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Marktbericht 20:04 Uhr

Marktbericht negativ

Dax auf Talfahrt

Schon wieder ein Kursschock

Stand: 02.02.2016, 20:04 Uhr

Das Dauerthema Ölpreisverfall hat den deutschen Aktienmarkt wieder voll im Griff. Die Anleger wittern weiteres Ungemach und verabschieden sich auf breiter Front. Der Dax fällt deutlich zurück.

Am Ende eines schwachen Börsentages schloss der deutsche Leitindex bei 9.581 Punkten, ein Tagesverlust von 1,81 Prozent oder 176 Punkten. Wer zum Schluss der vergangenen Woche, als Öl mehr als 35 Dollar je Fass kostete, auf bessere Zeiten gesetzt hatte, steht nun im Regen. Auch im Späthandel ging der Ausverkauf munter weiter. Der L/E-Dax folgte der schwachen Wall Street und schloss bei 9.536 Punkten nochmals spürbar tiefer.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Begründung für den erneuten Ausverkauf kommt einem bekannt vor. Der Verfall der Ölpreise ist heute weitergegangen und hat die globalen Konjunkturängste, vor allem um China, wieder angefacht. Öl der Nordseesorte Brent fiel zwischenzeitlich bis auf etwas mehr als 32 Dollar, ehe sich der Preis erholte und wieder über 33 Dollar steht.

"Die Aktienmärkte kommen nicht richtig auf die Beine", kommentierte Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba die jüngsten Schwankungen. Daher sei mit einem weiteren kräftigen Abschwung zu rechnen.

Keiner setzt mehr auf die Russen

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Woche
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Verpufft ist heute auch erst einmal der "Russland-Effekt". Energieminister Alexander Nowak hatte noch am Donnerstag die Nachricht verbreitet, dass sich Russland und das Ölkartell Opec, inklusive Saudi-Arabien, auf eine Begrenzung der Fördermenge einigen würden.

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Börse 18.00 Uhr

Zwar befindet sich der russsische Außenminister Lawrow derzeit am Persischen Golf, von einem Treffen mit der Opec ist aber keine Rede. Fakt ist, dass es ein Überangebot an Öl auf dem Weltmarkt gibt, dass an den Märkten als Zeichen konjunktureller Schwäche interpretiert wird. Auch Russland trägt entscheidend dazu bei, denn im Januar hat das Land so viel Öl gefördert wie noch nie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991.

US-Börsen im Minus

Auch an der Wall Street belastet der fallende Ölpreis die Notierungen. Gleichzeitig hat der Markt eine Fülle neuer Unternehmenszahlen zu interpretieren, denn die US-Märkte sind mitten in der Berichtssaison. Die Zahlen fielen uneinheitlich aus. Während Tech-Schwergewicht Google, das jetzt Alphabet heißt, positiv überraschte, musste Ölriese Exxon Mobil einen heftigen Gewinnrückgang hinnehmen. Der Leitindex Dow Jones gibt aktuell 1,8 Prozent nach.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Euro gibt Gewinne zum Teil wieder ab

Der Euro tendierte angesichts der wieder aufgekommenen Konjunkturängste lange Zeit freundlich und klar über 1,09 Dollar, hat aber im späten Geschäft einen Teil der Gewinne wiederf abgegeben. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung fast genau auf dieser Marke.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Insgesamt bleibt die Stimmung aber gut für den Euro, der zusammen mit dem japanischen Yen angesichts der unsicheren Lage am Aktienmarkt als sicherer Hafen angesehen. Geholfen haben der Gemeinschaftswährung zudem die niedrigen Arbeitslosenzahlen in der EU. Diese sind auf den niedrigsten Stand seit 2011 gefallen.

