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Börsentrend 20:05 Uhr
Kursgewinne zum Monatsbeginn
Börsenstimmung hellt sich auf
Anleger können auf einen "goldenen Oktober" hoffen. Zum Beginn des neuen Monats und Quartals legten die europäischen Börsen deutlich zu. Schützenhilfe kam von den Einkaufsmanagern aus den USA und Europa.
Nach der trüben letzten September-Woche, in der der Dax gut drei Prozent nachgab, schöpfen die Anleger wieder Mut. Der deutsche Leitindex zog kräftig an und beendete den Xetra-Handel um 1,5 Prozent höher bei fast 7.327 Punkten. Der EuroStoxx gewann 1,8 Prozent, der französische Cac40 gar 2,4 Prozent. Im späten Parketthandel bröckelten die Gewinne etwas, der L-Dax schloss bei 7.301 Zählern. Denn am Abend ließ der Rückenwind aus den USA etwas nach. Der Dow büßte einen Teil seiner Gewinne ein und lag zwei Stunden vor Handelsende noch knapp ein Prozent im Plus. Der breiter gefasste S&P500 stieg um knapp 0,4 Prozent. Nur die Nasdaq notierte schwächer.
"Die Investoren nutzen offenbar die jüngsten Kursrückgänge, um wieder in den Markt einzusteigen", meinte ein Börsianer. Zudem stocken Anleger üblicherweise ihre Portfolien zum Beginn eines neuen Quartals auf, sagte ein Marktteilnehmer.
Lichtblick aus Europa
Zunächst hatten positive europäische Konjunkturdaten die Börsianer in Kauflaune versetzt. Überraschend nämlich hat sich die Stimmung der spanischen, italienischen, französischen und deutschen Einkaufsmanager aus der Industrie im September aufgehellt. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Industrie in der Euro-Zone stieg leicht auf 46,1 Punkten und lag über den Erwartungen.
Auch der spanische Banken-Stresstest vom Freitagabend sorgte nachträglich für Erleichterung. "Das hat den Märkten Rückenwind gegeben", meinte ein Händler.
Konjunkturschub aus den USA
Am Nachmittag brachte der ISM-Index aus den USA den Aktienmärkten neuen Schwung. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe kletterte von 49,6 auf 51,5 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Mai. Damit wird erstmals seit langem wieder ein Wachstum des Industriesektors signalisiert. Volkswirte hatten mit einer Stagnation des ISM-Index bei 49,7 Punkten gerechnet.
Selbst wenn die US-Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen sollte, bleibe die lockere Geldpolitik "für eine beträchtliche Zeit" angemessen, betonte am Abend Fed-Chef Ben Bernanke. Inflationssorgen wies er zurück. Die Preisstabilität in den USA sei exzellent, und es gebe keine Anzeichen, dass sich in den kommenden Jahren etwas daran ändern werde, sagte er.
Gold glänzt stärker denn je
Der Euro stieg zeitweise auf über 1,29 Dollar, rutschte am Abend aber wieder unter diese Marke. Gleichzeitig stieg auch der Goldpreis auf ein neues Rekordhoch in Euro. Das Edelmetall verteuerte sich auf 1.385,95 Euro je Feinunze. In Dollar gerechnet erreichte der Goldpreis mit 1.791 Dollar den höchsten Stand seit rund elf Monaten.
Infineon wieder obenauf
Aktien, die zuletzt heftig gelitten hatten, waren zu Wochenbeginn gefragt. Die Titel von Infineon eroberten den Dax-Pole Position mit einem Plus von 4,5 Prozent. In der vergangenen Woche waren die Aktien um gut 12 Prozent abgesackt. Am Montag trat Reinhard Ploss sein Amt als neuer Infineon-Chef an.
