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Marktbericht 20:10 Uhr

Noch ein Horrortag an den Börsen

Raus aus Aktien!

Stand: 11.02.2016, 20:10 Uhr

Das Börsenbeben geht weiter: Aus Furcht vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung und einer Banken-Krise rauschten die Aktienmärkte am Donnerstag noch tiefer in den Keller. Besonders Finanztitel wurden aus den Depots geworfen. Anleger flüchten in Gold.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
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Raus, raus, raus! An den Börsen machte sich im Laufe des Donnerstags eine regelrechte Panikstimmung breit. Viele Investoren fürchten, dass sich wegen des Ölpreisverfalls die Kreditausfälle häufen, Banken Probleme bekommen und die Weltwirtschaft ins Straucheln gerät. Der Dax tauchte um fast drei Prozent ab und schloss mit 8.752 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Oktober 2014. Die gestrigen Kursgewinne lösten sich wieder in Luft auf. Seit Wochenbeginn hat der Dax gut sechs Prozent eingebüßt. Der EuroStoxx50 krachte gar um 3,6 Prozent in die Tiefe.

Wall Street weiter auf Talfahrt

Zusätzlicher Gegenwind kam von der Wall Street. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss um über zwei Prozent im Minus und hielt sich nur knapp über 15.500 Punkte. Vor allem Bankaktien wurden gemieden. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 1,4 Prozent auf 1825 Zähler.

Flucht in Gold

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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"Investoren wollen nur noch raus aus Risikopapieren rein in sichere Häfen wie Gold und den japanischen Yen", meinte Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. Der Goldpreis kletterte bis zum Abend auf 1.250 Dollar je Feinunze. Das ist der höchste Stand seit gut einem Jahr. Auch der japanische Yen legte gegenüber dem US-Dollar kräftig zu.

IWF besorgt über Verfall der Bankaktien

Öl ins Feuer goss der Internationale Währungsfonds (IWF), der den Kursverfall der Bankaktien als Anlass zur Sorge bezeichnete. Zwar versuchten die Finanzminister Deutschlands und Frankreichs die Anleger zu beruhigen, doch das half nichts. Die Kursturbulenzen seien überzogen, sagten sie.

Yellen ohne Rezept?

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Börse 20.15 Uhr

Schlecht kam auch der neuerliche Auftritt von Fed-Präsidentin Yellen vor dem Bankenausschuss des Senats an. Sie bezeichnete das US-Bankensystem als stark. Negative Zinsen sind für Yellen kein Tabu. Sie schloss nicht aus, dass die Zentralbank auch einmal zu diesem Mittel greifen könnte. Schon gestern hatte die US-Notenbank-Chefin vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses die Märkte nicht beruhigen können. Auch die Fed wisse nicht, welche Maßnahmen sie ergreifen solle, kritisierten die Experten der US-Investmentbank Jefferies.

Ölpreise nahe 12-Jahres-Tief

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Die Ölpreise purzelten weiter nach unten und näherten sich ihren Zwölf-Jahres-Tiefs. Das heizte die Sorgen vor einer strauchelnden Weltwirtschaft weiter an. Die Rohölsorte Brent verbilligte sich um knapp zwei Prozent auf 30,25 Dollar je Barrel. US-Leichtöl der Sorte WTI fiel um über drei Prozent auf 26,52 Dollar.

Euro klettert über 1,13 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro blieb gefragt. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg auf über 1,13 Dollar. Der Schweizer Franken legte zum Dollar deutlich zu und markierte den höchsten Stand seit vier Monaten. Ein Dollar kostete nur noch 0,9660 Franken. Anfang Februar lag er noch bei gut 1,02 Franken.

Adidas sprintet allen davon

Im Dax gab es nur einen einzigen Gewinner: Adidas. Der Sportartikelhersteller hat im vergangenen Jahr seine eigenen Ziele übertroffen. Um Währungseinflüsse bereinigt, stieg der Konzernumsatz um zehn Prozent auf 16,9 Milliarden Euro. Der Gewinn aus den fortgeführten Geschäftsbereichen legte um zwölf Prozent auf 720 Millionen Euro zu. Auch die Prognose für 2016 fällt besser als erwartet aus.

Bankaktien im Ausverkauf

Dagegen warfen Investoren vor allem Banktiteln in hohem Bogen aus ihren Depots. Die Aktien der Deutschen Bank stürzten zeitweise erneut um über sechs Prozent ab - auf bis 13,13 Euro. Noch heftiger traf es die Commerzbank. Mit einem Minus von 6,6 Prozent war sie Schlusslicht im Dax. Die Quartalszahlen des französischen Konkurrenten Société Générale (SocGen) belasteten die Stimmung im Bankensektor. SocGen gab neue Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle im Öl- und Gassektor bekannt.

Pfanbriefbank auf Rekordtief

In den Abwärtssog der Bankenwerte geriet in der zweiten Reihe auch die Deutsche Pfandbriefbank. Die Aktie fiel auf ein Rekordtief von 7,29 Euro. Die Bank war aus der notverstaatlichten Hypo Real Estate hervorgegangen und ist seit 2015 an der Börse.

