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Marktbericht 20:08 Uhr

Sektkorken knallt vor Daxkurve

Dax so hoch wie nie

Traum-Woche endet mit neuem Rekord

Während der Euro immer tiefer fällt, herrscht an Europas Börsen Party-Stimmung. Die Aussicht auf Milliarden-Spritzen der EZB trieb am Freitag den Dax den sechsten Tag in Folge auf ein Allzeithoch. Sorgen um Griechenland wurden verdrängt.

Für die einen ist EZB-Präsident Mario Draghi der "Totengräber des Euro", für die anderen ist er ein Held oder einfach nur "Super-Mario". Vor allem Börsianer dürften den Italiener mit dem schrägen englischen Akzent inzwischen verehren. Seit Draghis Andeutungen für ein Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) hat der deutsche Leitindex Dax einen rasanten Sprung nach oben gemacht.

"König Mario regiert die Party"

Alleine in dieser Woche gewann das Börsenbarometer fast fünf Prozent. Am Freitag betrug das Plus zwei Prozent. Mit fast 10.650 Punkten schloss der Dax so hoch wie nie. Zeitweise war der Index sogar über die Marke von 10.700 Zählern geklettert. "Die Party läuft, es regiert König Mario", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Strategie, den Euro zu zertrümmern und nebenbei die Aktienkurse durch die Decke schießen zu lassen, gehe auf.

Auch an den anderen europäischen Börsenplätzen feierten die Anleger "Super-Mario". Der Pariser Cac40 rückte um 1,9 Prozent vor, der europäische EuroStoxx50 gewann 1,8 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit dem Spätsommer 2008.

Immer weniger Alternativen zu Aktien

Ein Ende der Börsenparty ist nach Ansicht vieler Experten noch nicht in Sicht. Denn das breit angelegte Anleihen-Kaufprogramm der EZB macht Aktien noch attraktiver. Vermeintlich sichere Anlagen wie Sparbücher und Staatsanleihen bringen kaum noch Rendite - unter Abzug der Inflation und Gebühren sogar Verluste. Aktienstratege Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg geht davon aus, dass Versicherungen oder Pensionskassen nun noch mehr Aktien kaufen müssen, um ihren Kunden ordentliche Erträge bieten zu können. Anleger könnten sich weiter mit Enthusiasmus der "Geldillusion" hingeben, meint Chefvolkswirt Stefan Bielmeier von der DZ Bank.

Vorsicht, Gewinnmitnahmen!

Allerdings sollten Anleger allmählich über Gewinnmitnahmen nachdenken, je länger die Party dauere. Angesichts des raketenhaften Anstiegs in den letzten zwei Wochen wachse die Gefahr vor Rückschlägen, warnen Experten. Der Dax laufe langsam heiß, sagt Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Index-Radar.

Bangen um Griechenland

So könnten die Griechenland-Wahlen am Sonntag die Euphorie bremsen. Ein Wahlsieg der reformkritischen Oppositionspartei Syriza würde vermutlich die Euro-Krise wiederaufflammen lassen. In aktuellen Umfragen liegt Syriza gut fünf Prozentpunkte vor den Konservativen von Ministerpräsident Antonis Samaras. Syriza-Chef Alexis Tsipras hat angekündigt, den Sparkurs zu lockern und mit den internationalen Geldgebern einen Schuldenerlass aushandeln zu wollen.

US-Börsen im Rückwärtsgang

An der Wall Street kehrte am Freitag bereits Ernüchterung ein.  Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,3 Prozent im Minus. Nachdem die Pläne der EZB nun raus seien, konzentrieren sich die Investoren wieder auf Unternehmensnachrichten. Und die fielen gemischt aus. Der Paketdienst UPS verdiente deutlich weniger als erwartet. Die Aktie brach um neun Prozent ein. Besser schlug sich General Electric (GE). Der Mischkonzern steigerte seinen Gewinn deutlich, litt aber unter dem Ölpreisverfall. Bei McDonald's gingen die Umsätze im abgelaufenen Quartal zurück.

McDonald's: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Gemischte Konjunkturimpulse aus den USA

Von der Konjunkturfront gab es widersprüchliche Signale: Die wirtschaftlichen Frühindikatoren im Dezember stiegen zwar etwas stärker als erwartet um 0,5 Prozent. Der US-Häusermarkt entwickelte sich jedoch weniger gut als erhofft. Die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser erhöhte sich im Dezember nur um 2,4 Prozent - statt prognostizierter 3,0 Prozent.

Ermutigender fielen die europäischen Konjunkturdaten aus. Die Stimmung in den Unternehmen verbesserte sich. Die Konjunktur im Euroraum habe etwas an Dynamik gewonnen, teilte das Forschungsinstitut Markit mit.

Renditen von Spanien- und Italien-Bonds auf Rekordtief

Angesichts der bevorstehenden massiven Anleihenkäufe der EZB im Wert von 1,14 Billionen Euro sackten die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Staatsanleihen weiter ab. Die spanischen Titel rentierten am Freitag nur noch bei 1,25 Prozent, die Rendite italienischer Bonds sackte auf 1,413 Prozent. Selbst bei griechischen Bonds fiel die Rendite auf unter neun Prozent.