ThyssenKrupp am Dax-Ende

Die ThyssenKrupp-Aktie verlor heute weiter an Boden und schloss mit einem Minus von sechs Prozent am Dax-Ende. Vor allem die hohe Stahl-Konkurrenz aus China lastet auf den europäischen Anbietern, darunter auch ThyssenKrupp. Zuletzt sind Forderungen nach Anti-Dumping-Zöllen gegen die chinesischen Billigimporte lauter geworden. China, einst der größte Importeur, produziert mittlerweile viel mehr Stahl als es selber braucht und sorgt so für ein Überangebot auf dem Weltmarkt. Auch K+S, dem im März der Rauswurf aus dem Dax droht, sowie die beiden Banken gehörten zu den schwächsten Werten. Auf der Plussseite im Dax standen lediglich Beiersdorf und Vonovia.

Infineon stellt nicht zufrieden

Der Halbleiterkonzern Infineon aus dem Dax ist zwar gut ins neue Geschäftsjahr 2015/16 gestartet. Umsatz und Gewinn legten zu. Der Ausblick fürs laufende Quartal ist der Börse aber nicht optimistisch genug. Die Aktie gab nach und war hinter ThyssenKrupp zweitschlechtester Dax-Wert.

VW-Absatz schwächelt

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Wolfsburger Autobauer hat im Januar die Folgen des Diesel-Abgasskandals zu spüren bekommen. In Nordamerika gingen die Verkäufe um 14,6 Prozent zurück und auch im deutschen Heimartmarkt verzeichnete VW ein Verkaufsminus von neun Prozent im Jahresvergleich. Insgesamt stiegen die Neuzulassungen in Deutschland im Januar um 3,3 Prozent auf rund 218.000 Fahrzeuge. Im Dezember lag das Zulassungsplus noch bei acht Prozent. VW-Vorzüge verloren in einem schwachen Gesamtmarkt 1,98 Prozent.

Vonovia wartet noch auf den Durchbruch

Der Immobilien-Konzern Vonovia hat eine neuen Zwischenstand zur geplanten Übernahme des Konkurrenten Deutschen Wohnen veröffentlicht. Die Annahmequote des Übernahmeangebots liegt derzeit bei rund 27,7 Prozent. Davon entfallen inzwischen fast fünf Prozent auf selbst gehaltene Aktien an der Deutsche Wohnen AG. Vonovia hat die Annahmeschwelle unlängst auf 44 Prozent gesenkt. Die Offerte läuft noch bis zum 9. Februar.

Wacker Chemie verdient mehr

Der Spezialchemiekonzern Wacker hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um zehn Prozent auf 5,3 Milliarden Euro verbessert. Der Gewinn stieg um 23 Prozent auf 240 Millionen Euro. Vor allem das Geschäft mit herkömmlichen Chemieprodukten sei im Weihnachtsquartal gut gelaufen und habe die niedrigen Preise für hochreines Silizium für die Solar- und Halbleiterindustrie ausgeglichen, hieß es. Die Aktie drehte nach anfänglichen Gewinnen dann aber immer mehr ins Minus und stand schlussendlich am MDax-Ende. Vor allem fehle der Ausblick auf das neue Jahr, erklärte DZ-Bank-Analyst Peter Spengler.

Drägerwerk schockt am Abend

Schwache Geschäftszahlen für 2015 und eine drastische Kürzung der Dividende sowohl für Stamm- als auch für die im TecDax entahaltenen Vorzugsaktien - mit diesen Nachrichten schockte das Lübecker Unternehmen am Abend nach Xetra-Schluss die verbliebenen Investoren. Die Aktie, die im regulären Handel 2,2 Prozent verlor auf 60,61 Euro stürzte über zehn Prozent ab.

Nintendo spart sich voran

Der japanische Spielekonsolen- und Videospielanbieter Nintendo hat im Weihnachtsgeschäft von Kostensenkungen profitiert. Das operative Ergebnis legte um fünf Prozent auf auf umgerechnet knapp 255 Millionen Euro zu.

