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Börsentrend 15:33

Dax baut Gewinne aus

Verzögerter "Draghi-Effekt" an den Börsen

Das Warten hat ein Ende: Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat am Mittag Details zum unbegrenzten Anleihenkaufprogramm bekannt gegeben. Die Anleger zeigten sich zunächst skeptisch, inzwischen aber überwiegt die Freude. Der Dax springt nach oben.

Die Aussagen von "Super-Mario" konnten die Börse erst nicht begeistern. Der Dax gab einen Teil seiner Kursgewinne ab. Nach dem Ende der Pressekonferenz zog der deutscxhe Leitindex aber kräftig an und stieg um zwei Prozent auf über 7.100 Punkte. Das lag auch an der freundlichen Eröffnung der Wall Street, wo sich der Dow Jones zunächst weiter von der Marke von 13.000 Punkten absetzen konnte.

EZB kauft unbegrenzt Anleihen notleidender Staaten

Der EZB-Chef kündigte am Donnerstag nach der Ratssitzung den Kauf von Staatsanleihen klammer Eurostaaten an. Die Zentralbank werde unabhängig und innerhalb ihres Mandats handeln, versprach Draghi. Eine Obergrenze für das Volumen der Anleihenkäufe soll es nicht geben. Das Programm werde beendet, wenn die Ziele erreicht seien, sagte Draghi. Die Inflationsgefahr soll eingedämmt werden. Das durch die Käufe neu geschaffene Geld solle an anderer Stelle abgeschöpft werden, versuchte "Super-Mario" die Kritiker zu beruhigen.

Dass die EZB den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent beließ, fiel da nicht ins Gewicht. Der Euro gab im Laufe der Pressekonferenz nach und rutschte auf unter 1,26 Dollar.

Spaniens Rendite sinkt

Im Vorfeld der EZB-Intervention konnte sich Spanien billiger Geld besorgen. Die Risikoaufschläge für die kurzlaufenden Anleihen gingen zurück. Die Rendite für zweijährige Staatspapiere sank auf rund 2,8 Prozent – nach zuvor 4,7 Prozent bei der letzten Auktion im Juni.

Anleger suchen sichere Euro-Länder. Die Rendite für französische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sank gar auf einen historischen Tiefstand von 2,21 Prozent. Bei der letzten Auktion Anfang Juli hatte der Zinssatz noch bei über 2,5 Prozent gelegen.

Mehr Auftragseingänge für die deutsche Industrie

Zusätzlich beflügelten gute Konjunkturdaten die Kurse. So stiegen die deutschen Industrieaufträge im Juli stärker als erwartet – um 0,5 Prozent. Volkswirte hatten lediglich mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent gerechnet.

US-Firmen schaffen 200.000 neue Jobs

Überraschend gute Arbeitsmarkt-Daten aus den USA kamen vom Arbeitsmarkt-Dienstleister ADP. Die Unternehmen haben im August 201.000 neue Jobs geschaffen. Ökonomen hatten mit 60.000 weniger neuen Stellen gerechnet.

Gold auf Sechsmonats-Hoch

Die Furcht der Anleger vor Preissteigerungen wegen der Eingriffe der Notenbanken hat am Donnerstag den Goldpreis auf ein Sechs-Monats-Hoch getrieben. Er stieg um rund ein Prozent auf 1.712 Dollar je Feinunze. Gold könne in Anbetracht der extrem lockeren Geldpolitik führender Notenbanken seine Funktion als "sicherer Hafen und wertstabile Anlage wieder ausleben", sagte Commerzbank-Rohstoffexperte Daniel Briesemann.

Chemie- und Autoaktien begehrt

Vor allem konjunktursensible Aktien sind am Donnerstag im Dax gefragt. Chemie- und Autowerte werden favorisiert. Bayer führt mit einem Plus von fast drei Prozent den deutschen Leitindex an, gefolgt von Merck. Die Papiere von VW, Daimler und BMW legen rund zwei Prozent zu. Der bayerische Autobauer BMW hat in den ersten acht Monaten 37 Prozent mehr Autos in China verkauft.

Conti und Lanxess steigen auf

Mit den beiden Dax-Neulingen Lanxess und Conti steigt das Gewicht der beiden dominierenden Branchen Chemie und Autos im deutschen Leitindex. Die Deutsche Börse gab am Mittwochabend bekannt, dass Lanxess und Conti Metro und MAN ab dem 24. September in der ersten deutschen Börsenliga ersetzen. Dennoch steigt die Metro-Aktie um 1,7 Prozent. Der Abstieg des Einzelhändlers war schon lange erwartet worden. Die Aktie hat im vergangenen halben Jahr knapp 17 Prozent verloren.

Die Conti-Aktie legt im MDax vor dem bevorstehenden Abstieg knapp ein Prozent zu. Continental-Chef Elmar Degenhardt zeigte sich trotz der Eintrübung der Konjunktur auch für 2013 optimistisch. Conti wolle vier bis fünf Prozentpunkte über dem Marktwachstum liegen, erklärte der Firmenchef.

Senkt Deutsche Börse ihr Ziel?

Größter Dax-Verlierer ist die Aktie der Deutschen Börse mit einem Minus von über einem Prozent. Händler fürchten, dass der Börsenbetreiber seine Jahresziele nicht halten kann. Die Handelszahlen im August waren zuletzt sehr schwach ausgefallen.

