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Marktbericht 20:07 Uhr

Wall Street schiebt Dax an

Leichte Entspannung an den Leitbörsen

von Notker Blechner

Mit neuem Mut sind Anleger in die Karwoche gestartet. Angetrieben von positiven Impulsen aus den USA schaffte der Dax den Sprung in die Gewinnzone. Doch die Ukraine-Krise schwebt weiter wie ein Damokles-Schwert über den Märkten. Besonders Nebenwerte werden gemieden.

Die Märkte waren am Montag zweigeteilt. Während sich der Dax im Laufe des Tages von seinen Verlusten am Vormittag erholte, hielt die Talfahrt in der zweiten Börsen-Reihe an. Der MDax verlor rund ein Prozent, der SDax 1,6 Prozent und der TecDax brach gar um 2,5 Prozent ein. Er durchbrach die charttechnische Unterstützungsmarke von 1.200 Punkten. Anleger machten vor allem bei Technologietiteln Kasse.

Citigroup macht Hoffnung

Für den Stimmungswechsel im Dax sorgten gute Zahlen der Citigroup. Die drittgrößte US-Bank verdiente in den ersten drei Monaten des Jahres mit 1,23 Dollar je Aktie neun Cent mehr als erwartet. Die Citigroup habe die Stimmung an den Märkten gehoben, meinten Börsianer. Damit kehre ein wenig Vertrauen zurück nach den enttäuschenden Zahlen des Konkurrenten JP Morgan am Freitag.

US-Verbraucher im Shopping-Fieber

Zudem kamen gute Nachrichten von der US-Konjunktur. Die Einnahmen im US-Einzelhandel stiegen im März um 1,1 Prozent. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg von 0,8 Prozent gerechnet. Die Wall Street beendete ihre tagelange Durststrecke und zog wieder an. Zwei Stunden vor Handelsschluss notierte der Dow 0,8 Prozent höher, die Nasdaq büßte einen Teil ihrer Gewinne ein und lag noch 0,5 Prozent im Plus.

Draghi bläst zum Kampf gegen den starken Euro

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), trug zur freundlichen Börsenstimmung bei. Er stellte eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht, sollte der Euro weiter ansteigen. "Die Aussagen Draghis waren das bisher klarste Signal, dass die Kombination aus niedriger Inflation und starkem Euro die Notenbank zu unkonventionellen Aktionen bewegen könnten", hieß es in einem Kommentar der Metzler Bank. Der Euro fiel bis zum Abend auf 1,3817 Dollar.

Keine Entwarnung in der Ukraine

Börse 19.00 Uhr

Eine noch stärkere Erholung an den europäischen Börsen verhinderte aber die Ukraine-Krise. Die Besetzung der Verwaltungsgebäude in der Ost-Ukraine durch prorussische Separatisten schürte die Angst vor einem Bürgerkrieg. Der ukrainische Präsident Alexander Turtschinow zeigte sich offen für ein Referendum. Am Abend weitete die EU die Sanktionsliste gegen Russland aus. Fast zur gleichen Zeit kam es zu einem Zwischenfall vor der Krim. Ein russisches Kampfflugzeug donnerte nach Angaben des Pentagon mehrfach in geringer Höhe an einem US-Kriegsschiff im Schwarzen Meer vorbei. Ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums sprach von einer Provokation.

Gold und Öl legen zu

Die Spannungen um die Ukraine trieben den Ölpreis in die Höhe. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um bis zu 1,7 Prozent auf 109,12 Dollar und notierte damit so hoch wie seit rund sechs Wochen nicht mehr. Als sicherer Hafen war Gold gefragt. Das gelbe Edelmetall kletterte um 0,6 Prozent auf 1.327 Dollar je Feinunze. Das ist der höchste Stand seit drei Wochen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Konsumtitel werden neu entdeckt

Im Dax kletterten die Aktien von K+S an die Spitze. Darüber hinaus waren Konsumgüter-Aktien gefragt, die auf Jahressicht bisher hinterherhinkten. Die Papiere von Henkel legten zwei Prozent zu, die Toitel von Beiersdorf 0,7 Prozent. Händler sprachen von einem Favoritenwechsel. Einige Investoren würden nun in Konsumgüteraktien umschichten und dafür Banken- und Industriewerte abstoßen, meinte ein Händler.