BP unter Druck

Der britische Energiekonzern BP hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 6,5 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Das war das höchste Minus seit mindestens 20 Jahren. Allein im Schlussquartal summierten sich die Wertberichtigungen wegen des Ölpreis-Verfalls auf 2,6 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen mitteilte.

UBS holt mehr rein

Die Schweizer Großbank UBS hat im vergangenen Jahr ihren Gewinn von 3,5 auf 6,2 Milliarden Franken verbessert. Der Konzern profitierte unter anderem von einem starken Geschäft in der Vermögensverwaltung, einer Erholung im Investmentbanking und Steuergutschriften.

Milliardenübernahme in der Schweiz

In der Touristikbranche bahnt sich eine große Übernahme an. Der schwedische Finanzinvestor EQT will sich den Reiseanbieter Kuoni schnappen. Der Kuoni-Verwaltungsrat hat am Dienstag empfohlen, das 1,35 Milliarden Franken schwere Angebot anzunehmen. EQT ist darüber hinaus auch im Rennen um die Tui-Tochter Hotelbeds, die zum Verkauf steht. Die Kuoni-Aktie sprang an der Züricher Börse kräftig an und hat sich seit dem September-Tief damit mehr schon als verdoppelt.

Wird Syngenta chinesisch?

Und noch eine mögliche Übernahme in der Schweiz bewegt derzeit (mal wieder) die Börse. Syngenta-Aktien zogen um 3,7 Prozent auf 392 Franken an. Insider berichteten darüber, dass der Agrochemiekonzern von der staatlichen chinesischen ChinaChem für 43 Milliarden Dollar übernommen werden soll. Angeblich bieten die Chinesen 470 Franken je Aktie. Marktbeobachter rechnen spätestens am morgigen Mittwoch damit, dass es eine Mitteilung zur Zukunft von Syngenta gibt. Morgen legt das Unternehmen Jahreszahlen vor. Syngenta entstand im Jahr 2000 aus der Fusion der Agrarchemie-Sparten der beiden Pharmakonzern Novartis und AstraZeneca und ist an der Börse aktuell 36 Milliarden Dollar wert.

Berichte aus Amerika

Der Ölriese ExxonMobil leidet wie auch die anderen Firmen der Branche unter dem niedrigen Ölpreis. Der Gewinn sank im vierten Quartal um 58 Prozent auf 2,78 Milliarden Dollar. Das gegenteilige Bild lieferte der weltgrößte Paketdienst und Post-Konkurrent UPS. Im wichtigen Weihnachtsquartal hat sich der Überschuss auf 1,33 Milliarden Dollar nahezu verdreifacht. Auch Pharmariese Pfizer hat sich recht gut gehalten. Dessen Umsatz stieg dank guter Geschäfte mit Impfstoffen um sieben Prozent auf 14,05 Milliarden Dollar, der Gewinn fiel jedoch zurück. Pizer will die 160-Milliarden-Dollar schwere Allergan-Übernahme in der zweiten Jahreshälfte abschließen.

ExxonMobil: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum Intraday
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WhatsApp hat mehr als eine Milliarde Nutzer

Der Kurznachrichtendienst ist auf Wachstumskurs. Die Facebook-Tochter gab am Dienstag bekannt, erstmals mehr als eine Milliarde Nutzer zu haben. Täglich würden 42 Milliarden Nachrichten pro Tag verschickt, teilte Mitbegründer und Firmenchef Jan Koum mit. Facebook hatte 2014 gut 22 Milliarden Dollar für WhatsApp bezahlt. Damals hatte der Dienst rund 450 Millionen Nutzer.

rm

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Unternehmen:
Telekom Austria: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Geldmenge M3 für die Euro-Zone für Mai, 10:00 Uhr
USA: Markit PMI Dienste für Juni, 15:45 Uhr

Sonstiges:
EZB: Forum zu Zentralbanken (bis 29. Juni) in Sintra, mit EZB-Präsident Draghi

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