimmt laut "Handelsblatt" die Wilhelm Schulz GmbH aus Krefeld. Der Hersteller für Rohrzubehörteile soll künftig Teil der Precision Castparts Corporation (PCC) werden, bestätigte PCC der Zeitung.

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Ein Blick in Warren Buffetts Depot Nach dem dritten Quartal 2016

American Airlines Group an der Nasdaq: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr

American Airlines Group an der Nasdaq

Im dritten Quartal neu eingestiegen ist Buffett in den amerikanischen Luftfahrtsektor, obwohl er sich früher wenig begeistert zeigte. Ein missglücktes Engagement beim Vorgängerunternehmen US Airways von 1989 bis 1995 hat ihm angeblich Sodbrennen verursacht und zu der Aussage getrieben, die Branche sei "eine Todesfalle für Anleger". Mit dem Einstieg setzt er nun auf mehr Zyklik, Luftfahrtaktien gelten als Paradebeispiel, wenn man die Konjunkturkarte spielen will. Im Quartal ist es jedenfalls rasant bergauf gegangen mit der Aktie, in die Buffett rund 800 Millionen Millionen Dollar investiert hat. Die genauen Beweggründe für Buffetts Meinungsumschwung bleiben aber bisher unklar.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 22. September

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Frankreich: BIP Q2 detailliert
Deutschland: Markit Einkaufsmanagerindex September, 09:30 Uhr

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