Spanien beflügelt Bankaktien
Die deutschen Bankaktien profitierten von den nicht ganz so schlimm wie befürchtet ausgefallenen Stresstest-Resultaten der spanischen Banken. Die Papiere der Deutschen Bank und Commerzbank stiegen um rund drei Prozent. Beide Geldhäuser sind noch relativ stark in Spanien engagiert. Spekulationen über einen neuerlichen Dividenden-Ausfall für 2012 und 2013 setzten der Commerzbank-Aktie nur kurzzeitig zu.
IATA treibt Lufthansa an
Im Aufwind waren die Aktien der Lufthansa mit einem Plus von 1,5 Prozent. Der Weltluftfahrtverband IATA hat am Montag seine Gewinnprognose für die Branche angehoben. Alle Airlines würden summiert 4,1 Milliarden Dollar in diesem Jahr verdienen. Ursprünglich hatte IATA nur drei Milliarden Dollar Gewinn prophezeit.
Nur kurze Freude über SAP-Deal
Verlierer gab es am Montag keine. Schlusslicht war SAP. Die Aktien des Walldorfer Software-Konzerns schlossen unverändert und büßten ihre anfänglichen Gewinne wieder vollständig ein. Anleger hatten zunächst positiv auf die Zustimmung des US-Justizministeriums zur Übernahme des "Cloud"-Anbieters Ariba reagiert. Die Transaktion im Volumen von 4,3 Milliarden Dollar soll in dieser Woche abgeschlossen werden.
EADS-BAE-Fusion in Gefahr
Die geplante Fusion des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems droht derweil an der Politik zu scheitern. Die Briten haben laut Reuters mit einem Veto gedroht, da sie einen zu großen Einfluss von Deutschland und Frankreich in dem künftigen Konzern fürchten. Zudem ist der EADS-Anteilseigner Lagardère unzufrieden mit den Fusionsbedingungen. Die Chefs von EADS und BAE wollen den staatlichen Einfluss bei EADS zurückdrängen. Doch die Regierungen in Frankreich und Deutschland denken nicht daran und erwägen, je neun Prozent der Anteile an dem neuem Rüstungskonzern zu halten.
Dürr spürt keine Autoflaute
Größter Gewinner im MDax waren die Titel von Salzgitter mit einem Plus von 3,6 Prozent. Die Papiere des Anlagenbauers Dürr legten fast drei Prozent zu. Dürr-Vorstand Ralf Dieter zeigte sich in der "Financial Times Deutschland" erfreut über einen "intakten Markt" und meinte damit den Autosektor, mit dem Dürr 80 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftet. Die Auftragsbücher, so Dieter, seien bereits gut gefüllt, der Umsatz für das Jahr 2013 damit gesichert.
Maschinenbauer bekommen weniger Aufträge
Aktien der Maschinenbauer wie Gildemeister und Gea waren stark gefragt. Laut dem VDMA sind die Bestellungen bei den Maschinenbauern im August zwar um elf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen. Allerdings habe sich der Abwärtstrend verlangsamt.
Allianz mit Bayer beflügelt Evotec
Star des Tages im TecDax war Evotec. Die Papiere gewannen knapp sechs Prozent. Die Biotech-Firma hat eine Forschungsallianz mit Bayer bekannt gegeben. Evotec wird in den nächsten fünf Jahren zusammen mit Bayer Wirkstoffe zur Behandlung der Frauenkrankheit Endometriose erforschen. Die Biotech-Firma erhält zwölf Millionen Euro als Vorauszahlung. Zudem darf sie auf erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 580 Millionen Euro hoffen.
Marseille-Kliniken verdienen mehr
Zahlen gab es am Montag von den Marseille-Kliniken und Payom Solar. Die Marseille-Kliniken steigerten im Geschäftsjahr 2011/12 den Umsatz auf 195,1 Millionen Euro und das operative Ergebnis (Ebit) auf 10,9 Millionen Euro. Das Ergebnis pro Aktie konnte mehr als verdoppelt werden auf 0,45 Euro.
