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Marktbericht 20:14 Uhr

Hohe Nervosität an den Börsen

Starker Euro bremst Dax aus

Stand: 04.02.2016, 20:14 Uhr

Eine wahre Achterbahnfahrt legte der Dax am Donnerstag passend zum Start in die närrische Jahreszeit hin. Der starke Euro und die Wall Street stoppten die Dax-Erholung. Schwächesignale der US-Wirtschaft verunsicherten die Anleger.

Zeitweise hatte es ganz düster am deutschen Aktienmarkt ausgesehen. Der Dax fiel in der Spitze um 1,8 Prozent auf ein neues 14-Monats-Tief von 9.270 Punkten. Danach erholte sich der deutsche Leitindex wieder - dank der freundlichen Wall Street. "Vor den US-Arbeitmarktdaten am Freitag ist die Nervosität am Markt extrem hoch", meinte Analyst Tobias Basse von der NorddLB.

Dax tanzt aus der Reihe

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Fast hätte es sogar zu einem Plus gereicht. Doch als die Kursgewinne im Dow bröckelten, gab auch der Dax klein bei und schloss 0,4 Prozent tiefer. Damit beendete er den vierten Börsentag hintereinander im Minus. Besser behaupteten sich die anderen europäischen Börsen. Der EuroStoxx50 stoppte seine Talfahrt und ging mit einem Plus von 0,3 Prozent in den Feierabend. Der französische Cac40 trat auf der Stelle. Und der britische FTSE 100 gewann rund ein Prozent.

Droht der US-Wirtschaft ein Schwächeanfall?

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Börse 20.15 Uhr

Die Hoffnung auf eine zurückhaltende Geldpolitik der Fed und die Dollar-Schwäche beflügelten die Wall Street. Zwei Stunden vor Handelsschluss lag der Dow 0,2 Prozent höher. Schwache Konjunkturdaten und die wieder sinkenden Ölpreise bremsten die Kurserholung. Im Dezember erlitt die US-Industrie einen deutlichen Auftragsrückgang von 2,9 Prozent. Der Auftragseingang für langlebige Güter schrumpfte gar um fünf Prozent. Volkswirte hatten mit einem weniger starken Rückgang gerechnet. Die Dollar-Stärke könnte gravierende Folgen für die US-Wirtschaft haben, warnte Fed-Vizepräsident William Dudley.

Dollar unter Druck

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Konjunkturdaten und die Aussagen von Dudley brachten den Dollar weiter unter Druck. Der Euro setzte seinen Höhenflug fort und stieg auf über 1,12 US-Dollar, den höchsten Stand seit Oktober 2015. Am Abend lag der Kurs bei 1,1210 Dollar ein. Seit Wochenbeginn hat der Euro gut drei Cent gegenüber dem Dollar zugelegt. Der "Greenback" leidet, weil immer weniger Investoren von weiteren Zinsanhebungen der US-Notenbank ausgehen.

Ölpreise auf Berg- und Talfahrt

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
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Der Ölpreis schwankte am Donnerstag hin und her. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 34,73 US-Dollar und damit 31 Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stagnierte bei 32,20 Dollar. Am Rohstoffmarkt mehren sich Spekulationen auf eine mögliche Förderkürzung. Venezuela verbreitete die Nachricht, dass sich mehrere größere Ölförderländer auf ein Treffen zur Produktionsbegrenzung verständigt hätte. Allerdings ist Saudi-Arabien offenbar nicht dabei. Experten zeigten sich skeptisch.

Gewinn von Shell und Statoil schmilzt weg

Was Autofahrer freut, ärgert die Ölkonzerne. Sie verdienen immer weniger. Shell und Statoil haben heute mit ihren neuesten Bilanzzahlen den Beweis geliefert. Shell verdiente 2015 unterm Strich fast 90 Prozent weniger als 2014, bei Statoil brach der Gewinn um rund die Hälfte ein.

