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Börsentrend 14:50 Uhr
Zypern verunsichert
Rally mal eben unterbrochen
Die geplante Zwangsabgabe für zypriotische Sparer hat auch an den Aktienbörsen das Vertrauen der Anleger erschüttert. Sie trennen sich in erster Linie von den Bank- und Versicherungsaktien. Auch der Euro ist unter Druck.
"Es ist, als ob die Europäer eine Leuchtreklame hoch halten, auf der in italienischer und griechischer Sprache steht: Zeit, die Banken zu stürmen!" , schreibt der Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman in der jüngsten Ausgabe der "New York Times".
Tatsächlich ist Verunsicherung der Aktienanleger mit Händen zu greifen. Am Morgen brach der Dax um 140 Punkte auf 7.902 Punkte ein, hat sich seitdem aber etwas beruhigt und notiert relativ stabil 1,0 Prozent oder 80 Punkte niedriger als am Freitag bei 7.962. Auch der Euro bleibt unter der Schwelle von 1,30 Dollar und notiert am Nachmittag bei nur noch 1,2920 Dollar, nachdem er sich am Vormittag etwas erholt hatte.
Die Kurse an der New Yorker Börse sind ebenfalls unter Druck geraten. Der Dow-Jones-Index eröffnete am Nachmittag rund ein halbes Prozent niedriger bei 14.441 Zähler.
Zwar könnte die Entscheidung zur Zwangsabgabe für alle Sparer etwas abgemildert werden, doch ist das Vertrauen vieler Anleger erst einmal beschädigt. "Wir sind in ein Fahrwasser geraten, in dem es für Anleger immer schwieriger wird, überhaupt noch in irgendetwas zu investieren", sagt Metzler-Analyst Sebastian Sachs. Weil immer mehr Anleger überzeugt seien, dass auch Wertpapiere vor dem Zugriff des Staates nicht mehr sicher sind, stehen die Aktien heute auf der Verkaufsliste.
Finanzwerte müssen bluten
Die Zwangsabgabe für zypriotische Bankkunden trifft vor allem die Finanzwerte, allen voran die Titel der Deutschen Bank und der Allianz. Sie sind die schwächsten Werte im Dax. Aber auch die Münchener Rück und die im MDax notierte Aareal Bank leiden überdurchschnittlich.
Lufthansa hoch gelobt
Die Liste der Gewinner wird angeführt von den Aktien der Lufthansa. Grund ist ein Artikel im US-Anlegermagazin "Barron's", dem zufolge die Titel der Fluggesellschaft trotz des jüngsten Höhenflugs immer noch günstig bewertet sind und um weitere 20 Prozent zulegen könnten. Zudem habe die Schweizer Großbank UBS Lufthansa hochgestuft und spreche nun eine Kaufempfehlung aus.
Telekom schwächer als der Markt
Bergab geht es dagegen mit den Aktien der Telekom. Grund könnte ein Bericht der "WirtschaftsWoche" sein, demzufolge sich das europäische Auslandsgeschäft des Konzerns schlechter entwickelt als erwartet. In den ersten beiden Monaten des Jahres habe das operative Ergebnis unter Plan sowie unter dem Vorjahreswert gelegen.
Neuer Auftrag beflügelt EADS
Im MDax gehört die Aktie von EADS zu den wenigen Gewinnern. Grund ist ein Milliardenauftrag aus Indonesien für 200 Maschinen vom Typ A320. Der Vertrag wird heute beim Treffen zwischen Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande angekündigt.
Verwirrung um Gildemeister
Der mit Abstand schwächste Wert im MDax ist die Aktie des Werkzeugmaschinenherstellers Gildemeister. Dessen Chef Rüdiger Kapitza hatte am Freitag eine Hochzeit mit seinem japanischen Großaktionär Mori Seiki nicht ausgeschlossen, was jedoch später von einem Firmensprecher dementiert wurde. Seither herrscht Verwirrung - und Verwunderung - über die Position des Unternehmens.
DBAG überzeugt nicht
Im SDax gehört die Aktie der DBAG zu den Verlierern. Dabei ist die Beteiligungsgesellschaft mit einem Gewinnsprung ins neue Geschäftsjahr 2012/13 gestartet. Der Überschuss kletterte im ersten Quartal auf 7,5 Millionen Euro. Auf das gesamte Geschäftsjahr (per Ende Oktober) lasse sich das Ergebnis aber nicht hochrechnen, warnte DBAG. Das kam bei Anlegern nicht gut an.
Evotec an TecDax-Spitze
Mit einem kräftigen Kursgewinn von gut vier Prozent begrüßen die Anleger die Rückkehr von Werner Lanthaler an seinen Arbeitsplatz an der Spitze von Evotec. Lanthaler nimmt nach einer mehrmonatigen Krankheit seine Arbeit wieder auf, und soll das Wachstum des Biotech-Unternehmens nun wie geplant vorantreiben.
Neue Namen in den Indizes
Seit heute hat sich die auch Zusammensetzung der Aktienindizes leicht verändert. Norma Group ersetzen im MDax die Papiere von Vossloh, die in den SDax absteigen. Zudem musste mit Solarworld einer der letzten Solarwerte den TecDax verlassen. Dafür rücken Telefonica Deutschland in den Technologiewerte-Index auf. Im EuroStoxx 50 ersetzen EADS die Papiere von Nokia.
Patentklage gegen Apple
Neuer Ärger für Apple. Der von George Lucas gegründete Sound-Spezialist THX hat die Kalifornier wegen des Lautsprecher-Designs in den neuen iMac-Computern verklagt. Apple habe das Patent für eine Technologie verletzt, die für bessere Klang-Qualität bei schmalen Lautsprechern sorge, heißt es in der Klageschrift. THX war Anfang der 80er Jahre von "Star Wars"-Schöpfer Lucas gegründet worden.
HSBC-Sparprogramm kostet wohl weitere Jobs
Die britische Großbank HSBC plant einem Bericht der "Financial Times" zufolge einen weiteren massiven Abbau von Stellen. Nachdem bei dem Institut in den vergangenen zwei Jahren bereits mehr als 30.000 Beschäftigte wegfielen, könnten nun weitere 5.000 bis 10.000 Stellen auf der Kippe stehen. Im Mai sollen die Pläne feststehen. Vorstandschef Stuart Gulliver hatte bereits Anfang März angekündigt, in diesem Jahr eine weitere Milliarde US-Dollar einsparen zu wollen.
Stand: 18.03.2013, 14:50 Uhr