Jahresgewinner auf der Verliererseite

Auf der Verkaufsliste standen dagegen die Favoriten der vergangenen Monate. Die Aktien der Lufthansa, die seit Jahresbeginn über 20 Prozent gestiegen sind, büßten knapp drei Prozent ein und bildeten das Schlusslicht im Dax. Die Commerzbank-Aktien verloren über zwei Prozent. Sie hatten in diesem Jahr bereits 13 Prozent zugelegt.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Post wird abgestuft

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch die Deutsche Post musste Federn lassen mit einem Minus von 1,7 Prozent. Die Commerzbank hat den Titel von "Hold" auf "Reduce" abgestuft. Der zuständige Analyst sieht nicht nur die 2020er-Ziele des Logistikers skeptischer, sondern rechnet auch kurzfristig mit Gegenwind bei Ebit und Free Cash-Flow.

Versorgern winken Milliarden

Einen Lichtblick gab es am Montag für die Versorger. Im Streit um die Brennelemente-Steuer können die Betreiber von Kernkraftwerken auf eine Milliardenzahlung des Bundes hoffen. Das Finanzgericht Hamburg gab Eilanträgen von RWE und Eon statt und verpflichtete die Hauptzollämter, den Firmen über 2,2 Milliarden an Steuern zu erstatten. Der Bund hat aber die Möglichkeit, binnen eines Monats Beschwerde beim Bundesfinanzhof einzulegen. Die Titel der Versorger konnten zeitweise deutlich zulegen. Zum Xetra-Schluss waren die Gewinne aber wieder aufgebraucht. Die Papiere von Eon schlossen fast unverändert, die RWE-Titel 0,4 Prozent im Minus.

Verschnaufpause für Südzucker

In der zweiten deutschen Börsenliga waren die Mode-Titel Hugo Boss und Gerry Weber die Gewinner des Tages. Auch die Südzucker-Aktie konnte sich etwas erholen und stieg um 2,5 Prozent. Anlass zur Euphorie war das aber nicht, handelte es sich dabei doch nur um eine Gegenbewegung auf die in der vergangenen Woche erlittenen herben Verluste nach der Gewinnwarnung.

Symrise-Deal in der Kritik

Abgestraft wurde indes die Symrise-Aktie. Sie büßte über zwei Prozent ein. Der Duft- und Aromenhersteller konnte mit seiner geplanten Milliarden-Übernahme der französischen Diana-Gruppe die Börse nicht überzeugen. Anleger halten den Preis für zu hoch. Symrise kündigte an, den Zukauf mit einer Kapitalerhöhung finanzieren zu wollen.

Fraport will bei Fracht Pole Position halten

Der Frankfurter Flughafenbetreiber kündigte am Montag Investitionen an, um seine im verganenen Jahr zurückeroberte Marktführerschaft im europäischen Luftfrachtmarkt zu sichern. Die Frachtanlagen sollen verbessert und weitere Hallenflächen geschaffen werden, sagte Vorstandsmitglied Anke Giesen. Im ersten Quartal zog das Frachtvolumen in Frankfurt um vier Prozent an - trotz des harten Nachtflugverbots. Die Fraport-Aktie gab rund ein Prozent nach.

Berlin bremst Rheinmetall

Ein Pressebericht über den geplatzten Verkauf von Leopard-Panzern an Saudi-Arabien belastete die Rheinmetall-Aktie. Sie verlor fast drei Prozent. Die Bundesregierung will angeblich den Deal nicht genehmigen. Zudem hat die Bremer Staatsanwaltschaft die Tochter Rheinmetall Defence Electronics erneut durchsucht.

Berenberg empfiehlt Vossloh

Im SDax konnte die Vossloh-Aktie von einer positiven Analystenstimme profitieren. Die Privatbank Berenberg hat den Titel von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 74 auf 81 Euro angehoben. Mögliche Verkäufe der Lokomotiven- und Tramsparten dürften den Aktienkurs weiter beflügeln, hieß es zur Begründung.

Landkreis will Mifa helfen

In der dritten Börsenreihe stand die Mifa im Blickpunkt. Der tief in die roten Zahlen gerutschte Fahrradhersteller prüft derzeit verschiedene Finanzierungsoptionen, um aus der Krise zu kommen. Der Landkreis Mansfeld-Südharz will die Mifa mit dem Ankauf von Grundstücken helfen. Dies brächte dem Fahrradhersteller fünf bis sechs Millionen Euro. Auch eine Bürgschaft sei laut der "Mitteldeutschen Zeitung" denkbar. Die Mifa-Aktie zog um knapp drei Prozent an.