Royal Dutch Shell: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler schaltet Gang zurück

Der stärkere Euro machte den Autoaktien und Zulieferertiteln zu schaffen. BMW sackte um 1,7 Prozent ab, Conti um knapp zwei Prozent. Daimler war Dax-Schlusslicht mit einem Minus von 3,2 Prozent. Der Stuttgarter Autobauer konnte die Anlleger trotz eines Rekordgewinns von knapp neun Milliarden Euro und einer Dividendenerhöhung um 80 Cent nicht überzeugen. Die leiseren Töne Daimlers mit Blick auf das China-Geschäft kamen nicht gut an. Das operative Konzernergebnis werde 2016 nur noch leicht steigen, kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche an. 2015 war es um 36 Prozent gestiegen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Münchener Rück überrascht positiv

Dagegen kamen die Zahlen der Münchener Rück an der Börse sehr gut an. Die Aktie schloss drei Prozent fester und zählte zu den größten Dax-Gewinnern. Der weltgrößte Rückversicherer verdiente zwar im abgelaufenen Jahr etwas weniger, hob jedoch die Dividende um 50 Cent auf 8,25 Euro je Aktie an. An der Börse ist das ein Beleg dafür, dass das Management der künftigen Gewinnentwicklung vertraut.

Gea geht weiter auf Shopping-Tour

Im MDax war Gea der Überflieger. Die Aktien kletterten um fast zehn Prozent nach oben und erreichten mit 41,30 Euro ein Sechseinhalb-Monatshoch. Die Bilanz des Anlagenbauers fiel besser als erwartet aus. 2015 stieg der Umsatz um fast zwei Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis zog um fünf Prozent auf 621 Millionen Euro an. Nach einem Rekord-Auftragseingang zum Abschlussquartal schaut Gea mit Zuversicht ins neue Jahr und plant weitere Übnernahmen. "Wir werden dieses Jahr sicher mehr akquirieren als 2015", kündigte Firmenchef Jürg Oleas an.

Chinesen stocken Anteile an Kuka auf

Um über neun Prozent schossen die Aktien von Kuka hoch. Der chinesische Haushaltswaren-Hersteller Midea hat seine Beteiligung an dem Roboterhersteller von 5,4 auf 10,2 Prozent fast verdoppelt. Das schürt Übernahmefantasie. Chinesische Unternehmen sind derzeit auf großer Shoppingtour in Deutschland und Europa. Am Mittwoch machte der größte chinesische Chemiekonzern ChemChina eine Offerte von 43 Milliarden Dollar für den Schweizer Agrochemie-Konzern Syngenta.

Gesunde Zahlen von Compugroup

Im TecDax ging es ein Prozent abwärts. Zu den wenigen Gewinnern zählte die Compugroup-Aktie. Der Medizinsoftware-Spezialist steigerte den Umsatz im vierten Quartal um vier Prozent auf 147 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte um 17 Prozent auf 33 Millionen Euro. 2016 will Compugroup das Wachstum fortsetzen und die Ertragskraft verbessern.

Bechtle kriegt was aufs Dächle

Dagegen fiel die Bilanz von Bechtle nicht gut genug aus. Die Aktie schloss knapp ein Prozent tiefer. Der IT-Dienstleister steigerte den Umsatz 2015 um etwa zehn Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis kletterte sogar um ein Fünftel auf rund 129 Millionen Euro. Analyst Thorsten Reigber von der DZ Bank bezeichnete die Resultate als solide.

HHLA verdient weniger

Aus dem SDax gab es außerdem vorläufige Zahlen von der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Die Wirtschaftskrisen in Russland und der Ukraine sowie das deutlich verhaltenere Wirtschaftswachstum in China hinterliessen ihre Spuren. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis sank um 7 Prozent. Die Aktie stieg dennoch um über drei Prozent.