Salzgitter erholt sich

Im MDax sind die Salzgitter-Aktien am stärksten gefragt. Sie gewinnen 4,5 Prozent. Börsianer begründeten dies mit einer Gegenbewegung auf die jüngste Talfahrt. Salzgitter sei eine der am meisten überverkauften Aktien in Deutschland und biete entsprechendes Erholungspotenzial, sagte ein Händler.

VDMA erhöht Prognose

Auch Maschinenbau-Aktien wie Gildemeister und Kuka laufen gut. Der Verband der Maschinenbauer (VDMA) hat trotz aller Konjunkturturbulenzen seine Jahresprognose für die Branche angehoben. Die deutsche Schlüsselindustrie rechnet nun nicht mehr mit einer Stagnation, sondern erwartet sowohl 2012 als auch 2013 ein Wachstum von jeweils zwei Prozent. Andere Branchenverbände hatten sich zuletzt deutlich zurückhaltender geäußert.

Änderungen im MDax und TecDax

Neu in den MDax, den Index der mittelgroßen Unternehmen, steigt das Immobilienunternehmen TAG auf. Die Aktie legt 2,6 Prozent zu. TAG ersetzt den Motorenbauer Deutz. Im Technologieindex TecDax gibt es zwei Änderungen. Wieder aufgenommen wird die Aktie von BB Biotech, einem Beteiligungsunternehmen aus der Biotechnologiebranche, und der High-Tech-Wert LPKF Laser & Electronics. Dafür müssen das Telefonunternehmen Gigaset und der Maschinenbauer Singulus den Index verlassen. Die Singulus-Papiere geben 3,3 Prozent nach.

Lufthansa streicht zwei Drittel der Flüge

Keine Annäherung gibt es weiterhin zwischen der Lufthansa und der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Am Freitag will die Gewerkschaft erstmals bundesweit den ganzen Tag streiken. Die Lufthansa streicht deshalb zwei Drittel ihrer Flüge, das sind 1.200 Verbindungen. Die Zahl könne sich aber auch noch erhöhen, erklärte ein Konzernsprecher am Abend in Frankfurt. Bereits heute fallen bereits knapp 50 Flüge aus, darunter auch die lukrativen Überseeverbindungen. Trotz der verfahrenen Lage hat sich die Lufthansa-Aktie bisher noch gut geschlagen.

Sixt als Streik-Profiteur?

Profiteur des Lufthansa-Streiks könnte der Autovermieter Sixt sein. Die Aktie steigt um fast zwei Prozent.

Air Berlin mit Passagierminus

Air Berlin hingegen wird offenbar (noch) nicht als Nutznießer gesehen. Die Aktie fällt um zwei Prozent. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hat im Ferienmonat August weniger Passagiere befördert. Die Zahl der beförderten Passagiere sank um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Auslastung verschlechterte sich um 0,7 Prozentpunkte auf 84,46 Prozent.

Dumpingverfahren gegen China beflügelt Solarwerte

Solarworld profitiert von der Aussicht auf Hilfestellung durch die EU-Kommission und gewinnt 1,9 Prozent im TecDax. Insgesamt 25 europäische Solarfirmen, darunter auch der deutsche Solarbauer, hatten im Juli in Brüssel Klage wegen angeblicher Dumping-Preise der chinesischen Konkurrenz eingereicht. Sie werfen den Konkurrenten vor, ihre Produkte zu Schleuderpreisen auf den Markt zu werfen. Zudem würden sie von der Regierung in Peking mit milliardenschweren Krediten gestützt. Wie die Behörde heute mitteilte, wird sie jetzt ein Prüfverfahren einleiten.

Neuer Großaktionär bei Wüstenrot

Für mehr als 100 Millionen Euro kauft der Privatinvestor Lutz Helmig den 8,78-prozentigen Anteil der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) am Finanzdienstleister Wüstenrot. Die LBBW musste die Beteiligung als Gegenleistung für erhaltene Staatshilfen während der Finanzkrise verkaufen. Der Arzt Lutz Helmig, der die Klinik-Ketten Asklepios und Helios mitgegründet hatte, erweitert damit sein Anlageportfolio. Die Wüstenrot-Aktie steigt bei gutem Umsatz deutlich um neun Prozent. Das ist ungewöhnlich, denn nur 7,9 Prozent der Anteile sind im Streubesitz. Größter Investor ist mit 66,1 Prozent die Wüstenrot-Stiftung, 7,54 Prozent liegen bei der italienischen UniCredit.

Nokia auf Talfahrt

Kräftig bergab ging es mit den in New York notierten ADRs von Nokia. Am Ende stand ein hoher Kursverlust von fast 16 Prozent auf 2,38 Dollar an der Anzeigetafel der New Yorker Börse. Die Präsentation des neuen Smartphones Lumia 920, der neue Hoffnungsträger des angeschlagenen finnischen Konzerns,  wurde am Markt negativ aufgenommen. Microsoft schlossen nahezu unverändert. Der Softwareriese liefert für das neue Lumia das Betriebssystem "Windows Phone 8" und setzt ebenfalls große Hoffnungen in das neue Gerät. Im europäischen Handel kommt die Aktie allerdings nicht so stark unter Druck, das Papier verliert auf Xetra 1,7 Prozent.

Stand: 06.09.2012, 15:33 Uhr