Travel Viva fliegt in die schwarzen Zahlen

Um fast drei Prozent nach oben ging es mit der Aktie von Travel Viva. Der im Entry Standard gelistete Reisebuchungs-Spezialist hat 2013 den Umsatz um neun Prozent auf 14,07 Millionen Euro gesteigert. Unterm Strich blieb ein kleiner Gewinn von 250.000 Euro übrig.

L'Oréal enttäuscht

Der weltweit führende Kosmetik-Konzern L'Oréal verfehlte am Abend die hohen Erwartungen der Analysten. Der Umsatz sank im ersten Quartal um rund zwei Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Als Grund nannte L'Oréal ein schwächeres Geschäft in den USA sowie in Russland und den starken Euro. Bereinigt legte der Umsatz 3,5 Prozent zu. Analysten hatten ein Plus von mehr als vier Prozent prognostiziert.

Peugeot will weiter schrumpfen

Auch ein anderer französischer Traditionskonzern konnte die Anleger nicht überzeugen. Der Autobauer PSA Peugeot Citroen will die die Zahl der Modelle drastisch um fast die Hälfte reduzieren und bis 2016 in die Gewinnzone zurückkehren. Das kündigte der neue Konzernlenker Carlos Tavares am Montag an. Die Aktie brach um sechs Prozent ein.

Das Ende eines Börsen-Überfliegers

Der frühere Schweizer Börsenstar Cytos steht indes vor dem Aus. Das Management hält es für wenig wahrscheinlich, dass die längerfristige Finanzierung gesichert werden kann, nachdem das Asthmamedikament CYT003 in einer klinischen Studie den Wirkungsnachweis schuldig blieb. Der Aktienkurs brach um 95 Prozent ein auf 0,15 Euro.

Twitter-Gründer wollen keine Aktien verkaufen

Die Twitter-Aktien haben seit Jahresbeginn rund 40 Prozent an Wert eingebüßt. Deshalb wollen die Mitgründfer Jack Dorsey und Evan Williams sowie Vorstandschef Richard Costolo an ihren Aktien festhalten. Sie teilten mit, keine Aktien zu verkaufen. Am 5. Mai läuft eine Frist aus, bis zu der Alteigentümer nach dem IPO an ihren Anteilen festhalten mussten.

Johnson & Johnson will kein Botox mehr

In den USA hat Johnson& Johnson den Ausstieg aus dem Botox-Geschäft angekündigt. Mentor, die Tochter des Pharma-Konzerns, werde sich stattdessen auf die Produktion von Brustimplantaten konzentrieren. Johnson & Johnson präsentiert am Dienstag seine Quartalszahlen.

Glencore gibt Druck aus China nach

Unterdessen hat der Rohstoffhändler Glencore seine Kupfermine Las Bambas in Peru für etwa 5,85 Milliarden Dollar in bar an ein chinesisches Konsortium verkauft. Glencore stimmte dem Verkauf der Mine zu, um von der Regierung in Peking grünes Licht für die 35 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata zu bekommen.

Sharp braucht nochmals Geld

Unter Druck stand der Kurs von Sharp am Montag. Die Aktiensackten um fast neun Prozent ab. Der kriselnde Elektronik-Riese will sich frisches Geld von Inmvestoren besorgen. Laut der japanische Zeotung "Asahi" geht es um 200 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro).

Stand: 14.04.2014, 20:07 Uhr

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Tagestermine am Dienstag, 22. April

Unternehmen:
Villeroy & Boch: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q1-Zahlen, 7 Uhr
McDonald's: Q1-Zahlen, 14:00 Uhr
Amgen: Q1-Zahlen
Comcast: Q1-Zahlen
Harley-Davidson: Q1-Zahlen
Lockheed Martin: Q1-Zahlen
United Technologies: Q1-Zahlen
AK Steel Holding: Q1-Zahlen
Juniper Networks: Q1-Zahlen
AT&T: Q1-Zahlen, 22 Uhr

Konjunkturdaten:
USA: Verkauf bestehender Häuser im März, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen April, 16:00 Uhr

Sonstiges:
New York: International Auto-Show, bis 27.4.2014

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