Bilanzfehler bei Payom Solar
Die Solarfirma Payom Solar musste derweil Bilanzfehler bei den Zahlen zum ersten Quartal einräumen. Damals war ein Ebit von 2,2 Millionen Euro ausgewiesen worden. Im ersten Halbjahr meldete Payom Solar ein negatives Ebit von rund vier Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte um ein Fünftel auf 42,9 Millionen Euro.
Centrotherm darf weitermachen
Bessere Nachrichten gab es vom Solarzulieferer Centrotherm: Das Amtsgericht Ulm gab der angeschlagenen Firma die Erlaubnis, sich in einem so genannten Planverfahren in Eigenverwaltung zu sanieren. Das Sanierungskonzept muss bis zum 12. Oktober bei der zuständigen Kammer eingereicht werden. Die Aktie schoss um über 21 Prozent nach oben auf 1,50 Euro.
Riesensatz von Heiler Software
Einen noch kräftigeren Kurssprung um knapp 150 Prozent legte die Aktie des Software-Unternehmens am Montag aufs Börsenparkett. Mit 7,04 Euro notiert der Titel exakt auf dem Preis, den die US-Firma Informatica Corp. in einem Übernahmeangebot je Aktie zahlen will. Die Mindestannahmeschwelle hat Informatica mit 67,5 Prozent angegeben. Heiler hat bereits eine Transaktionsvereinbarung mit der neuen Konzernmutter geschlossen.
Rohstoff-Megafusion kommt voran
Im Übernahmepoker um den Rohstoffkonzern Xstrata scheint eine Einigung in Sicht. Xstrata hat der Fusion mit Glencore unter Bedingungen zugestimmt. Xstrata-Aktionäre sollen als Voraussetzung einen Plan billigen, mit dessen Hilfe wichtige Manager im Unternehmen gehalten werden sollen. Der Deal hätte ein Volumen von rund 33 Milliarden Dollar. Die Aktien von Glencore gaben leicht nach, während die Titel von Xstrata 1,5 Prozent zulegten.
Credit Agricole vor Griechenland-Rückzug
Erleichtert reagierten Anleger auf den bevorstehenden Rückzug der französischen Großbank Crédit Agricole aus Griechenland. Die Aktie legte um über drei Prozent zu. Crédit Agricole will seine griechische Problemtochter Emporiki an das griechische Geldinstitut Alpha Bank verkaufen.
Google überholt Microsoft
An der Wall Street fand unter den Hightech-Werten am Montag eine kleine Wachablösung statt. Google überholte beim Börsenwert den Software-Giganten Microsoft und stieg zur Nummer zwei der Tech-Werte hinter Apple auf. Während Google auf 249 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung kam, war Microsoft eine Milliarde weniger wert.
Kraft wird aufgespalten
Vor der Aufspaltung steht der Kraft-Konzern. Das reine Lebensmittelgeschäft im amerikanischen Heimatmarkt soll von Kraft Foods weiter betrieben werden, das Auslandsgeschäft wird unter dem Dach der Nachfolgefirma Mondelez International weitergeführt. Die Aktionäre stimmten dem Aufspaltungsplan mit großer Mehrheit zu. Sie erhoffen sich, dass die Gewinne und die Kurse steigen. Am Montag nach Börsenschluss soll die Trennung endgültig vollzogen werden.
Talanx hat es fast geschafft
Der Versicherungskonzern Talanx dürfte nach einem holprigen Start im zweiten Anlauf den Börsengang am Dienstag schaffen. "Das Buch ist in allen Preislagen überzeichnet", meinte ein Insider. Die Nachfrage sei gut, sagte ein anderer. Die Aktien könnten zwischen 17,80 Euro und 18,80 Euro ausgegeben werden, sickerte durch. Das wäre die untere Hälfte der offiziellen Preisspanne von 17,30 bis 20,30 Euro. Am Graumarkt pendeln die Aktien derzeit bei um die 19 Euro.
Stand: 01.10.2012, 20:05 Uhr