Euro im freien Fall

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro setzte seine Talfahrt fast ungebremst fort. Wegen der ultralockeren Geldpolitik der EZB rutschte die Gemeinschaftswährung zeitweise auf unter 1,12 US-Dollar. Am Abend machte sie ein bisschen Boden gut und notierte bei 1,1240 Dollar.

Tod des saudischen Königs stoppt Ölpreis-Verfall

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
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Die Ölpreise konnten sich nur zeitweise erholen. Nach demTod des saudi-arabischen König Abdullah zogen die Preise zeitweise kräftig an. Am Nachmittag schwächte sich der Auftrieb wieder ab. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete am Abend 49,09 Dollar und damit 57 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stagnierte bei um 46,20 Dollar.

Vorfahrt für Auto-Aktien

Im Dax waren vor allem Aktien exportorientierter Konzerne gesucht, die vom fallenden Euro profitieren. Zum Beispiel die Autoaktien. Mit einem Plus von fast fünf Prozent führte BMW die Gewinnerliste an. Daimler und VW legten rund drei Prozent zu. Der exportfreudigen deutschen Autoindustrie winken nun extra dicke Sondergewinne, wenn sie ihre Fahrzeuge außerhalb des Euroraums verkauft.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer auf Rekordhoch

Hinter BMW reihte sich die Bayer-Aktie auf dem Dax-Siegerpodest ein. Nach einer Zulassungsempfehlung für das Augenmittel Eylea kletterte das Papier auf ein Rekordhoch von 129,55 Euro. Der Ausschuss für Human-Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur empfahl die Zulassung des Wirkstoffs zur Injektion ins Augfe zur Behandlung von Patienten mit einem Sehschärfen-Verlust bei Makulaödem.

Adidas trotzt Rubel-Flaute

Um knapp vier Prozent sprang die Adidas-Aktie nach oben. Der Sportartikelhersteller hat seine Tochter, den Straßenschuh-Hersteller Rockport, an ein Gemeinschaftsunternehmen des Finanzinvestors Berkshire Partners und des Schuhspezialisten New Balance verkauft. Der Verkaufserlös liegt bei 280 Millionen Dollar, größtenteils in bar. Die Probleme in Russland, in den USA und im Golfgeschäft bremsten im vergangenen Jahr Adidas nicht so stark wie befürchtet. Der Umsatz stieg um zwei Prozent.

Post mit Analysten-Malus

Zu den wenigen Verlierern zählte die Deutsche Post. Die schwachen UPS-Zahlen und ein negativer Annalystenkommentar drückten die "Aktie Gelb" um 1,4 Prozent. Die Analysten von JPMorgan nahmen ihre Kaufempfehlung zurück und stuften die Titel auf "neutral" herunter. Das Kursziel senkten sie auf 28 von 28,70 Euro. Die steigenden Pensionsverpflichtungen seien ein Risiko, hieß es.

Auftrieb für Xing und BB Biotech

Im TecDax zählten Xing und BB Biotech zu den Favoriten. Die Aktien von Xing zogen um rund 4,6 Prozent an. Das Karriere-Netzwerk gab den Kauf des Online-Stellenportals Jobbörse.com für über sechs Millionen Euro bekannt. Um über drei Prozent legten die Aktien von BB Biotech zu. Mit zeitweise 250,85 Euro markierten die Titel ein Rekordhoch. Die Biotech-Beteiligungsgesellschaft stellte für das abgelaufene Geschäftsjahr den Aktionären eine Anhebung der Dividende um 65 Prozent auf 11,60 Schweizer Franken in Aussicht.

Hydrotec plant Delisting aus dem Entry Standard

Die Wasser-Firma Hydrotec kündigte ein Delisting für die im Entry Standard notierten Aktien in den näöchsten sechs Wochen an. Als Grund wurden die hohen Kosten im Zusammenhang mit der Börsennotierung angeführt. Der Hydrotec-Kurs sackte um fünf Prozent ab.

Start nach Maß für Tele Columbus

Tele Columbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dafür kann sich die Frankfurter Börse über neuen Zuwachs freuen: Tele Columbus ging am Freitag aufs Parkett. Der Börsengang von Tele Columbus gelang: der drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber beendete seinen ersten Handelstag bei 11,25 Euro je Aktie und lag damit klar über dem Ausgabepreis von 10,00 Euro.

Chinese greift nach O2

Telefonica: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der chinesische Mobilfunkanbieter Hutchison Whampoa will die britische Tochter O2 des spanischen Telekomkonzerns Telefonica kaufen. Der gebotene Kaufpreis liegt bei bis zu 10,25 Milliarden Pfund. Nun werden exklusive Verhandlungen geführt.

nb

Stand: 23.01.2015, 20:08 Uhr

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Tagestermine am Montag, 2. Februar

Unternehmen:
Julius Bär: Jahreszahlen
Ryanair: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
ExxonMobil: Q4-Zahlen.

Konjunktur:
EU: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (endgültig), 11:00 Uhr
USA: Private Einkommen und Ausgaben Dezember, 14:30 Uhr ;
ISM Verarbeitendes Gewerbe Januar, 16:00 Uhr:
Bauausgaben Dezember, 16:00 Uhr.

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