Bieterkampf um niederländische Telekom-Tochter?

Die Deutsche Telekom hofft derweil auf hohe Milliardengebote für ihre Tochter T-Mobile Niederlande. Die Beteiligungsgesellschaften Warburg Pincus und Apollo buhlen um das Unternehmen. Sie werden am Montag wohl Offerten von über drei Milliarden Euro einreichen, voraussichtlich weniger als das siebeneinhalbfache des erwarteten Betriebsergebnisses von T-Mobile Niederlande. Die Telekom hätte aber gerne einen Preis von mindestens dem achtfachen des Ergebnisses.

Kion auf dem MDax-Thron

Im MDax gab es nur eine Handvoll Gewinner. Zum Spitzenreiter stieg die Aktie von Kion mit einem Plus von 2,4 Prozent auf. Der Gabelstaplerhersteller hat 2015 seinen Umsatz um neun Prozent auf 5,1 Milliarden Euro verbessert. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um neun Prozent auf 482,9 Millionen Euro zu. Die Geschäfte liefen besonders in Westeuropa gut.

Aurubis hebt sich positiv ab

Die Aktie von Aurubis gewann 1,9 Prozent. Der Konzern profitiere von den steigenden Metallpreisen, meinten Händler. Hinzu kommen positive Analystenreaktionen im Nachgang der endgültigen Zahlen von Aurubis.

Bilfinger nicht so schlimm wie befürchtet

Bilfinger: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Etwas höher schloss auch die Aktie von Bilfinger. Der kriselnde Bau- und Industriedienstleister hat im vergangenen Jahr zwar einen Rekordverlust von 489 Millionen Euro erlitten. Immerhin fiel das Minus nicht ganz hoch aus wie erwartet. Grund waren Abschreibungen insbesondere im zum Verkauf gestellten Kraftwerksgeschäft und Kosten für den Konzernumbau.

Metro enttäuscht

Der Handelskonzern Metro hat im traditionell starken Weihnachtsquartal einen Rückgang beim operativen Ergebnis von 891 auf 828 Millionen Euro hinnehmen müssen. Der Umsatz sank um 1,3 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro. Ein Sonderertrag aus dem Verkauf des Großhandelsgeschäfts in Vietnam ließ den Gewinn von 404 auf 549 Millionen Euro nach oben schnellen. Die Aktie fiel um fast sieben Prozent.

United Internet steigt bei Tele Columbus ein

Der Internet- und Telekomdienstleister United Internet hat seine Beteiligung an Deutschlands drittgrößtem Kabelnetzbetreiber Tele Columbus von knapp 10 auf 25,11 Prozent ausgebaut. Es sei weder ein freiwilliges Übernahmeangebot noch die Überschreitung der Schwelle von 30 Prozent geplant, ab der ein Pflichtangebot erforderlich wäre, teilte das Unternehmen mit. Die UI-Aktie fiel um zwei Prozent, das Papier von Tele Columbus 1,7 Prozent.

Gerresheimer gut im Geschäft

Der Verpackungshersteller Gerresheimer sein Ergebnis deutlich verbessert. Der bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg um knapp zehn Prozent auf 278 Millionen Euro. Für 2016 kündigte das Unternehmen einen Anstieg des Konzernumsatzes um neun Prozent auf 1,5 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ebitda von rund 320 Millionen Euro an.

Biotest besser als erwartet

Größter SDax-Gewinner war Biotest mit einem Plus von fünf Prozent. Das Pharmaunternehmen hat operativ im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen geschrieben. Vor Zinsen und Steuern lag das Ebit bei minus 72 Millionen Euro nach plus 53 Millionen ein Jahr zuvor. Grund waren Probleme im US-Geschäft. Dennoch schnitt das Unternehmen etwas besser als erwartet ab.

DBAG und Gesco heben Prognose an

Positiv stach am Donnerstag Gesco heraus. Die Aktien sprangen um sechs Prozent nach oben. Die Beteiligungsgesellschaft hat die Prognose für das Geschäftsjahr 2015/16 erhöht. Das Wuppertaler Unternehmen stellt einen Umsatz am oberen Rande der anvisierten Spanne von 480 bis 490 Millionen Euro in Aussicht. Der Gewinn soll bei 16 Millionen Euro liegen - zwei Millionen mehr als bislang geplant.

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat ebenfalls ihre Prognose angehoben. Die DBAG erwartet für das Geschäftsjahr 2015/16 einen deutlichen Anstieg des Vorjahresergebnisses, hinzu kämen die Erfolge aus den Veräußerungen von rund zehn Millionen Euro. Im ersten Quartal konnte der Gewinn auf 30,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden.

Leifheit wächst solide

Kurz vor der Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt meldete der Haushaltsgerätehersteller Leifheit seine Jahreszahlen. Das Unternehmen aus Nassau verzeichnete ein Umsatzplus von vier Prozent - dank guter Geschäfte in Deutschland und Zentraleuropa. Das operative Ergebnis (Ebit) lag bei mehr als 20 Millionen Euro. Der Hersteller von Wäschespinnen, Bügeltischen und Gewichtswagen sieht erste Erfolge der Strategie "Leifheit 2020" am Markt. Die Aktie verlor dennoch zwei Prozent.