Grenkeleasing hebt Dividende kräftig an

Der IT-Vermieter Grenkeleasing will die Dividende für das abgelaufene Jahr kräftig anheben. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Ausschüttung von 1,50 Euro je Aktie vor. Das sind 40 Cent je Aktie mehr als ein Jahr zuvor - und deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. Wahlweise können die Grenke-Aktionäre ihre Dividende ganz oder teilweise in neuen Aktien auszahlen lassen. Dieses Angebot war vor zwei Jahren bereits gut angenommen worden. Der Kurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verdoppelt. Am Donnerstag büßte der SDax-Titel ein Prozent ein.

Brain lenkt ein

Das Biotech-Unternehmen Brain AG hat beim Gang an die Börse angesichts der jüngsten Turbulenzen nur sein Minimalziel erreicht. Der Ausgabepreis für die gut 3,6 Millionen Aktien Aktien wurde auf 9,00 Euro je Stück festgelegt und liegt damit am unteren Ende der ursprünglich angepeilten Spanne von 9 bis 12 Euro je Aktie. Der Börsengang ist für den 9. Februar geplant.

Milliardenverlust der Credit Suisse

Zwiespältige Nachrichten kamen am Donnerstag von den europäischen Banken. Die Schweizer Credit Suisse verkündete den größten Jahresverlust seit 2008. Abschreibungen auf die Übernahme der US-Investmentbank Donaldson, Lufikin & Jenrette sowie schleppende Geschäfte im Investmentbanking sorgten für einen Fehlbetrag von 2,9 Milliarden Franken. Selbst im Vermögensverwaltungsbereich musste die Bank teilweise Milliarden-Abfölüsse verdauen. Nur in Asien konnte die zweitgrößte Schweizer Bank mehr Geld einsammeln. Die Aktie stürzte auf den tiefsten Stand seit 1992 ab.

ING profitiert von Diba

Deutlich besser schlug sich die niederländische Bank ING. Unter anderem gute Geschäfte der deutschen Tochter Diba verhalfen ING zu einem Gewinnanstieg von 50 Prozent auf 822 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 65 Cent je Titel erhalten. Die Aktie machte mit plus neun Prozent den größten Kurssprung seit 2011. ING versuchte, die Furcht der Anleger vor Ausfällen von Krediten an die Ölindustrie zu dämpfen.Unter dem Strich sei der Ölpreis-Verfall positiv, betonte das Institut. Unternehmen aus anderen Branchen und Verbrauchern bleibe mehr Geld in der Tasche, um ihre Kredite zurückzuzahlen

Fusionsgerüchte in der Spielzeugbranche

Spekulationen über einen Zusammenschluss trieben die Aktien der beiden größten US-Spielzeughersteller in die Höhe. Die Papiere von Mattel ("Barbie") legten um über vier Prozent, die Titel von Hasbro ("Furby") um mehr als acht Prozent zu. Zuvor hatte Bloomberg über Fusionsgespräche berichtet. Beide Konzerne leiden schon länger unter geringer Nachfrage und verschärfter Konkurrenz im Spielzeugmarkt. Mattel sorgte zuletzt mit neuen kurvigen und anderen "Barbie"-Modellen für Schlagzeilen.

Sharp will sich von Foxconn retten lassen

Um 17 Prozent nach oben kletterten die Aktien von Sharp. Der strauchelnde japanische Elektronikkonzern strebt eine Übernahme durch den taiwanesischen Apple-Zulieferer Foxconn an. Dieser sei mit der Offerte von umgerechnet knapp 5,4 Milliarden Euro (rund 700 Milliarden Yen) der bevorzugte Bieter, sagten mehrere Insider am Donnerstag. Es wäre der größte Zukauf eines ausländischen Konzerns in der japanischen Technologiebranche. Das Foxconn-Gebot wäre mehr als das Doppelte dessen, was der japanische Staatsfonds INCJ auf den Tisch legen will.

nb

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Tagestermine am Freitag, 06. Mai

Unternehmen:
Rhön Klinikum: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
ArcelorMittal: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Intesa Sanpaolo: Q1-Zahlen
DMG Mori: Hauptversammlung, ab 10:00 Uhr
Alstria Office: Hauptversammlung

Konjunktur:
USA: Arbeitsmarktbericht für April, 14:30 Uhr

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