Villeroy & Boch traut sich mehr zu

Um zwei Prozent nach oben ging es mit der Aktie von Villeroy & Boch. Der Badmöbel- und Geschirr-Hersteller hat im abgelaufenen Jahr den Umsatz um fast fünf Prozent auf 803,8 Millionen Euro erhöht. Das, so Villeroy & Boch, sei der stärkste Zuwachs seit der Wirtschaftskrise 2009. Besonders China entwickelte sich erfreulich. Der Gewinn zog um 12 Prozent auf 27,3 Millionen Euro an. "2016 trauen wir uns ein bisschen mehr zu als 2015", sagte Vorstandschef Frank Göring. Der Umsatz soll um bis zu sechs Prozent, das Ebit fünf bis zehn Prozent zulegen.

Total nicht total schlimm

Auch aus dem Ausland kam am Donnerstag eine Reihe von Zahlen. Der französische Energiekonzern Total hat im vierten Quartal einen Umsatzrückgang um 28 Prozent auf 37,75 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Der bereinigte Nettogewinn gab um gut ein Viertel auf 2,1 Milliarden Dollar nach. Damit übertraf Total die Analystenerwartungen.

Thomas Cook sieht ungebrochene Reiselust

Trotz Terroranschlägen in Tunesien und der Türkei hat der Reisekonzern im vierten Quartal keine abnehmende Reiselust der Europäer gespürt. Im Gegenteil: Ungewöhnlich viele Menschen machten Urlaub in der eigentlich ruhigeren Winterzeit und buchten statt Nordafrika vermehrt Ziele in Spanien oder der Karibik. Der operative Verlust konnte so im vierten Quartal verringert werden auf knapp 63 Millionen Euro. Allerdings liegen die Sommerbuchungen bisher hinter dem Vorjahr zurück. Cook bestätigte wie zuletzt auch Konkurrent Tui die Prognose für 2016. Die Aktien sackten trotzdem ab.

Nokia gut vernetzt in China

Der finnische Netzwerkausrüster Nokia hat im vierten Quartal hat dank florierender Geschäfte in China überraschend gut abgeschnitten. Das operative Ergebnis schnellte im vierten Quartal um 46 Prozent auf 734 Millionen Euro in die Höhe. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 3,6 Milliarden Euro.

Rio Tinto in der Defensive

Der britisch-australische Bergbauriese Rio Tinto ist im vergangenen Jahr wegen des Preisverfalls bei Rohstoffen in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich lag der Verlust im vergangenen Jahr auch wegen Milliarden-Abschreibungen bei 866 Millionen Dollar. 2014 hatte man noch 6,5 Milliarden Dollar verdient.

Ermittlungen gegen Boeing

An der Wall Street stand im frühen Handel Boeing unter Druck. Die Aktie brach acht Prozent ein. Ein Medienbericht über Ermittlungen der US-Börsenaufsicht sorgte für Unruhe. Die Regulierer prüfen, ob der Flugzeugbauer die Kosten und die voraussichtlichen Verkaufszahlen des Dreamliners und des 747 Jumbo korrekt verbucht hat.

Tesla verspricht Turn-Around für 2016

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Dagegen sauste die Aktie von Tesla gut sechs Prozent nach vorn. Der Elektroautobauer verdreifachte 2015 zwar den Verlust, will aber im laufenden Jahr aus den roten Zahlen herauskommen. Auf bereinigter Basis werde Tesla 2016 Gewinn machen, versprach Konzernchef Elon Musk. Im Gesamtjahr sollen 80.000 bis 90.000 Wagen der Oberklassenlimousine Model S oder des Luxusmodell Model X SUV ausgeliefert werden. Bereits im ersten Quartal soll der Absatz um 60 Prozent anziehen.

Bei Pepsi spritzt's wieder

Bei Pepsi schäumen wieder die Gewinne. Im vierten Quartal verdiente der Brause- und Snackhersteller 1,7 Milliarden Dollar - fast ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders im nordamerikanischen Heimatmarkt lief es gut. In Euiropa und Asien schwächelte dagegen das Geschäft. Der starke Dollar drückte den Umsatz um sieben Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar. Die Aktie behauptete sich.

nb

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Tagestermine am Freitag, 26. August

Unternehmen:
Stada: Hauptversammlung in Frankfurt, ab 10:00 Uhr
Hapag Lloyd: Hauptversammlung in Hamburg, ab 10:30 Uhr
Prada: Halbjahreszahlen, 17:40 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise im Juli, 01:30 Uhr
Deutschland: GfK-Konsumklimaindex für September, 08:00 Uhr
EU: Geldmenge M3 in der Eurozone für Juli, 10:00 Uhr
Großbritannien: BIP Q2, zweite Schätzung, 10:30 Uhr
USA: BIP Q2, zweite Schätzung, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen im August, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Jackson Hole: Fortsetzung des Notenbanker-Treffens mit Rede von Fed-Präsidentin Yellen, 16:00 Uhr

Darstellung: